Der geplante Neubau in Brüchermühle muss mit dem benachbartem Naturschaugarten in Einklang gebracht werden.
Wegen PlatzmangelsMediziner will in Reichshof neues Praxisgebäude errichten

Der Arzt Ruprecht Olbeter mit einem Modell und einer Zeichnung des geplanten Praxisneubaus.
Copyright: Michael Kupper
„Das neue Praxisgebäude soll den Naturschaugarten würdigen und sich darin integrieren“, sagt der Allgemeinmediziner Ruprecht Olbeter, der vor 33 Jahren seine Praxis in der Reichshofer Ortschaft Brüchermühle eröffnet hat. Bislang hat er die mehr als 3000 Patienten gemeinsam mit vier weiteren Ärzten im Untergeschoss seines Wohnhauses betreut: „Das funktioniert nicht mehr – wir platzen aus allen Nähten.“
Wir platzen aus allen Nähten.
Nachdem Olbeter ein gutes Jahrzehnt alleine dort tätig war, ist vor rund 20 Jahren Michael Stüttem zunächst als Fortbildungsassistent und später als Teilhaber eingestiegen. Vor der Pandemie wurde ein Anbau errichtet, um weiteren Platz für drei weitere Ärzte zu schaffen, die in Teilzeit behandeln. Dennoch sind die Räumlichkeiten zu beengt. Er beschreibt, dass gerade in den Hochzeiten grippaler Infekte manche Patienten in Sorge vor einer Ansteckung lieber draußen vor dem Haus warten: „Der Platz reicht vorne und hinten nicht.“
So hatte er vor zwei Jahren begonnen, nach einem Grundstück in der Umgebung zu suchen: „Es ist mir wichtig, meine Patienten ortsnah weiterzuversorgen.“ Lobend erwähnt er dabei die Unterstützung des ehemaligen Bürgermeisters Rüdiger Gennies. Trotz aller Bemühungen sei es jedoch nicht gelungen, etwas Passendes zu finden. Schließlich kam der Gedanke auf, auf dem eigenen Grundstück einen Neubau zu errichten.
Wartezimmer mit Gartenzugang
Was zunächst naheliegend scheint, ist aber durch den Umstand beeinträchtigt, dass 2021 auf der bis dahin ungenutzten Fläche neben dem Wohn- und Praxisgebäude ein mit Leader-Mitteln geförderter Naturschaugarten gestaltet wurde, der seitdem vom Verein „Naturgarten“ gepflegt wird. Begeistert hat er daraufhin gemeinsam mit seiner Partnerin Margit Frank die Herausforderung angenommen und begonnen, ein neues Praxisgebäude mit rund 230 Quadratmetern Grundfläche am Rand des Naturschaugartens zu planen und einzubinden.
So soll das Wartezimmer einerseits sowohl einen freien Blick auf den Garten als auch einen direkten Zugang ermöglichen. Wichtig ist ihnen nicht nur die Begrünung der Dachterrassen sondern auch die der Fassade. Auf zwei Geschosse verteilt sollen zwölf Behandlungsräume, Labore und Funktionsräume – etwa für EKG oder Ultraschall – entstehen, daneben auch Infektionsräume sowie mehrere Räume für therapeutische Gruppenarbeit. Der Arzt betont: „Das soll ein Haus werden, in das die Menschen gerne kommen.“
Allerdings gibt es noch zwei Hürden, die dafür genommen werden müssen. Zum einen liegt ein Teil des geplanten Gebäudes außerhalb des Bebauungsbereiches, dessen Erweiterung der Reichshofer Bauausschuss bereits befürwortet hat. Der entsprechende Satzungsbeschluss des Gemeinderates war ursprünglich für den heutigen Dienstag vorgesehen. Die Sitzung musste jedoch aus Krankheitsgründen verschoben werden.
Zum anderen liegen eine Linde, die Olbeter selbst gepflanzt hat, eine Feuchtwiese, eine Eidechsenburg und ein Lesesteinhaufen im Planungsgebiet. Im Zuge der Offenlage hat Dieter Bonkowski, Projektleiter beim Verein „Naturgarten“, einen Widerspruch gegen die Ergänzungssatzung eingereicht. Er unterstreicht darin, dass das Gelände für 15 Jahre als „Garten der Arten“ zur Verfügung gestellt worden sei – eine Voraussetzung zum Erhalt der Leader-Förderung. Zudem seien bislang hunderte Ehrenamtsstunden in das Projekt geflossen, das als Leuchtturmprojekt bundesweiten Vorbildcharakter habe.
Projekt wird neu bewertet
Ruprecht Olbeter erklärt dazu, dass er bereit sei, den betroffenen Bereich von etwa 120 Quadratmetern direkt angrenzend an den Teich im Naturschaugarten als Ausgleich zur Verfügung zu stellen. Leader-Regionalmanagerin Heike Brand schildert, dass sie über die geplante Veränderung informiert sei, abhängig von der Entscheidung des Rates werde eine Neubewertung des Projektes gemeinsam mit der Bezirksregierung vorgenommen.

