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Neue AusstellungGeorg Becker und Wibke Müller zeigen ihre Arbeiten im Kunstkabinett Hespert

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Vernissage Müller und Becker, Wibke Müller und Georg Becker

Die beiden Künstler Wibke Müller und Georg Becker.

Erstmalig in der Geschichte des Kunstkabinetts in der Reichshofer Ortschaft Hespert hat eine Vernissage nicht am Nachmittag stattgefunden.

„Good Morning, Vienna“ lautete der Titel des Stücks, mit dem Julian Göckel (Klarinette) und Nathanael Hufnagel mit dem Alt-Saxophon am Sonntagvormittag die Vernissage der neuen Ausstellung im Kunstkabinett Hespert musikalisch eröffneten haben. „Guten Morgen, Hespert“, knüpfte Dr. Andreas Brors, Fördervereinsvorsitzender des Kunstkabinetts, in seiner Begrüßung elegant und nahtlos an diese Vorlage an.

Erstmalig in der Geschichte des Kunstkabinetts fand eine Vernissage nicht am Nachmittag statt. Brors erläuterte, dass der Name „Synergien“ der gemeinsamen Ausstellung von Georg Becker und Wibke Müller Programm sei und ermutigte die rund 50 Gäste, die an den Wänden hängenden Bilder in Verbindung mit den in den Räumen verteilten Holzstelen wahrzunehmen: „Das macht die Synergie.“ Bürgermeister Rüdiger Gennies dankte dem Team um den Fördervereinsvorsitzenden und Kurator Axel Müller in seinem Grußwort für die ausgezeichnete Leistung, auch nach dem Tod des langjährigen Direktors Franz Bodo Gerono die Arbeit im Kunstkabinett in dessen Sinne fortzuführen.

Interview der Reichshofer Kulturbeauftragten mit den Künstlern

In einem Interview mit den Künstlern näherte sich Reichshofs Kulturbeauftragte Sarah-Sophie Riedel dem Thema „Synergien“, indem sie zunächst die unterschiedlichen Arbeitsweisen der beiden Künstler vorstellte. „Der Schaffensprozess ist sehr lang“, beschrieb der Bergisch Gladbacher Georg Becker (74) die Entwicklung seiner Skulpturen. Gerne arbeite er mit Obstbäumen oder Walnuss aus dem Umland: „Wegen meiner Kunst ist noch nicht ein Baum gefällt worden.“

Nach der Anlieferung des Holzes dauere es manchmal Jahre, in denen er die Strukturen freilege: „Das Innere eines jeden Baums hat seine eigene Handschrift.“ Eine Besonderheit seiner Arbeiten sind Durchbrüche, die das schwere Material luftig leicht erscheinen lassen und interessante Durchblicke ermöglichen. Becker lud ausdrücklich ein, seine Werke auch zu berühren: „Zum Erfassen eines Objekts gehören alle Sinne.“ Einmal habe er eine Ausstellung für Blinde gemacht: „Das war das dankbarste Publikum, das ich je hatte.“

Kunstkabinett Hespert: Arbeitsweisen der beiden Künstler ähneln sich

In gewisser Weise ähnlich ist die Arbeitsweise der 28-jährigen Wibke Müller, die ihre häufig abstrakt wirkenden Bilder ebenfalls schrittweise entwickelt. Allerdings sind ihre Materialien verschiedene Papiere und Malpappe. Die Stuttgarter Kunstlehrerin, die in Engelskirchen geboren und in Wiehl aufgewachsen ist, lässt sich bei ihren Aquarellen und Acrylmalereien gerne von der Landschaft ihrer oberbergischen Heimat inspirieren.

Anders als bei Beckers vertikal orientierten Stelen dominieren bei ihr die Horizontalen. Kleinere Arbeiten sind oftmals auch in Tusche oder Graphit ausgeführt. Von Riedel auf ihre Teilnahme an dem Projekt „#100DayChallenge“ in den sozialen Medien angesprochen, erklärte sie: „Es ist gar nicht so einfach, jeden Tag etwas Neues zu schaffen.“ Allerdings habe sie im Verlauf der gut drei Monate festgestellt, dass Inspirationen auch aus ganz banalen Alltagsdingen entstehen könnten.

„Zwei Künstler, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch ergibt sich ein harmonischer Gesamteindruck“, so Sarah-Sophie Riedel in ihrem Fazit.

Die Ausstellung ist bis zum 7. April geöffnet, samstags und sonntags jeweils in der Zeit von 15 bis 17 Uhr, für Gruppen und Schulklassen auch nach Absprache per E-Mail an info@kunstkabinetthespert.de.

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