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Strikte MaßnahmenSo erlebt ein Oberberger die Corona-Zeit in China

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Ein Star unter Fans: Auch einen Film mit Menschen aus Wuhan, die in Shanghai leben, hat Thomas Derksen gedreht. In China erlebt er die Auswirkungen der Pandemie auf seine deutsche Heimat aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Shanghai – Weihnachten zu Hause ist auch für Thomas Derksen ausgefallen. „Wir hätten kommen können, aber es hätte sich nicht gelohnt“, sagt der 32 Jahre alte Videoblogger, der in Shanghai wohnt, dessen Familie aber immer noch in Marienheide lebt. Neues Visum, zwei verschiedene Tests, zwei Wochen ins Hotel: „Das war die Mühe nicht wert.“

So erlebt Derksen, vor fünf Jahren erst in China und dann auch in Deutschland durch seine humorvollen Videos über die Familie seiner chinesischen Frau bekanntgeworden, die Pandemie komplett aus der Ferne. Die begann in Fernost mit einem strengen Lockdown: „Im Februar, März und April waren wir alle zehn bis zwölf Wochen zu Hause. Wir haben nichts gemacht, außer einmal in der Woche in den Supermarkt zu gehen.“

Inzwischen hat sich das Bild in China, von wo sich das Virus im vergangenen Jahr verbreitet hatte, verändert. „In der vergangenen Woche gab es in Shanghai fünf neue Fälle“, erzählt Derksen im Videointerview über eine Entfernung von fast 9000 Kilometern und sieben Stunden Zeitverschiebung. „Wenn es hier einen Fall gibt, dann wird gleich das ganze Viertel für zwei Wochen zugemacht.“ In diesem Fall sei das fünf bis sechs Kilometer weg von seinem Zuhause, dort wohnt er mit Frau und Hund. „Da werden erstmal einen Tag lang 24 Stunden alle Straßen abgeriegelt, bis alle getestet sind.“

Tragen von Masken selbstverständlich

Ein bisschen stolz seien auch die ganz normalen Chinesen, dass es mit der Eindämmung so gut klappt. Nicht nur wegen der besonders strikten Maßnahmen, glaubt Thomas Derksen. „Alle haben Masken getragen – und das ohne eine Maskenpflicht.“ Außer der, die Kaufhäuser und Supermärkte verhängten. Das tragen von Masken sei für die Chinesen aber ohnehin selbstverständlicher – auch schon vor Corona. „Es ist nicht ganz so wie in Japan, aber auch hier trägt jemand immer Maske, wenn er erkältet ist und in der U-Bahn sitzt. Allein schon, damit er andere nicht ansteckt.“

Ein bisschen Unverständnis spürt er deshalb bei den Landsleuten seiner chinesischen Familie auch gegenüber den Europäern. Unabhängig von der Freiheitsliebe: Die Sorge um die eigene Gesundheit und die der anderen sei ein großes Thema. Umso erstaunter seien die Chinesen über deutsche Sorgen. Derksen: „Wenn man mit Corona auf der Intensivstation liegt, bringt einem auch die Versammlungsfreiheit nichts.“

Hat denn der Respekt vor den angeblich so ordentlichen und fleißigen Deutschen gelitten? Derksen meint nicht: „Der Grundrespekt ist immer noch da. Und es gibt ja auf der Welt auch schlechtere Beispiele, was den Umgang mit der Pandemie angeht.“ Jetzt, da es auch in Shanghai wieder neue Fälle gibt, sehe er, dass auch draußen wieder fast alle Maske tragen. In der U-Bahn sei das inzwischen Pflicht. Auch die App, die alle Kontakte und Bewegungen nachverfolgt, spiele im öffentlichen Leben immer noch eine große Rolle.

Lockdown genutzt

Den Lockdown im Vorjahr hat Derksen genutzt: Während anderswo viele zu Hause langsam aber sicher zugenommen haben, hat er abgespeckt – 40 Kilogramm insgesamt. „Ich war zu Hause und habe meine Videos gedreht. Da habe ich mir die Challenge vorgenommen: Wie viel kann ich abnehmen?“ Dass er damit sein Markenzeichen als der kleine dicke Deutsche in China verlieren könnte, sei ihm weniger wichtig gewesen als die Gesundheit, betont Derksen: „Ich bin 32, wenn nicht jetzt, wann dann?“ Und das Gegenteil sei passiert: „Unter dem Strich gab es ein Plus, weil sich auch hier viele dafür interessieren, wie man abnimmt. Übergewicht ist ein großes Thema.“

Vom dauerhaften Erfolg seines Geschäftsmodells als Videoblogger ist er durchaus begeistert: „Ich habe mich jetzt fünf Jahre damit über Wasser gehalten. Das ist bei der Geschwindigkeit der sozialen Medien in China schon erstaunlich.“ Vier bis sechs Videos dreht er im Monat, acht bis neun Millionen Follower zählt er über alle Plattformen hinweg. Auch in Deutschland – hier gibt es mehrere 10 000 Abrufe für seine Videos – seien unter den Zuschauern vermutlich vor allem Auslandschinesen.

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Er verdiene über die Reichweite seiner Filme: Plattformen wie Youtube oder die chinesischen Pendants schalten Werbung drumherum, an den Einnahmen ist er beteiligt. „Außerdem gibt es Kooperationen zum Beispiel mit deutschen Unternehmen, die eine Fabrik in China haben. Wenn ich da einen Blick hinter die Kulissen werfe, interessiert das viele.“

Stars aus der Heimat wie damals Lothar Matthäus, der mit ihm in einem Video zu sehen war, kommen gerade weniger nach China. Dafür hat Derksen inzwischen sein zweites Buch geschrieben, das im Sommer erscheinen soll. Es dreht sich darum, wie er mit seinen Schwiegereltern die Flitterwochen in Europa erlebt hat.