Kaufhaus Dahl aus Waldbröl nimmt sein zweites Album nahezu live auf und setzt dabei auf eine ungewöhnliche Aufnahmetechnik.
Indie-Rock aus WaldbrölKaufhaus Dahl nimmt neues Album in Reichshof auf

Zu dritt und gleichzeitig in der Reichshofer „Tonmeisterei“: Die Waldbröler Band „Kaufhaus Dahl“ bei den Aufnahmen für das neue Album.
Copyright: Weitzdörfer
Der Name der Band „Kaufhaus Dahl“ aus Waldbröl ist so simpel wie genial gewählt. „Unser früherer Proberaum war im ehemaligen Kaufhaus Dahl in Waldbröl untergebracht, daher stammt dann auch der Name“, sagt Sänger und Gitarrist Marc Wiese. Er sitzt mit seinen Mitmusikern, Bassistin Tatjana Wiesner und Schlagzeuger Klaus Pitzen, am Küchentisch der Tonmeisterei von Olli Nohl. Der studierte Toningenieur hat sein Tonstudio vor acht Jahren im Untergeschoss seines Wohnhauses in der Reichshofer Ortschaft Berghausen eingerichtet. Von außen sieht man nicht, dass sich hinter dem typisch bergischen Fachwerkhaus ein modern eingerichtetes und bestens ausgestattetes Aufnahmestudio befindet.
Es war schon eine Wunschidee, dass wir quasi live aufnehmen. Allerdings muss man dafür auch einen Produzenten finden, der das machen kann.
Dass die dreiköpfige Indie-Rock-Band ihr zweites Album in der Tonmeisterei aufnimmt, hat mehrere Vorteile. „Zum einen ist man ungestört und der Weg nach Hause ist deutlich kürzer als etwa von Köln aus, dort haben wir uns anfangs nach einem Studio umgesehen“, sagt Wiese. Zudem kann die Band bei Nohl auf die Weise aufnehmen, die ihr vorschwebt und die der Toningenieur als „die gute, alte Abbey-Road-Philosophie“ bezeichnet.
„Es war schon eine Wunschidee, dass wir quasi live aufnehmen. Allerdings muss man dafür auch einen Produzenten finden, der das machen kann“, erklärt der Sänger und Gitarrist. Es ist der zweite Aufnahmetag, etwa fünf Songs sind im Kasten und warten auf den Feinschliff sowie den Gesang. „Normalerweise macht man ein Instrument nach dem anderen, aber hier werden die drei Instrumente gleichzeitig aufgenommen“, schildert Nohl. Das ist in der Vorbereitung deutlich aufwendiger, da zum einen entsprechend viele Mikrofone verwendet werden müssen – es sind an die 20 im Einsatz – , die zum anderen dann so ausgerichtet werden müssen, dass alles gut klingt. „Die meisten Kollegen würden mir den Vogel zeigen, wenn ich davon erzählen würde“, überlegt Olli Nohl schmunzelnd.

Nebenan mit Toningenieur und Studioinhaber Olli Nohl (l.) an den Reglern – „Kaufhaus Dahl“ hören zu (v.l.): Marc Wiese, Klaus Pitzen und Tatjana Wiesner
Copyright: Weitzdörfer
Das Indie-Rock-Trio ist von der Idee indes überzeugt. Und hört sich immer wieder im Aufnahmeraum die Ergebnisse an – über einen großen Bildschirm sowie Mikrofone sind die beiden Räume verbunden, optisch und akustisch. Und auch wenn die Aufnahmeweise aus einem anderen Jahrhundert stammt, so ist doch im Aufnahmeraum selbst jede Menge hochmoderner Technik verbaut. Man merkt Olli Nohl durchaus an, dass er seinen Job schon länger macht. „Ich fahre seit mehr als 30 Jahren Live-Produktionen. Dabei haben mich manche Künstler gebeten, die Live-Aufnahmen nachzupolieren. Und so kam das eine zum anderen, und so gibt es eben seit acht Jahren die Tonmeisterei.“
Die Songs für das Album, das Kaufhaus Dahl gerade aufnehmen, stehen schon länger und sind auch live-erprobt. „Das ergibt natürlich Sinn, weil wir sie hier auch live einspielen – und daher müssen die Songs sitzen“, sagt Klaus Pitzen. Einen Titel gibt es noch nicht, „Finnland“ steht als Arbeitstitel im Raum. „Es geht aber nicht um Länder oder das Reisen. Es hätte auch ,Norwegen’ heißen können“, sagt Marc Wiese. Der Schlagzeuger ergänzt: „Es ist eher eine eskapistische Metapher, weil in der wirklichen Welt so viele Dinge im Argen liegen.“ Wann genau das Album erscheint – und unter welchem Titel –, ist ebenfalls noch nicht klar.
„Wir haben mal den Jahreswechsel angepeilt – und bis dahin gibt es auch keine Konzerte. Der nächste Auftritt wird dann unsere Release-Party sein“, sagt Tatjana Wiesner. Erscheinen wird das Album auf Vinyl und digital. „Wir versuchen, CDs zu vermeiden, denn die kosten nur Geld und kein Mensch kauft sie. Im Gegensatz zu Schallplatten. Und am Streaming kommt man auch nicht vorbei“, sagt der Sänger.
