Die Ausbaugebiete würden vor allem aufgrund wirtschaftlicher Bedingungen angepasst, teilt das Unternehmen mit. Engelskirchen sei nicht betroffen.
BreitbandnetzUGG reduziert den Ausbau in Waldbröl, Lindlar und Marienheide massiv

An der Vennstraße in Waldbröl war im Juni 2024 eine der ersten oberbergischen Internetbaustellen von „Unsere Grüne Glasfaser“.
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Nicht erwartete und vor allem unerfreuliche Post haben Bewohnerinnen und Bewohner einiger Ortschaften der Stadt Waldbröl sowie in Orten der Gemeinden Lindlar und Marienheide jetzt aus dem Briefkasten gefischt: Darin kündigt das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) an, dass es das Breitbandinternet dort nun doch nicht so großflächig ausbauen werde wie zuvor zugesichert. Kundenverträge kämen also nicht zustande, Kosten entstünden keine.
Aufgrund veränderter, vor allem wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf dem Glasfasermarkt, etwa Kapazitäten und Kosten der Baupartner, steigende Materialpreise und Inflation, wolle sich UGG vorerst bis ins Jahr 2027 auf die am schnellsten zu realisierenden Glasfaserprojekte konzentrieren, teilt Sprecher Jens Lauser auf Anfrage mit. Mit diesem Fokus würden die Ausbaugebiete angepasst. In Engelskirchen aber werde UGG das Breitbandnetz wie geplant und uneingeschränkt ausbauen.
Die Zahl der bereits angeschlossenen Haushalte nenne sein Unternehmen grundsätzlich nicht, betont Lauser. Er sagt jedoch zu, UGG werde am Mittwoch, 17. Juni 2026, im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung des Waldbröler Stadtrats den Stand des Ausbaus aufzeigen.
Unternehmen aus Ismaning bietet in Oberberg stattdessen Rabatte an
Die Verwaltung tappt derweil im Dunkeln. Stadtsprecher Felix Becher: „Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat UGG noch keine konkreten und belastbaren Unterlagen wie Adresslisten, Kartendarstellungen oder Ähnliches vorgelegt, aus denen hervorgeht, wie und in welchem Umfang das Ausbaugebiet in Waldbröl reduziert wird.“ Diese Informationen habe man nun eingefordert. Sobald belastbares Material vorliege, müsse der Breitbandausbau in den Gremien neu bewertet und beraten werden, schildert Becher. „Und das technologie-offen.“
In jenem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, bietet das Unternehmen aus Ismaning betroffenen Haushalten eine Prüfung an, ob eine Internetversorgung per DSL oder Kabel möglich ist. Einen solchen Anschluss gebe es dann als Sonderangebot – noch bis Sonntag, 31. Mai 2026. Ähnliches ist bekannt aus dem Rhein-Sieg-Kreis: In Ruppichteroth und Sankt Augustin hatte UGG den Ausbau der Glasfaserleitungen bereits zu Beginn dieses Monats reduziert.
Der Ärger im Waldbröler Rathaus ist groß: „Diese Ankündigung ist zutiefst unbefriedigend und aus Sicht der Stadt Waldbröl auch nicht nachvollziehbar“, heißt es. Doch sind der Verwaltung die Hände gebunden: Eine rechtlich bindende Verpflichtung zum großen Ausbau besteht nicht, es gibt lediglich eine Absichtserklärung.
In Waldbröl soll mit Hermesdorf auch die zweitgrößte Ortschaft betroffen sein
Dem Vernehmen nach sind auch für Waldbröls zweitgrößten Ort, Hermesdorf, Streichungen angekündigt. „Wenn da nichts geschieht, ist das skandalös“, urteilt Sebastian Diener, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Stadtrat. Seine Partei hat auf das Schreiben der UGG reagiert: „Der Eindruck drängt sich auf, dass zunächst attraktive Bereiche gesichert und schwierigere Gebiete anschließend fallen gelassen werden.“
Pikant: Wegen der Zusage der UGG zu Beginn der Kooperation im Juli 2023, ein möglichst flächendeckendes Breitbandnetz zu schaffen, hatte sich die Stadt mit Glasfaser-Plus angelegt und war im vergangenen Januar nach einer Klage der Kölner Telekom-Tochter in der Domstadt vor dem Verwaltungsgericht in einen Rechtsstreit gegangen und verlor diesen. Man wollte vermeiden, dass sich ein Unternehmen nur die lukrativen Filetstücke im Stadtgebiet heraussucht und schwierige Anschlussgebiete vernachlässigt.
In Lindlar und Engelskirchen ist die Verärgerung über die UGG ebenfalls groß. Dort erhielten zahlreiche Kunden dasselbe Schreiben – jedoch vom Telefonanbieter O2, mit dem UGG zusammenarbeitet. In Lindlar hatte der damalige Bürgermeister Georg Ludwig den Glasfaserausbau mit UGG in einer eigenen Veranstaltung vorgestellt: Nach den Versprechungen folgten viele Enttäuschungen. Der zugesagte Glasfaserausbau wurde immer weiter verschoben, sodass einige Kunden zur Telekom wechselten, die erst deutlich später mit dem Ausbau begonnen hatte.
Bürgermeister Sven Engelmann berichtet, dass es bei der Gemeinde gerade zahlreiche Beschwerden über UGG gebe. Er könne das gut verstehen, aber die Gemeinde sei nicht zuständig und erhalte selbst so gut wie keine Informationen von dem Unternehmen. Die Kommunikation laufe nicht gut. „Es ist eine missliche Lage, für die wir keine kurzfristige Lösung haben.“
