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Unter neuer LeitungEin Jahr des großen Umbaus für den Waldbröler Handwerkerverein

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Im Waldbröler Bürgerhaus hängen viele historische Meisterbriefe. Dort trifft sich der Handwerkerverein, den Herbert Greb nun als Voristzender leitet.

Im Waldbröler Bürgerhaus hängen viele historische Meisterbriefe. Dort trifft sich der Handwerkerverein, den Herbert Greb nun als Voristzender leitet.

Herbert Greb ist der neue Vorsitzende der 1878 in der Marktstadt gegründeten Gemeinschaft. Der 71-Jährige will vor allem auf die Schulen zugehen.

139 junge Menschen haben im vergangenen Jahr in Waldbröl ihre Lehre oder Ausbildung absolviert, und das in 26 Berufen. 282 Handwerksbetriebe gibt es heute in der Marktstadt, 188 führt ein Meister. „Potenzial ist also reichlich vorhanden“, urteilt Herbert Greb mit Blick auf die Ergebnisse seiner Recherchen. Und genau dort möchte der neue Vorsitzende des Waldbröler Handwerkervereins ansetzen.

„Tradition und Nostalgie haben ihren Platz, doch leben kann man davon nicht“, sagt der 71-Jährige, der das Erbe der 1878 gegründeten Gemeinschaft unbedingt bewahren, aber eben auch in die Zukunft tragen möchte: „Kooperationen mit den Schulen in der Stadt sind eines unserer großen Ziele“, erklärt Greb.

Vor noch gar nicht langer Zeit sah es so aus, als verschwände der Verein aus dem Waldbröler Stadtleben

Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als verschwände der Handwerkerverein aus dem Leben in der Marktstadt: Nach 25 Jahren legte Jürgen Köppe (66) sein Amt als Vorsitzender nieder, Nachfolgerinnen und Nachfolger für den Vorstand waren zunächst nicht in Sicht, auch nicht für die anderen Posten. Doch sollte der Verein sterben? „Niemals“, betont Herbert Greb, selbst Kfz-Mechanikermeister mit Fachrichtung Landmaschinen und eigenem Betrieb bis zur Rente. „Der Verein hat viele Höhen und Tiefen und nicht zuletzt auch zwei Weltkriege überstanden“, blickt er zurück.

Also sprang er selbst in die Bresche, Braumeister und Getränketechniker Köppe (im Ruhestand) macht als Vize weiter und zehn andere Kräfte schultern zudem Vorstandsverantwortung. Greb: „Unser Programm ist aktueller als jemals zuvor: Wollen wir als Gesellschaft zusammenhalten, dürfen die Themen Jugend und Ausbildung nicht auf der Strecke bleiben.“ Greb ist übrigens „Wiederholungstäter“: Von 1998 bis 2002 hat er den Verein bereits schon einmal geleitet.

Der frühere Vereinsvorsitzende und heutige Vize Jürgen Köppe und seine Frau Ulrike mit den historischen Stücken im Untergeschoss des Waldbröler Bürgerhauses.

Der frühere Vereinsvorsitzende und heutige Vize Jürgen Köppe und seine Frau Ulrike mit den historischen Stücken im Untergeschoss des Waldbröler Bürgerhauses.

Zudem möchte dieser mit dem Handwerkerverein in der Nachbargemeinde Nümbrecht die Kräfte bündeln und ebenso Kontakte in die weitere Regionen knüpfen. „Unser Verein soll vielfältiger und bunter werden“, kündigt Herbert Greb an.

Und er soll ein starkes Sprachrohr sein für die Beschäftigten im Handwerk: „Ohne das Handwerk geht es nicht, es gäbe keine Häuser, keine Straßen, keinen Strom.“ Wehren müsse sich das Handwerk jedoch gegen die fortschreitende Automatisierung, wie sie gerade die Industrie erlebe. „Am Ende steht und fällt alles mit einer soliden Ausbildung zu Fachkräften – da sehen wir zu viele Defizite.“ Da will der Verein ein Partner sein und Orientierung bieten: „Wir wissen etwa, wie man einen eigenen Betrieb aufbaut.“

Auch die Stadt Waldbröl soll ein Kooperationspartner werden

Für die Betriebe wiederum würden derzeit Workshops geplant. So möchte sich der Verein nicht nur mit den Schulen vernetzen, sondern auch den Betrieben, den Vereinen und nicht zuletzt mit der Stadtverwaltung, „denn dorthin geht die Gewerbesteuer – wir brauchen uns gegenseitig“. Ebenso will Herbert Greb Unternehmen in den Blick nehmen, deren Inhaberinnen und Inhaber einen Migrationshintergrund haben. „Ich möchte wissen, was für Ideen sie einbringen können.“

Dieses Jahr bezeichnet der Vorsitzende als „Jahr des kompletten Umbaus“, in dem sich der Handwerkerverein nicht nur ein frischeres Outfit geben wolle, sondern auch an einer Neuauflage der Leistungsschau: Diese hat 2019 zum elften und bisher letzten Mal stattgefunden, mehr als 30 Betriebe ließen sich auf dem Marktplatz bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Auch will Herbert Greb weiterhin die Augen offenhalten, ob sich nicht eine jüngere Kandidatin oder ein jüngerer Kandidat für den Vorsitz findet. „Dann bin ich gerne bereit, Platz zu machen.“ 118 Mitglieder hat der Verein heute, einst waren es 250.


Blick in die Geschichte des Waldbröler Handwerkervereins

Gegründet worden ist der Waldbröler Handwerkerverein im Jahr 1878, er ist damit älter als die Handwerkskammer zu Köln – wie Vorsitzender Herbert Greb nicht ohne Stolz anmerkt. Die Kölner Kammer gibt es seit April 1900.

Der Waldbröler Verein konzentriert sich immer schon aufs Soziale und auf die Ausbildung junger Menschen: So schlägt der Vorsitzende Ernst Thienes am 19. April 1896 vor, in Waldbröl eine gewerbliche Fortbildungsschule zu errichten.

Dafür wird eine Kommission eingesetzt, die mit der damaligen Gemeindeverwaltung Waldbröls rasch tätig wird: Am 14. Februar 1898 geht diese Schule schon in den Betrieb unter der Leitung von Rektor Christian Engel. 30 junge Leute drücken die Schulbank und werden dort von drei Lehrern – übrigens in deren Freizeit – unterrichtet. Träger der neuen Einrichtung ist die Bürgermeisterei.

Unter dem Vorsitz von Ernst Thienes bildet der Verein am 1. April 1901 eine Prüfungskommission für Lehrlinge aus dem Landkreis Waldbröl: Als erster Kandidat bewähren muss sich vor ihren Augen im Februar des Jahres 1902 Robert Kämper, der seinen Beruf bei Anstreichermeister Otto Lorch erlernt hat. Es gibt sowohl ein praktisches als auch schon ein theoretisches Examen.

Ebenso kümmert sich der Handwerkerverein um Gesellen auf der Walz: In Januar 1909 wird aus der Gaststätte von Gustav Heiden an der Bitze ein „Gesellenheim“, eine Unterkunft also für Durchreisende. Landrat ist damals Hermann Gerdes, nach dem die Gerdesstraße benannt ist. In nächster Nachbarschaft, nämlich im Untergeschoss des historischen Bürgerhauses, hat der Verein heute seinen Versammlungsraum.

Wer sich für die Arbeit des Handwerkervereins interessiert, der ist an jedem ersten Donnerstag eines Monats um 19 Uhr im Keller des Waldbröler Bürgerhauses, Kaiserstraße 82, willkommen.