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Stargast aus New YorkBläserphilharmonie Oberberg trat mit Johan de Meij auf

3 min

Endlich wieder vor Publikum spielen: Diese Leidenschaft verbindet die Musiker des Orchesters, die aus verschiedenen Vereinen stammen.

Waldbröl – Freudige Erwartung schlug den 70 Musikern der neuen Bläserphilharmonie zur Premiere in der Aula des Gymnasiums entgegen. Das Orchester ist eine neue Initiative des Musikzuges der Feuerwehr Wendershagen. Der Plan: Ehrgeizige Musiker aus vielen Vereinen spielen drei Konzerte im Jahr. Geprobt wird in selbstorganisierten Registergruppen. Keine Märsche, keine Feste, keine Ständchen – just music. Nach drei Jahren und einem Online-Konzert nun der ersehnte erste Live-Auftritt vor vollem Haus.

Mit dem Geld aus dem Leader-Förderprojekt hatte man sich einen Stargast geleistet: Johan de Meij, weltweit gefeierter Komponist und Dirigent, war eigens aus New York eingeflogen. Vizevorsitzender Timm Gutowski sagt: „Wir wollten Musik, bei der die einzelnen Instrumente voll zur Geltung kommen. Es sollte ein Kenner-Konzert werden.“ Und so gab es Neuland für die Ohren zu gewinnen.

Musik zum Anfassen

Ingo Samp, seit vier Jahren Dirigent des Musikzuges, eröffnete mit der strahlenden „Alvamar Overture“ von James Barnes. Schwelgerische Klangfarben zeichneten ein herrliches Bild von dem, was ein symphonisches Blasorchester zaubern kann. Das war Musik zum Anfassen.

Die Dirigenten Ingo Samp (l.) und Johan de Meij.

Johan de Meij übernahm mit dem ersten Satz aus seinem Welterfolg „Symphony Nr. 1 – The Lord of the Rings“, in dem Gandalf machtvoll eingeführt wird: Vom Dunkel zum Licht, mysteriös orchestriert mit verwirrenden Geräuschen, tastend bis galoppierend. Dabei lädt der Dirigent seine Musiker ein, lockt und fordert, bittet und lobt.

Froh, wieder vor Publikum spielen zu können

Er sei froh, endlich wieder vor Publikum zu musizieren, sagt der Niederländer: „Die letzten zwei Jahre habe ich nur komponiert.“ So das Stück „Summer for Wind Orchestra“. De Meij greift gern Volksmusiken der Völker auf. Finnische Lieder und Tänze forderten auch vom tiefen Blech melodiöses Können, und die Finger der Kontrabassisten flogen über die Saiten. Die „Irish Folk Song Suite“ führte das Orchester bei den Rhythmen der Reels bis an die Grenzen und zu einer verdienten Pause.

Der Dirigent stärkte sich und lächelte für die Handys der Fans. „Um 5 Uhr früh muss ich morgen im Taxi zum Flughafen sitzen.“ Mit Ingo Samp hat er vor neun Jahren bereits ein gemeinsames Konzert mit dessen Olper Blasorchester gespielt. Außer in New York arbeitet er zur Zeit in Caracas und Fukuoka, Japan. Und auch in Waldbröl ist die Welt vertreten: Lynelle Gullick kam aus Australien, um in Deutschland als Hornistin zu spielen. In ihrer Heimat sei die Blasmusik weniger beliebt als hier. Wegen der strengen Corona-Regeln darf sie gerade nicht in die Heimat fliegen: „Ich stecke fest.“

Hobbits bevölkerten die Bühne

Die Hobbits aus dem „Herr der Ringe“ bevölkerten anschließend die Bühne mit einem fröhlichen Volkstanz, bevor sie elegant auf die offene See segelten. Die sechs Herren vom Schlagwerk hatten buchstäblich alle Hände voll zu tun, um dem Sound die nötige Basis zu stellen. Das gilt auch für „Goddess of Jeju Island“ von Jacob de Haan, bei dem eine ganze Insel entstand – mit asiatischen Harmonien und prächtigen Elefanten.

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Dieses Konzert war nicht die Stunde glänzender Solisten, sondern des symphonischen Miteinanders. Ziel des Projektes ist es, Musiker aus der Region zusammenzubringen. Oder wie Landrat Jochen Hagt es ausdrückte: „Wie kann es gelingen, attraktiv zu bleiben für die Zukunft?“ Das Konzert gab eine klare Antwort.

Mitte September wird es ein zweites Konzert geben. Und auch online will die neue Bläserphilharmonie noch einmal auftreten.