Der 35-Jährige entwickelt derzeit „volksstimmen.de“. Spätestens zum 1. Oktober soll die Internetseite an den Start gehen.
„volksstimmen.de“Der Waldbröler Sadi Charles Aksoy will online Bürgeranliegen sichtbar machen

Sich einzubringen und mitzubestimmen gehört für Sadi Charles Aksoy zu einer funktionierenden Demokratie dazu.
Copyright: Aksoy
Frust über politische Entscheidungen, ein Problem vor der eigenen Haustür oder eine Idee, wie etwas besser funktionieren kann: Sadi Charles Aksoy aus Waldbröl möchte solchen Anliegen mit einer eigenen Internetplattform mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Der 35-Jährige entwickelt derzeit „volksstimmen.de“. Spätestens zum 1. Oktober soll die Seite an den Start gehen.
Die Idee kam Aksoy nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Auf dem beruflichen Netzwerk LinkedIn beobachtete er, wie viele Menschen ihre Meinung äußerten, ihrem Ärger Luft machten oder Probleme ansprachen. Vieles davongehe allerdings unter. Gleichzeitig hat Aksoy den Eindruck, dass sich Menschen in politischen Debatten immer weniger zuhören und der gegenseitige Respekt verloren geht.
Wenn die Menschen nicht mitmachen, dann ist das keine Demokratie.
Beruflich ist Aksoy selbstständig in den Bereichen Strategie, Design und IT. Dabei bringt er rund 25 Jahre Erfahrung in der Webentwicklung und Systemarchitektur mit. Diese Kenntnisse nutzt er nun für sein eigenes Projekt. Politisch gehört der Waldbröler keiner Partei an. Auch volksstimmen.de soll unabhängig von Parteien und politischen Richtungen bleiben.
In dem digitalen „Kummerkasten“ können Nutzer zunächst in maximal 150 Zeichen eintragen, was sie beschäftigt – von alltäglichen Problemen und Sorgen bis zu Wünschen und konkreten Lösungsideen. Andere können Beiträge mit einem „Like“ unterstützen, eine Kommentarfunktion gibt es dagegen nicht.
Eine zentrale Aufgabe übernimmt dabei die Künstliche Intelligenz. Sie erkennt ähnliche Anliegen, bündelt diese und macht sichtbar, welche Themen besonders häufig genannt werden. Gleichzeitig filtert sie unangemessene Inhalte heraus.
„volksstimmen.de“: Beiträge erschienen anonym
Die Beiträge erscheinen anonym. Um Missbrauch und automatisiertes Zuspammen zu verhindern, müssen Nutzer Ihren Eintrag per E-Mail verifizieren. Die Adresse werde nicht gespeichert, erklärt Aksoy. Im Folgeprozess kann man weitere freiwillige Angaben wie Alter, Geschlecht oder gar Lösungsvorschläge angeben.
Vom Anliegen zur Politik Häufig genannte Probleme und Vorschläge will Aksoy gebündelt an die Parteien weitergeben. Dafür arbeitet er an automatisierten Abläufen. Auf diese Weise sollen auch die Parteien erkennen, welche Themen die Teilnehmer besonders beschäftigen. Reaktionen aus der Politik und mögliche Fortschritte will Aksoy ebenfalls auf der Plattform sichtbar machen. „Was hier reinkommt, nehmen wir ernst“, sagt der 35-Jährige.
Ihm geht es vor allem darum, die Hürde für politische und gesellschaftliche Beteiligung möglichst niedrig zu halten. Dahinter steckt auch der Gedanke, der der Plattform ihren Namen gegeben hat. Demokratie bedeute wörtlich übersetzt „Herrschaft des Volkes“. Für Aksoy funktioniert sie deshalb nur, wenn sich Menschen auch beteiligen.
„Wenn die Menschen nicht mitmachen, dann ist das keine Demokratie.“ Wahlen allein reichten für ihn nicht aus, schließlich würden dabei nur Repräsentanten bestimmt. Statt langer Diskussionen steht für ihn die Gelegenheit im Mittelpunkt, sein Anliegen vortragen zu können. „Es geht mir nur um die Stimmen. Als würde einer mit dem anderen reden.“
Noch befindet sich die Plattform in der Testphase. Wie viele Menschen sie tatsächlich nutzen und wie politische Stellen auf die gebündelten Anliegen reagieren, wird sich nach dem Start zeigen. Mit volksstimmen.de, sagt Sadi Aksoy, wolle er das System ein Stück weit „durchschütteln“.
