Patrick Wira dreht in seinem Heimatort Drabenderhöhe einen Film für „Das kleine Fernsehspiel“. Dabei geht es auch um die traurige Seite der Familiengeschichte.
FilmprojektFamilienforschung mit der Kamera in Drabenderhöhe

Seinen Wurzeln ging Patrick Wira (2.v.l.) auch in der siebenbürgischen Heimatstube nach. Kathi Drotleff zeigte ihm, Kameramann Christian Belz und Toningenieur Stefan Schön die fotogene Volkskunst.
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Wer einen Film macht, braucht Bilder. Das Seelenleben lässt sich aber nicht so einfach illustrieren. Umso dankbarer war Patrick Wira (30) über die Gelegenheit, das farbenfrohe Brauchtum der Siebenbürger Sachsen mit der Filmkamera aufnehmen zu können. Über seine Großmutter gehört diese Tradition zu seinen eigenen Wurzeln. Diese sind Thema seines Films: „Ich gehe der Frage nach, was eine Familie zu einer Familie macht.“
Als kürzlich das 60-jährige Bestehen der Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe wie üblich groß gefeiert wurde mit Chormusik und Trachtentanz, war Wira mit einem kleinen Team im Saal dabei. Auch nebenan in der siebenbürgischen Heimatstube machten sie Aufnahmen, Kathi Drotleff vom Heimatwerk der siebenbürgischen Kreisgruppe führte die jungen Männer herum.
Drabenderhöher studiert in Zürich
Auch sonst spielt Drabenderhöhe eine wichtige Rolle im Film von Patrick Wira. Er ist hier aufgewachsen, hat beim BV 09 Fußball gespielt. Er besuchte die freikirchliche Grundschule in Gummersbach-Peisel, machte dann sein Abitur am Antoniuskolleg in Neunkirchen. Nach einem Literaturstudium in Bonn und einem Volontariat beim WDR lebt Wira heute in Zürich, wo er an der Hochschule der Künste im Master Dokumentarfilm studiert. Daneben arbeitet er als freier Radiojournalist.
Im Mai 2025 stellte er sein Filmprojekt bei einem Fachforum des DOK.fest München vor, einem internationalen Dokumentarfilmfestival. Der Arbeitstitel lautet „Familie, LOL“, wobei das „LOL“ für „Laughing out Loud“ steht. Mit dem Kürzel wird im Internet signalisiert, wenn etwas zum Lachen ist. Manchmal mit einem bitteren Nebensinn.
Münchener Fachjury war angetan
Das Konzept kam bei der Fachjury so gut an, dass sie ihn mit dem „DOK.talent Award“ auszeichnete, der mit 2500 Euro dotiert ist. Wichtiger noch: Die Redaktion der legendären ZDF-Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ wurde auf Wiras Film aufmerksam und sagte Finanzierungshilfe zu. Bis „Familie, LOL“ im Fernsehen übertragen wird, werden aber wohl noch zwei Jahre ins Land gehen, glaubt der Filmemacher.
Rund 100 Stunden Film hat er schon gedreht, weitere 30 werden wohl noch dazukommen, sagt Patrick Wira. Am Ende muss er alles auf 90 Minuten zusammenschneiden. Der Dokumentarfilmer folgt keinem strengen Drehbuch, sondern recherchiert mit der Kamera.
Das Ergebnis ist insofern noch offen. Sicher ist: Der Film wird vom Trauma der Großmutter berichten, die als kleines Mädchen 1944 mit dem „großen Treck“ der Siebenbürger Sachsen vor der Roten Armee aus Siebenbürgen flüchtete. Der Film erzählt vom freikirchlichen Glauben der Familie und von einer schweren psychischen Krise der Mutter. Und von seinem Vater, der aus Indonesien kam und den jungen Patrick zu den wenigen Kindern in Drabenderhöhe machte, denen man den Migrationshintergrund ansah.
Patrick Wira sagt: „Der Film ist eine sehr persönliche Reise.“ Das „LOL“ im Titel weise daraufhin, dass bei aller Tragik auch viel Lustiges in dieser Geschichte steckt und erzählt werden muss. „Sonst hält man das ja auch nicht aus.“
