Der Wiehler Stadtrat hat am Dienstag kaum eine Wahl: Nur ein Gebot hielt die Kostengrenze ein – für knapp 63 Millionen Euro.
Gymnasium WiehlNur ein Bieter hält die Kostengrenze für Teilneubau

Ein neuer Baukörper (l.) und eine Öffnung der Front in der Mitte zeichnet den Gewinnerentwurf aus.
Copyright: Depenbrock
Alle bisherigen Entwürfe waren bloß Ideenskizzen. Was nun vorliegt, wird aller Voraussicht nach tatsächlich realisiert. Die Stadt Wiehl hat eine Baufirma gefunden, die den Teilneubau des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zum Festpreis von knapp 63 Millionen Euro realisieren will. Als „Generalunternehmer“, der also von der Planung bis zur Schlüsselabgabe alles übernimmt, soll die Firma Depenbrock aus dem westfälischen Stemwede beauftragt werden - wenn der Rat am Dienstag dem Vorschlag der Stadtverwaltung zustimmt. Die Politik hat allerdings kaum eine Wahl: Der einzige Mitbewerber, der noch im mehrstufigen Verfahren mitgegangen war, hatte mit knapp 74 Millionen Euro deutlich über der gesetzten Kostenobergrenze von eben 63 Millionen gelegen und schied damit aus.
Beide Entwürfe erfüllen die Vorgaben
Bürgermeister Ulrich Stücker versichert, dass beide Entwürfe alle von der Stadt detailliert formulierten Planungsvorgaben erfüllt haben. Die Pläne zeigen in beiden Fällen einen ansprechenden Eingangsbereich, neben den Klassenräumen gibt es „Clusterforen“, also offene Sitzbereiche für moderne Unterrichtsformen. Für das deutschlandweit tätige Depenbrock spreche auch sein hervorragender Ruf, merkt Bürgermeister Ulrich Stücker an. Erst kürzlich sei die schwedische Königin Sylvia angereist, um den Neubau ihrer alten Schule in Düsseldorf zu eröffnen, der von Depenbrock realisiert wurde.
Knappe Kalkulation und Unterschiede bei den Angeboten
Um den Investitionsrahmen einzuhalten, hätten sich die Baufirmen sehr strecken müssen, und das auch nachdem die Stadt ihnen wegen der allgemeinen Kostensteigerungen entgegengekommen war und den Deckel noch einmal um einige Millionen angehoben hatte. Am Ende sei die Stadt froh, dass sie überhaupt ein Angebot zu diesem Preis bekommen hat, versichert Stücker. „Das könnte in vier Wochen schon wieder anders aussehen.“ Der entscheidende Unterschied bei der Kalkulation war offenbar, dass der unterlegene Bieter eine aufwendige Aufstockung vorgesehen hatte. Zudem hätte er alle 1000 Schülerinnen und Schüler komplett ausquartiert, während die Firma Depenbrock nur einen Teil der Kinder und Jugendlichen am Sportplatz in Containern unterbringen möchte, je nachdem, welcher Bauabschnitt gerade an der Reihe ist. Den Anfang werden zum Baubeginn in einem Jahr die Oberstufenschüler machen. Noch bevor die Schule im Februar 2031 übergeben wird, kehren Schüler in die fertigen Gebäudeteile zurück, zuerst wohl Ende 2029 in das neue naturwissenschaftliche Haus.
Container-Interim soll später nach Marienhagen
Der städtische Beigeordnete Peter Madel sagt: „Interimskosten sind immer rausgeschmissenes Geld.“ Je weniger für vorübergehende Behelfslösungen ausgegeben werden muss, desto besser. Ein Clou des Wiehler Interims ist, dass sich die Stadt vorbehält, die zweigeschossigen Holzmodulbaucontainer hinterher „zu einem überschaubaren Preis“ zu kaufen und nach Marienhagen zu bringen. Denn dort steht an der Grundschule das nächste Schulbauprojekt an.

Auch im Foyer gibt es Sitzecken.
Copyright: Depenbrock
Historisch einmalige Investition
Es dürfte dabei nützlich sein, dass ein und derselbe Architekt für die in Marienhagen vorliegende Machbarkeitsstudie verantwortlich ist, der bereits 2019 einen ersten Wettbewerbsentwurf fürs Gymnasium vorlegte und nun auch vom Generalunternehmer Depenbrock ins Haus geholt wurde: Ben Michel vom Aachener Büro PVMA.
Die Investition ins Gymnasium in Höhe von 66 Millionen Euro (mit allen Nebenkosten) sei einmalig in der Stadtgeschichte, sagt Bürgermeister Stücker. Die „Ehrenrunde“, die mit dem Neustart des langjährigen Verfahrens und der Totalunternehmerausschreibung verbunden war, werde der Stadt viele weitere Ehrenrunden ersparen. Kosten und Zeitplan seien nun maximal gesichert.
Finanzierung: Steuererhöhungen werden erwartet
Wie Kämmerer Peter Madel erläuterte, profitiere die Stadt von ihrem Anteil am Sondervermögen des Bundes in Höhe von 10,2 Millionen Euro und von Reserven aus der Investitionspauschale, die über Jahre angesammelt wurden. Dennoch werde der Haushalt über eine Zeitraum von 30 Jahren mit jährlich zwei Millionen Euro Zinsen belastet. Er glaubt: „Um die Modernisierung unserer Bildungsstruktur zu finanzieren, werden wir Grund- und Gewerbesteuer schrittweise erhöhen müssen.“
Stücker setzt auf breite Mehrheit
Bürgermeister Stücker geht dennoch von einer breiten Mehrheit für den Schulbau aus. „Eine attraktive Bildungsinfrastruktur ist wichtig für die Stadtentwicklung. Das sehen Firmen und Neubürger so, aber auch die vielen Jugendlichen die zuletzt bundesweit demonstriert haben.“ (rtz)
