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Immens steigende SpritpreiseAuch in Oberberg gerät die Mobilität zunehmend unter Strom

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Linus Deutinger von Moviba in Lindlar mit einer E-Enduro: Solche Offroad-Maschinen sollen nicht nur Lust auf Geländetouren machen, sondern auch im Alltag ein verlässliches Fahrzeug sein.

Linus Deutinger von Moviba in Lindlar mit einer E-Enduro: Solche Offroad-Maschinen sollen nicht nur Lust auf Geländetouren machen, sondern auch im Alltag ein verlässliches Fahrzeug sein.

Händler sprechen von wachsenden Absatzzahlen bei reinen E-Fahrzeugen und Hybriden. Grund dafür ist auch, dass mehr Strom vom eigenen Dach kommt.

Nicht nur Autofahrerinnen und Autofahrer haben zurzeit mit den enorm hohen Spritpreisen an den Tankstellen ordentlich zu kämpfen. Nach der CO2-Preis-Erhöhung zum Jahresbeginn ist das Niveau ab Anfang März infolge des Iran-Kriegs und der Sperrung der Straße von Hormus weiter massiv gestiegen. Einen zusätzlichen, drastischen Sprung gab es ab dem 1. April 2026: Seither darf der Preis an der Zapfsäule nur noch einmal täglich – um 12 Uhr – erhöht werden.

Insgesamt hat sich der Preis seit Dezember vergangenen Jahres für Benzin E10 um rund 60 und für Diesel um etwa 80 Cent je Liter verteuert. Der Gedanke liegt nahe, dass dies Anlass geben könnte, auf ein E-Fahrzeug umzusteigen – zumal es immer mehr Menschen gibt, die mit Photovoltaik Strom auf dem eigenen Dach erzeugen.

In Wiehl-Bomig macht sich die langjährige Erfahrung der Marke BMW heute besonders bemerkbar

Bernd Ritter, Serviceleiter beim Autohaus Kaltenbach im Wiehler Industriegebiet Bomig, berichtet von einer jüngst deutlich gestiegenen Nachfrage. Anders als in den Städten sei die Landbevölkerung bei reinen Elektrofahrzeugen bislang etwas zurückhaltender gewesen. Bei BMW liege der Anteil von Stromern gegenüber Verbrennern zurzeit bei etwa 30 bis 35 Prozent. Davon seien wiederum ein Drittel Hybridfahrzeuge. Jedoch seien alle Modelle Mild-Hybride: Diese können zwar nicht extern geladen, doch führen sie die Bremsenergie in eine verstärkte Batterie. Diese steht dann beim Anfahren oder Beschleunigen zur Verfügung, um den Motor zu unterstützen: „Das reduziert den Spritverbrauch spürbar.“

Bernd Ritter von Autohaus Kaltenbach in Wiehl-Bomig erklärt die Vorzüge von E-Autos und Hybriden, hier zeigt er einen Kia EV2.

Bernd Ritter von Autohaus Kaltenbach in Wiehl-Bomig erklärt die Vorzüge von E-Autos und Hybriden, hier zeigt er einen Kia EV2.

Absoluter Renner sei der neue BMW iX3: „Dieses Modell wurde schon im vergangenen letzten Jahr vielfach vorbestellt und ist bis Anfang 2027 ausverkauft.“ Neben der Reichweite von 800 Kilometern bei voller Leistung könne das Auto als Pufferspeicher für eine Photovoltaik-Anlage eingesetzt werden: „Über eine Wallbox von BMW lässt sich die Energie ins Haus zurückspeisen.“

Ritter betont die langjährige Erfahrung von BMW in der E-Mobilität. Angefangen habe dies vor gut zwölf Jahren mit dem Modell i3: „Auch nach dieser Zeit haben die meisten Akkus noch eine Kapazität von mehr als 80 Prozent.“ Einen Schub in Richtung Elektro habe es mit dem BMW i4 gegeben: „Mit diesem Wagen können sich die Kunden sehr gut identifizieren.“ Im Service gebe es bei Elektrofahrzeugen keine Schwierigkeiten. Vom Fahrwerk her seien die Anforderungen genau dieselben wie bei Verbrennern. Und antriebsmäßig mache sich die lange Vertrautheit mit E-Mobilität bezahlt: „Von unseren acht Monteuren sind fünf Hochvolt-Techniker.“

In Lindlar machen kleine Offroad-Motorräder nicht nur Lust auf Geländetouren

Linus Deutinger, Marketingchef bei der Lindlarer Firma Moviba, möchte die zuletzt gestiegene Nachfrage nicht unbedingt am Spritpreis festmachen. Das Unternehmen hat sich auf kleine Offroad-Motorräder spezialisiert. Diese seien einerseits gut für den Spaß im Gelände geeignet, andererseits aber auch für Besorgungen in der Umgebung oder als zusätzliches Vehikel für Wohnmobil-Fahrer.

Die Firma um Inhaber Nicolas Scribe hatte sich zuvor auf Solar und Speichermöglichkeiten konzentriert, vor etwa drei Jahren kam mit Moviba auch der Bereich „E-Moto“ ins Portfolio. Anders als Verbrenner mit immensen Wartungskosten in diesem Segment, gebe es – abgesehen von den üblichen Verschleißteilen wie Bremsen, Reifen oder Kette – kaum bewegliche Teile: „Wer Solar auf dem Dach hat, ist praktisch umsonst unterwegs.“

Inklusive Versicherung beziffert Deutinger den jährlichen Unterhalt auf etwa 200 bis 250 Euro: „Eine volle Ladung kostet etwa 1,50 Euro und damit kann man rund 80 Kilometer weit fahren.“ Vorteilhaft sei auch, dass viele der rund 15 angebotenen Modelle von sechs Marken bereits ab 15 Jahren mit dem Führerschein AM gefahren werden dürfen. Für die 125er-Modelle reiche die Klasse A1: „Wir hatten im vergangenen Jahr einen rasanten Anstieg.“