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UnternehmertreffWiehler Deals werden morgens um 7 gemacht

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Fünf Personen an einem Stehtisch.

Fünf von 22 Unternehmerfreunden (v.l.): Silke Reimann, Roswitha Petrowitz, Eric Stranzenbach, Stephan Brovot und Marcus Simons.

Machen statt Jammern: Die Unternehmerfreunde NRW tauschen beim frühmorgendlichen Netzwerk-Speeddating Erfahrungen aus.

Das Klüngeln ist im Rheinland nicht negativ besetzt. Man kennt sich, man hilft sich. Das geschieht hier bei den „Unternehmerfreunden NRW“ auch recht offen. Bei jedem Treffen sind Gäste dabei, neue Mitglieder willkommen. Diese müssen allerdings bereit sein, an jedem Dienstag schon morgens um 7 Uhr nicht nur Kaffee und Rührei aufzunehmen, sondern auch geballte Information.

Das regelmäßige Frühstück der Unternehmerfreunde im Wiehler „Hotel zu Post“ folgt einem strengen Programm. Zum Jammern hat hier offenbar niemand Zeit. Wer als Besucher dabei ist, bekommt den Eindruck, dass die Stimmung im deutschen Mittelstand nicht so übel ist, wie man häufig liest. Der Tatendrang scheint ungebrochen. Egal ob es ums Fliesenverlegen oder um den Chinahandel geht.

Homburger Chapter machte sich selbstständig

Alle 20 an diesem Tag anwesenden Mitglieder haben in der ersten Runde eine Minute Zeit, sich selbst und ein aktuelles Projekt vorzustellen, später berichten sie in einer zweiten Runde ähnlich kompakt von der vergangenen Woche. Zwischendrin gibt es einen Fachvortrag. Nach eineinhalb Stunden ist alles vorbei, damit jeder um 9 Uhr an seinem Schreibtisch sitzen kann.

Die Mitglieder treffen sich darüber hinaus zu Betriebsbesichtigungen und veranstalten im Frühjahr eine gemeinsame Kundenmesse. Das Konzept ähnelt sehr deutlich den Gruppentreffen des „Business Network International“ (BNI), einem Unternehmernetzwerk aus den USA. Das ist kein Zufall, die Wiehler „Unternehmerfreude“ firmierten bis vor zwei Jahren als BNI-Chapter Homburger Land, bis sie sich selbstständig machten. Damit habe man sich von hohen Lizenzgebühren und organisatorischen Zwängen befreit, berichtet Stephan Brovot, der das Frühstück moderiert. In Gummersbach gibt es noch ein BNI-Chapter für das Aggertal.

Es geht nicht nur um Vertrieb, sondern auch darum, voneinander zu lernen.
Marcus Simons, Wiehler Unternehmer

Auch der Zweck ist derselbe geblieben: Es geht um Empfehlungsmarketing, also darum, durch persönliche Kontakte und wechselseitige Vermittlung mehr Umsatz für die Mitglieder zu generieren. Das läppert sich. Auf zehn Millionen Euro beziffert die Netzwerk-App die Summe von Umsätzen, die über die Unternehmerfreunde zustande gekommen sind. Das Frühstück nutzten viele Teilnehmer, um   einem der anderen Unternehmerfreunde für eine lukrative Geschäftsanbahnung zu danken.

Stephan Brovot sagt, dass die heute 22 Mitglieder große Gruppe noch zehn weitere Mitglieder aufnehmen würde: „Und jedes Mitglied kennt 300 bis 1000 Leute.“ Neue Vertriebskontakte sind aber nur ein Aspekt und nicht der wichtigste, versichert der Wiehler Marcus Simons, dessen Firma in vierter Generation Werbemittel gestaltet und herstellt. „Es geht nicht nur um Vertrieb, sondern auch darum, voneinander zu lernen.“ Er profitiere von den Tipps und Erfahrungsberichten, die er aus dem Netzwerk bekommt. Man kann offen sprechen, Konkurrenz ist kaum zu befürchten, aus jeder Branche ist nur ein Mitglied zugelassen.

Unternehmer aus dem oberbergischen Süden

In der Runde finden sich unter anderem ein Glasermeister, ein Anwalt und eine Fitnessstudiobetreiberin. Vereinschef ist der Reichshofer EDV-Sachverständige Dirk Poschmann, seine Vertretung übernimmt die Wiehler Vermögensberaterin Martina Schäfer. Es sind vor allem Unternehmer aus der Mitte und dem Süden des Oberbergischen Kreises, die eine wöchentliche Teilnahme an den Frühstückstreffen gewährleisten können und wollen. Wer mehr als dreimal schwänzt, ohne einen Vertreter zu schicken, muss eine Strafe zahlen.

Das „NRW“ im Namen der Unternehmerfreunde zieht dennoch einen größeren Rahmen. Der Gummersbacher Thorsten Sondermeier arbeitet für die Bergisch Gladbacher Firma AVE, die auf Veranstaltungstechnik spezialisiert ist. Kürzlich war er wieder mal in China, um LED-Anlagen einzukaufen. Er berichtet von der rasanten technologischen Entwicklung und einer Unternehmenskultur, die von Hierarchien und Respektritualen geprägt ist. Ist China ein Vorbild oder ein Schreckgespenst? Für solche Diskussionen ist hier nicht die Zeit. Dafür wissen die Wiehler Unternehmerfreunde nun, dass man einem chinesischen Geschäftspartner seine Visitenkarte mit beiden Händen überreicht.

Zu den Gästen zählt an diesem Dienstagmorgen der frühere TH-Professor Michael Bongards. „Ich treffe gern Leute, die etwas anderes machen als ich“, sagt der Automatisierungsexperte, „das ist eine gute Voraussetzung für Innovation.“ Er sei auch Rotarier, tue sich bei den informelleren Veranstaltungen dieses Netzwerks als gebürtiger Sauerländer aber etwas schwer. Ihm gefällt die stramme Struktur des Unternehmerfrühstücks, sagt Bongards und lächelt: „Der formelle Rahmen hilft Leuten wie mir, denen die Fähigkeit zum Small Talk nicht gegeben ist.“

Der Wiehler Malermeister Eric Stranzenbach nickt. Er ist ebenfalls kein Mann vieler Worte und schätzt die Überzeugungskraft der Fachkunde, die unter den Unternehmerfreunden zählt. „Man muss erst reinkommen, aber wenn man zuverlässig ist, bekommt man ein positives Feedback.“

Und dann muss er auch los, die Runde verflüchtigt sich im Handumdrehen. Es ist bald 9 Uhr, der nächste Kunde hat sicher auch schon gefrühstückt.