Die Maschinenbaufirma Kampf investiert in ein modernes Technologie- und Kundencenter - auch mit Blick auf den Markt in China.
MaschinenbauWiehler Weltmarktführer legt nach

Ein Hingucker: der Neubau des Kundencenters namens "The Linq" auf dem Gelände der Firma Kampf in Wiehl-Mühlen.
Copyright: Siegbert Dierke
Von der Straße aus ist das neue Gebäude gar nicht zu sehen, dabei ist es auch von außen ein Hingucker: Mitten auf dem Betriebsgelände in Wiehl-Mühlen hat die Firma Kampf ein „Customer Experience Center“ errichtet. Am Freitag wurde der langgezogene Bau mit rund 3000 Quadratmetern Nutzfläche eröffnet. Er heißt „The Linq“.
Die englische Wortspielerei soll zum Ausdruck bringen, dass hier eine Verbindung hergestellt werden soll, vor allem zwischen Kunden und Mitarbeitern, und zwar nicht per Videocall, sondern in Präsenz. Das Gebäude verknüpft mehrere Funktionen, es ist zugleich Dauerausstellung, Entwicklungszentrum, Tagungshaus, Schulungsstätte und Betriebsrestaurant mit 76 Plätzen.

Herzstück ist das 1300 Meter große Technologiecenter, in dem mehrere Kampf-Maschinen betriebsbereit installiert wurden.
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Kampf-Geschäftsführer Markus Vollmer, seit 2022 im Amt, will die 7,4-Millionen-Investition als „Entscheidung für die Zukunft“ verstanden wissen. Für eine Zukunft, in der es nicht mehr nur darauf ankommen, eine gute Maschine zu bauen, sondern darauf, ihre Nutzung über den kompletten Lebenszyklus zu begleiten, betont Vollmer.
Gute Maschine reicht nichtEin Service, der auf einem tieferen Verständnis der Kundenprozesse beruhe, sei heute ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Das gelte besonders auf dem wichtigen chinesischen Markt, wo die deutschen Maschinenbauer derzeit hart herausgefordert werden.
Wiehler Firma will Weltmarktführer bleiben
Um Weltmarktführer zu bleiben, habe die Firma mit „The Linq“ einen Ort geschaffen, an dem die Kampf-Mitarbeiter den Einsatz der Maschinen zusammen mit den Kunden planen. Herzstück ist das 1300 Meter große Technologiecenter, in dem mehrere Kampf-Maschinen betriebsbereit installiert wurden. Dort ist es möglich, die Verarbeitung von verschiedenen Materialien zu erproben und vorzuführen.
Der Besucher betritt das Gebäude durch ein Foyer, das sich zum Betriebsrestaurant öffnet. Eine Wendeltreppe führt ins Obergeschoss, wo eine Ausstellung zur Firmengeschichte und Markenentwicklung sowie Konferenzräume eingerichtet sind, von denen man das Technologiecenter überblicken kann.

Zum „Customer Experience Center“ gehören auch Konferenzräume.
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Entworfen und realisiert wurde das Projekt von dem Wiehler Bauingenieur Andre Lang, ein bewährter Partner der Firma. Ende 2023 habe es die ersten Ideen für den Bau einer Mehrzweckhalle gegeben, berichtete Lang bei der Eröffnungsfeier. Der Abbruch der alten Halle mitten im Bestand war schwierig, weil der laufende Betrieb nicht über Gebühr gestört werden durfte. Zudem habe sich der Untergrund als instabil erwiesen und musste verbessert werden. Am Ende sei es aber gelungen, das Bauprojekt in nur zwei Jahren zu realisieren.
Wiehls Bürgermeister Ulrich Stücker freute sich, erneut an der Einweihung eines Kampf-Gebäudes teilnehmen zu dürfen, nachdem die Firma in den vergangenen Jahren bereits mehrere neue Hallen errichte hat. Die Investition in den Wirtschaftsstandort Wiehl sei nicht selbstverständlich in Zeiten, in denen es viel Verunsicherung gibt. „Ihr Engagement ist ein Zeichen von Zuversicht und Optimismus, das ausstrahlt in die Region.“
Gute Stimmung verbreitete auch Mortimer Glinz, Geschäftsführer des Mutterkonzerns Jagenberg, indem er auf wieder steigende Auftragszahlen hinwies, bevor er zusammen mit den anderen Offiziellen ein rotes Band durchschnitt. Jagenberg-Eigentümer Jan Kleinewefers (91) hatte es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, nach Wiehl zu kommen, für ihn „ein besonderer Ort“. Die Mentalität der „bergischen Kämpfer“ sei für ihn Beweggrund, sich hier als Unternehmer zu engagieren. Die Firma Kampf sei heruntergewirtschaftet gewesen, als er 2003 Aktienmehrheit an der Unternehmensgruppe Jagenberg übernahm, „auch baulich“, merkte Kleinewefers an. „Das waren hier vereinigte Hüttenwerke.“ Toll seien nur die Garagen für die Autos des Managements gewesen. Aber auch in diesem Fall habe sich seine Maxime bewahrheitet: Dass es rentabel sein kann, „etwas ganz zu machen, was kaputt ist“, statt eine neue Firma zu gründen.
Die Sanierung und Modernisierung des Wiehler Standorts sei jedenfalls „gut investiertes Geld“, sagte der Konzerneigentümer. „Gebäude und Maschinen sind wichtig“, bilanzierte Kleinwefers, „der größte Wert, der wichtigste Produktionsfaktor sind aber gute Mitarbeiter“.
Wiehler Traditionsfirma
Kampf ist der weltweit größte Hersteller von Maschinen zum Schneiden und Wickeln von Folien und anderen bahnförmigen Materialien. Das 1920 in Wiehl-Mühlen gegründete Unternehmen ist seit 1988 eine hundertprozentige Tochter der Jagenberg GmbH. Am Hauptsitz in Mühlen entwickeln, vertreiben und bauen mehr als 400 Mitarbeiter hochwertige Schneid- und Wickelmaschinen für den internationalen Markt. Zur Geschäftsführung gehören heute Markus Vollmer, Rike Johnsen und Benedikt Sitte.
