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WildparkWiehler Damhirsche streiten ums Revier – Zwei Pfauen sind schon ums Leben gekommen

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Ein Hirsch im Wald.

Der neue Platzhirsch Aristo ist erst drei Jahre alt. Sein Rivale Lars hatte beim Revierkampf das Nachsehen.

Bei den erst im Sommer im Wiehler Wildpark angesiedelten Pfauen sind schon Todesfälle zu beklagen. Leiter Michael Schweers erklärt die Gründe.

Der Wiehler Wildpark ist auch und besonders im Winter einen Besuch wert. Man kann dort Tiere beobachten, die man in der freien Natur nicht so ohne weiteres zu Gesicht bekommt. Ein Streichelzoo ist es aber keineswegs, nicht selten geht es tatsächlich recht wild zu.

Bei den erst im Sommer angesiedelten Pfauen sind schon Todesfälle zu beklagen. Dabei ließ sich der bunte Neuzugang vielversprechend an, berichtet Wildparkleiter Michael Schweers. Nur drei Monate nach Eröffnung des Geheges brütete die ältere Henne drei Eier aus. Doch   fünf Tage darauf kam der Vogel ums Leben. Vermutlich sei die Pfauenhenne ihrem Nachwuchs auf die Rotwildweide gefolgt, sagt Schweers. „Offensichtlich wurde sie dort vom Rotwild als Bedrohung wahrgenommen, weshalb die Henne diese Begegnung nicht überlebte.“

Todesfälle bei den drei verwaisten Pfauenküken im Wiehler Wildpark

Die drei verwaisten Küken wurden nach langer Suche von Parkranger Schweers im Stall festgesetzt, da sie außerhalb des Geheges auf der Suche nach ihrer Mutter dem Raubwild schutzlos ausgeliefert gewesen wären. Aber durch die fehlende Wärme der Mutter verendeten zwei der drei Pfauenküken über Nacht, bedauert Schweers. „Das dritte wird seitdem mit Wärmelampe und extra Futter im privaten Gewächshaus der Tierpfleger betreut.“ Später soll es vom verbliebenen zweiten Pfauenpaar adoptiert werden.

Doch damit nicht genug. Kurze Zeit später wurde der Chefhahn Opfer eines Raubtiers, vermutlich eines Marders. „Ob sich daraufhin das jüngere Pärchen nicht mehr sicher fühlte, oder ob sie einfach mal Urlaub machen wollten, ist unklar. Auf jeden Fall verließen dann auch die beiden jüngeren Pfauen ihren Lebensraum und erkundeten die Nachbarschaft in der Zirre.“

Ein Pfau in einem Stall.

Die Pfauen bleiben derzeit sicherheitshalber im Stall.

Trotz ihrer imposanten Erscheinung freuten sich nicht alle Anwohner über den Besuch und dessen Hinterlassenschaften. Daher wurden die Vögel über einige Tage in einer Gartenlaube angefüttert, sodass sie dann eingefangen und in ihren Stall zurückgebracht werden konnten. Diese wurde marderdicht umgebaut, sodass er zur sicheren nächtlichen Verwahrung taugt. Seitdem werden die Tiere tagsüber nur in die Voliere gelassen, um einen erneuten Ausflug zu verhindern. Zudem lässt Michael Schweers derzeit die Gehegezäune auf fünf Meter erhöhen, damit sich die Tiere ohne Fluchtgefahr bis an den Besucherweg bewegen.

Auch bei den Damhirschen hat sich etwas getan. Anfang 2025 ist Hirsch Merlin verkauft worden. Er wurde ursprünglich als Beihirsch für den weißen Hirsch Lars angeschafft. „Das ist unser Publikumsliebling. Er ist sehr zutraulich, kommt gern zu den Besuchern an den Zaun.“ Doch das frühreife Jungtier Merlin entwickelte sich bald selbst zum Platzhirschen.

Merlin ließ Lars nicht mehr zum Zuge kommen, sorgte für dunklen Nachwuchs – und musste darum ausziehen. Jetzt lebt er in einem Privatwildgehege im oberbergischen Süden.

Merlin setzt sich gegen Lars durch und ist nun der neue Platzhirsch

Die Brunft beim Damwild führte dennoch zu einer neuen Führung des Bestands. Anfangs hatte der weiße Damhirsch Lars planmäßig die Führung in der siebenköpfigen Herde übernommen und auch schon erfolgreich gegen einen ungestümen Konkurrenten verteidigt, wie ein Video auf der Homepage des Wildparks dokumentiert. Doch bei einer weiteren Auseinandersetzung ging nach wenigen Tagen ausgerechnet der erst dreijährige Sohn Merlins als Gewinner hervor, meldet Michael Schweers. Dieser habe das Temperament des Vaters geerbt. „Aristo, so sein Name, wird dementsprechend für weiteren Nachwuchs sorgen.“ Bis zum nächsten Revierkampf.

Ebenfalls den Wildpark verlassen mussten drei Mufflon-Widder und zwei junge Rotwild-Hirsche. Zu den verbleibenden beiden Jungtieren gehört das „Flaschenkind Floh“, berichtet Schweers. Da das Jungtier von seiner Mutter nicht angenommen wurde, wurde es 2024 von den Mitarbeitern des Wiehler Wildparks aufgezogen. Die beiden Hirsche dürfen aber auch nur noch bis zum nächsten Herbst im Gatter bleiben. Andernfalls drohen tödliche Revierkämpfe mit Platzhirsch Max.

Das waldpädagogische Angebot wurde derweil in diesem Jahr ebenso gut angenommen wie die Wiehler Naturerlebnistage, teilt der Wildpark mit. Fünf Schulen mit zwölf Klassen nahmen daran teil. Auch in diesem Jahr bestand die Möglichkeit, gesammelte Kastanien gegen Eintrittskarten für die Eishalle einzutauschen. Erstmalig wurden drei Tonnen abgegeben und ein neuer Rekord aufgestellt. Als neue Lagerstätte dient eine der beiden Garagen auf dem oberen Parkplatz des Waldhotels. Dort werden auch zukünftig die Früchte entgegengenommen.