Die Kölner Band Brings hatte in der ausverkauften Alten Drahtzieherei in Wipperfürth leichtes Spiel mit ihrem textsicheren Publikum.
Brings in Wipperfürth„Ich sing vor, ihr singt nach, wie immer halt“

Brings zeigten eine tolle Show.
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Schottenkaros, jede Menge positiver Energie und ein ganzer Sack voll bekannter Melodien. Das war, kurz zusammengefasst, der Freitagabend in der vollkommen ausverkauften Alten Drahtzieherei in Wipperfürth. Die Kölsch-Rock-Legende Brings machte ihrem Rufe alle Ehre.
Showmaschinerie greift Hand in Hand
Es war am Eingang kaum ein Durchkommen, aber dann funktionierte die Showmaschinerie perfekt. Wie bei Bands dieser Größenordnung üblich, war die Crew bereits um 14 Uhr eingetroffen, Aufbau und Soundcheck waren erledigt, als um 18.30 Uhr die Tür geöffnet wurde. Der Showbeginn dann um 20 Uhr, da griff alles Hand in Hand. Der Sound war grandios, die digitale Leinwand im Bühnenhintergrund wurde in die Musik integriert, die Lightshow tat ihr Übriges – und es wurde gefeiert, gefeiert, gefeiert.
„Ich sing vor, ihr singt nach“: Die Stimmungsstrategie
Sänger Peter Brings brachte es auf den Punkt: „Ich sing vor, ihr singt nach, wie immer halt.“ Das war schon gleich zu Beginn eine Stimmungsstrategie, die sich durch den wunderbaren Abend ziehen sollte. Das Quintett legte eine furiose Version von „Su lang mer noch am Lääve sin“ vor, bei der im Hintergrund verstorbene Persönlichkeiten wie Margot Friedländer, Ozzy Osbourne oder Ray Charles zu sehen waren.
Mitgesungen wurde nach Kräften, die Wipperfürther seien „wohlerzogen“, wie Peter Brings es anerkennend ausdrückte. Er freute sich jedenfalls, dass alle bei der Sache waren und wollte es auch selbst sein. „Da hinten ist so ein Bildschirm, da laufen die Künstler drüber, die demnächst hier auftreten", beschwerte sich der Musiker. „Es wäre schön, wenn man das abstellen könnte, das lenkt mich zu sehr ab, ich bin da zu alt für“, sagte der 62-jährige Sänger.
Dankbarkeit nach 35 Jahren Bandgeschichte
War das fishing for compliments? Denn mal ehrlich, wie hoch sein Alter auch sein mag, war egal. Der Sänger war nicht nur bestens bei Stimme, er hatte offenbar auch jede Menge Lust auf diesen Auftritt. Dass dieser Erfolg nicht selbstverständlich ist, auch nach 35 Jahren Brings nicht, das brachte der Frontmann mit der rauen Stimme im Lied „Dat Beste, wat wer han“ auf den Punkt. „Wir sind sehr dankbar, dass ihr heute alle hier seid und die Halle füllt“, sagte Brings. Im Gegenzug bekam das Publikum eine ganze Wagenladung an Hits geboten, zu denen es sich abtanzen ließ, die man mitsingen konnte, die Spaß machten und die der Seele in diesen komplizierten Zeiten einfach nur gut taten. Keine Frage, der Perfektionismus stand hier sehr weit oben, Brings ist nach 35 Jahren eine astrein eingeölte Stimmungsmaschine.
Die Liebe zur Musik ist noch frisch
Aber, und das konnte man vielleicht manchmal aus dem Blick verlieren: Das Quintett liebt, was es da tut. Wenn es etwa bei den „Sünderlein“ ein astreines Stadion-Finish hinlegt. Oder beim „Am Lääve“-Sein die großen Rockstar-Soli auspackt. „Wir sind länger zusammen als so manche Ehe“, sagte Peter Brings einmal. Aber die Liebe zur Musik ist noch frisch.
Heisere Stimmen und glückliche Gesichter
Der Frontmann freute sich über die Solidarität im Publikum, „weil Ihr die Leute von hinten nach vorne durchgelassen habt, damit alle was sehen“. Ein Brings-Konzert ist Unterhaltung „mit Hätz“. Als die Lichter am Ende angingen, war das Publikum eigentlich noch lange nicht bereit zu gehen. Heisere Stimmen und glückliche Gesichter hatten die Leute, als sie die Drahtzieherei verließen, und viele werden sich vorgenommen haben, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. (wow)
