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Rückblick

3. Oktober
Der Wipperfürther Hans Hermann Voss wäre diesen Samstag 100 Jahre alt geworden

4 min

Hans Hermann Voss wurde 1926 geboren, er starb 2006 in Wipperfürth. 

Den 100. Geburtstag nimmt die Hans Hermann Voss-Stiftung zum Anlass, um an das Wirken des Unternehmers in Wipperfürth zu erinnern. 

Die akkurat mit schwarzer Tinte beschriebenen Zettel mit den Arbeitsaufträgen für die Mitarbeiter gab es meistens gleich am Montagmorgen. Denn über das Wochenende hatte Hans Hermann Voss natürlich wieder gearbeitet – und genauso selbstverständlich waren ihm dabei neue Ideen gekommen, wie dieses oder jenes Werkzeug noch besser funktionieren oder einfacher eingebaut werden könnte. Denn auf der Suche nach Lösungen war Voss zeitlebens, das bestätigen Menschen, die mit ihm zusammengearbeitet haben. Am Samstag wäre der Wipperfürther Ingenieur 100 Jahre alt geworden.

Mit 26 Jahren Eintritt in die Wipperfürther Fabrik des Vaters

Mit 26 Jahren folgte Hans Hermann Voss seinem Vater Hermann in die 1931 von ihm gegründete Armaturenfabrik – der Filius hatte allerdings schnell mehr im Sinn als Wasserhähne und Absperrklappen, er setzte auf Rohrverbindungen, wie sie in Fahrzeugen und der Industrie gebraucht wurden. Und auch dabei galt: Praxistaugliche Lösungen sollten her, Voss schrieb sich für seine Produkte eine einfache Montage und Wartung auf die Fahne. Wenn nötig, wurde das dafür erforderliche Werkzeug gleich mitentwickelt.

Dabei erwischte er eine günstige Zeit, zwischen 1953 und 1958 stieg der Umsatz um rund das Zwanzigfache. Und trotzdem: Die Ansichten von Vater und Sohn über die Unternehmensführung und ihre Produkte stimmten nicht immer überein, ihr Verhältnis war nicht frei von Spannungen.

8600 Menschen arbeiten weltweit für die Wipperfürther Voss-Gruppe

Rückblickend hatte Voss junior das bessere Gespür für den Markt: Inzwischen gehören zur Voss-Gruppe, die nach wie vor von der Lüdenscheider Straße aus gelenkt wird, 24 Gesellschaften mit Vertretungen in über 50 Ländern. Weltweit beschäftigt Voss derzeit mehr als 8600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Belegschaft ist überhaupt ein gutes Stichwort, wenn man über Hans Hermann Voss spricht. „Die Meinung der Mitarbeiter und ihre persönliche Entwicklung ist ihm sehr wichtig gewesen. Und ein Herzensanliegen war ihm immer auch die Ausbildung junger Menschen“, erinnert sich Voss langjährige Sekretärin Renate Müller-Breuer.

Ein Herzensanliegen war ihm immer auch die Ausbildung junger Menschen. 
Renate Müller-Breuer, langjährige Sekretärin von Hans Hermann Voss

Da passt es, dass der Chef persönlich einst das Jubilar- und Seniorentreffen initiierte – und dass Hans Hermann Voss genau ein solches Treffen wählte, als er 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt wurde. Auf die Verleihung im Kreis seiner besonders treuen Mitarbeiter hatte Voss schlicht bestanden.

Am 31. Juli 2006 starb Hans Hermann Voss in seiner Heimatstadt Wipperfürth. Weil es keine Kinder gab, hatte er aber bereits in den Neunzigerjahren mit seiner Frau Christa die Hans Hermann Voss-Stiftung gegründet – auch, um die Zersplitterung des Unternehmens zu verhindern und der Region etwas zurückgeben zu können.

Stiftung wurde Eigentümerin der Wipperfürther Unternehmensgruppe

Die Stiftung wurde mit seinem Tod Erbin und zur Eigentümerin der Unternehmensgruppe, sie hat mittlerweile fast 1500 gemeinnützige Projekte mit rund 26 Millionen Euro gefördert und ist aus der oberbergischen Förderlandschaft längst nicht mehr wegzudenken. Ob individuelles Stipendium im Bereich der Naturwissenschaft, die Medieninitiative für den Oberbergischen Kreis oder das „Tu Was!"-Projekt, bei dem Lehrerinnen und Lehrer neue Impulse für den Sachunterricht an Grundschulen erhalten, die Voss-Stiftung unterstützt großzügig im Bergischen Land, und sei es manchmal auch nur im Hintergrund.

Im März des vergangenen Jahres bestellte das Kuratorium unter Vorsitz von Regine Hagen-Eck den oberbergischen Landrat Jochen Hagt zum Stiftungsvorstand, nach dem Ausscheiden von Johanna Holst und dem Ende seiner eigenen Amtszeit in der Politik führt Hagt seit dem vergangenen November die Geschäfte der Stiftung, in deren Kuratorium er bereits zuvor mitwirkte. Über seinen Wechsel aus dem Kreishaus an die Spitze der Voss-Stiftung sagte Jochen Hagt damals: „Ich freue mich darauf, die erfolgreiche Arbeit fortzuführen, die Stiftung in neuer Funktion zu unterstützen und in ihren Förderbereichen Bildung, Naturwissenschaft und Forschung sowie Jugend und Senioren weiterzuentwickeln.“

Man nimmt ihm das ab – die Tätigkeit für die Stiftung, also gewissermaßen im Auftrag von Hans Hermann Voss, ist gewiss eine schöne Aufgabe, die der frühere Landrat mit seinem Netzwerk noch einmal weiter nach vorne bringen kann. Man könnte es auch so ausdrücken: Hans Hermann Voss hatte mit der Stiftungsgründung mal wieder eine gute Lösung gefunden. Eine, die auch lange über seinen Tod hinaus wirken wird.