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Erste EhrenamtsmesseEine neue Plattform für Wipperfürth, auf der Netzwerke wachsen

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Die Alte Drahtzieherei war Samstag Schauplatz der ersten Wipperfürther Ehrenamtsmesse mit viel Information und Wissenswertem.

Die Alte Drahtzieherei war Samstag Schauplatz der ersten Wipperfürther Ehrenamtsmesse mit viel Information und Wissenswertem.

24 Vereine, Institutionen und Initiativen waren der Einladung der Bürgerstiftung „Wir Wipperfürther“ in die Alte Drahtzieherei gefolgt.

Wenn die Feuerwehr Konservendosen mit Eintöpfen aufbaut, dann bedeutet das nicht, dass die Gulaschkanone kaputt ist. „Wir zeigen den Menschen, wie sie sich in einem Notfall – zum Beispiel, wenn der Strom plötzlich weg ist – selbst versorgen können“, schildert Thomas Eßer, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr in Wipperfürth, und betont: „Aufklärung ist in der heutigen Zeit unsere wohlwichtigste Aufgabe.“ Mit 281 Kameradinnen und Kameraden ist die Wehr der Hansestadt recht gut aufgestellt – was bei einem solchen Ehrenamt wohl alles andere als selbstverständlich ist.

Weil genau das endlich mal gefeiert werden soll, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den 77. Jahrestag des deutschen Grundgesetzes zum „Ehrentag“ erklärt und für den 23. Mai zudem einen bundesweiten „Mitmach-Tag“ ausgerufen. Grund genug für die Bürgerstiftung „Wir Wipperfürther“, in der Alten Drahtzieherei die erste Ehrenamtsmesse auf die Beine zu stellen. Und 24 Vereine, Organisationen, Institutionen und Initiativen sind der Einladung ebenso gefolgt wie Oberbergs Landrat Klaus Grootens und die stellvertretende Bürgermeisterin Regina Billstein.

Stiftung „Wir Wipperfürther“ denkt bereits über eine Fortsetzung nach

Vom Arbeitskreis „Fundgrube“ bis zu den „Wipp-Kids“ reicht die Bandbreite, dazwischen etwa Hilfe für Geflüchtete, die Tafel, das Partnerschaftskomitee und auch der Tierschutzverein. Organisiert haben die Premiere Andrea Becker und Sabine Wurth-Goller – die Drahte ist während der dreieinhalb Messestunden immer gut besucht.

„Wir wollen eine Plattform schaffen, auf der Netzwerke wachsen und Kontakte entstehen“, betont Wurth-Goller und verrät nicht nur, dass die Arbeit daran bereits im vergangenen Herbst begonnen hat, sondern auch, dass die Stiftung bereits über regelmäßige Fortsetzungen, „vielleicht alle zwei Jahre“, nachdenke. „Aber erstmal ging es um das Ausprobieren“, schildert die Wipperfürtherin. Am Ende ist sie höchst zufrieden: Auf Feedback-Bögen haben ihr die Teilnehmenden quittiert, dass sich die Messe auch für sie gelohnt hat.

Den größten Stand hat dort diesmal die Feuerwehr mit Sprecher Eßer und dem stellvertretenden Wehrchef André Blank: Sie sind mit einem Löschfahrzeug für den Katastrophenschutz vorgefahren, das 2000 Liter Löschwasser bunkern kann und auch im Wald vorwärtskommt. Blank: „Wir sind dankbar, dass Stadt, Rat und Verwaltung so stark hinter uns stehen.“ So freue man sich etwa auf fünf neue Gerätehäuser und einige neue Fahrzeuge. Wichtiger als andere Organisationen sei die Feuerwehr indes nicht, findet Thomas Eßer: „Feuerwehr ist ein Ehrenamt von ganz vielen.“

Wipperfürther Seniorin freut sich über den Anblick der Vereinslandschaft

Besucherin Anita Hassan ist beeindruckt und froh, dass sie sich auf den Weg in die Drahte gemacht hat: „Hier sieht man endlich mal, was in unserer Stadt los ist“, sagt die 83-Jährige und freut sich: „Man sieht Vereine, die ansonsten selten sichtbar sind.“ Dass ein Ehrenamt den persönlichen Horizont erweitert, ist für Markus Braun, den Vorstandsvorsitzenden von „Wir Wipperfürther“, ebenso klar wie, dass eine solche unentgeltliche Tätigkeit Engagement, Aufopferung und Leidenschaft verlangt, aber Emotionen, Begeisterung und am Ende Zufriedenheit zurückgibt.

Bürgermeisterin Billstein sieht darin nicht weniger als gelebte Mitmenschlichkeit, die dringender gebraucht werde als jemals zuvor. Und Landrat Grootens, an den Ort seiner Kandidatenkür im Januar vergangenen Jahres zurückgekehrt, erinnert daran, dass ein Ehrenamt Verunsicherung und Sorgen nehme, eben auch das politische in Stadt- oder Gemeinderat.

Gaby Eck und Gabi Konopatzki setzen da schon früh an: Drei Jahre alt sind die jüngsten Hansestädterinnen und Hansestädter, wenn Kuno, das Kulturmobil der 2009 gegründeten Jugendkunstschule, am Spielplatz stoppt, zu Kreativität einlädt und auffordert, mal verschiedene Techniken auszuprobieren: „Immer ohne Zwang und ohne Leistungsdruck – wir wollen vor allem das Miteinander fördern.“


Zahlen aus dem Oberbergischen Kreis

Oberbergs Landrat Klaus Grootens hatte etliche Zahlen zur Eröffnung der ersten Ehrenamtsmesse mitgebracht: Demnach gibt es im Kreisgebiet insgesamt 1441 Dörfer und Ortschaften, in denen seinen Angaben zufolge 65 Prozent der Menschen derzeit ein Ehrenamt ausüben. „Damit liegt Oberberg im Vergleich mit allen 31 Landkreisen und 22 kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen auf dem fünften Platz“, erklärte der Landrat. „Da sage ich doch gerne, dass wir ,Dorf’ sind.“

Würde man die im Ehrenamt geleisteten Stunden mit dem aktuellen Mindestlohn (13,90 Euro brutto pro Stunde) multiplizieren, ergäbe sich für Oberberg ein wirtschaftlicher Wert von rund 350 Millionen Euro, so Klaus Grootens.