Zum vierten Mal fand in Wipperfürth-Thier das Fest "Garten der Vielfalt" statt. Im Garten von Franz Josef und Gudru Flosbach konnten sich Garten- und Literaturfreunde austauschen.
Garten der VielfaltIn Wipperfürth-Thier trifft Natur auf Literatur

Die Gartenführungen von Gudrun Flosbach (Mitte, mit Strohhut) stießen auf großes Interesse.
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„Wer einmal mit dem Gartenvirus befallen ist, der wird ihn nie mehr los.“ Gudrun Flosbach weiß, wovon sie spricht, denn bereits als junge Frau hat sie sich für Gärten und das Gärtnern begeistert. Mittlerweile ist sie vierfache Großmutter, doch der Garten spielt bis heute eine große Rolle in ihrem Leben.
Am Samstagnachmittag nutzten 135 Gäste die Möglichkeit, sich im „Garten der Vielfalt“ in Wipperfürth-Thier umzusehen und sich bei Kaffee und selbst gebackenen Kuchen und Torten mit anderen Garten- und Literaturfreunden auszutauschen. Zum vierten Mal haben das Ehepaar Gudrun und Franz Josef Flosbach, zusammen mit der Buchhandlung Colibri, das nachmittägliche Fest im Grünen organisiert.
Eine spontane Idee
Unter den Besucherinnen und Besuchern sind „Wiederholungstäter“ ebenso wie Neulinge. Die Wipperfürther Buchhandlung ist eine der ganz wenigen ihrer Art, die in Form einer Genossenschaft organisiert ist. Die Flosbachs gehören zu den Gründungsmitgliedern. „Wir haben noch Ideen gesucht“, sagt Norbert Drecker, der Aufsichtsratsvorsitzende von Colibri. Da kam Gudrun Flosbachs Vorschlag, in ihren Garten einzuladen. „Eine spontane Idee“, erinnert sie sich.
Im Schatten eines riesigen, fast hundert Jahre alten Nussbaums sitzt Carina Harbich auf einem Stuhl. Auf dem Kopf einen Blumenkranz, vor sich ihre keltische Harfe, auf der sie selbst geschriebene Lieder spielt und dazu singt. Carina Harbich gehört zum Colibri-Team, kürzlich hat sie ihre erste eigene CD mit Celtic Folk herausgebracht (wir berichteten). Die perlenden Melodien und die sanfte Stimme – begleitet vom Rauschen des Windes in den Blättern – laden zum Träumen und Verweilen ein.
Lesungen gehören dazu
Lesungen dürfen beim Garten der Vielfalt nicht fehlen. Buchhändler Viviana Korn hat zwei Geschichten ausgesucht: Ein wunderschönes, trauriges Märchen von Hans Christian Andersen über eine kleine Gänseblume und eine Lerche, die von den Menschen misshandelt werden. Und eine kleine Erzählung von Virginia Woolf über Besucher, die im Londoner Park Kew Gardens umherschweifen.Gut 30 Zuhörer verfolgen die Lesung im Grünen, mancher schließt die Augen und saugt die Stimmung in sich auf.
Ein wichtiger Teil des Festes sind jedes Jahr die Gartenführungen, die Gudrun Flosbach anbietet. Genau genommen besteht der Garten aus zwei Teilen: Zum einen dem alten Garten mit rund 1700 Quadratmetern, der neben und hinter dem über 200 Jahre alten Haus im Ortskern von Thier liegt. Dahinter lag früher eine Schafweide. „Aber unsere Schafe sind an der Blauzungenkrankheit gestorben, und wir wollten keine neuen Schafe haben“, erklärt Flosbach.
So entstand während der Corona-Pandemie die Idee, auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Grundstück ein Arboretum – eine Sammlung mit Exoten – anzulegen. Dabei legt die Gärtnerin großen Wert auf Klimaverträglichkeit.
Seit Wochen hat es nun schon nicht mehr geregnet.Gertrud Flosbach hat einen Fahrplan fürs Gießen. Die Pflanzen im Gewächshaus bekommen täglich Wasser, die Topfpflanzen alle zwei Tage. Alles andere – sofern es nicht frisch angepflanzt wurde – wird im Fünf-Tage-Rhythmus ausgiebig gewässert. Dabei helfen mehrere Zisternen, von denen die größte 2500 Liter fasst.
Zu jeder ihrer Pflanzen kann die Gärtnerin, die sich ständig fortbildet und Mitglied in mehreren Gartenfreunde-Vereinen ist, etwas erzählen. Als jüngstes Projekt hat Gertrud Flosbach begonnen, ihr grünes Paradies seniorengerecht umzugestalten. Dazu zählen zum Beispiel Handläufe an Treppen und an der schrägen Auffahrt.