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Gastronomiekonzept für Wipperfürth präsentiertKein Gastwirt dabei

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Das gute Wetter lockt aktuell viele in die Außengastronomie, so wie hier auf dem Wipperfürther Marktplatz.

Das gute Wetter lockt aktuell viele in die Außengastronomie, so wie hier auf dem Wipperfürther Marktplatz.

Die Politik hat eine Gastronomiekonzept in Auftrag gegeben, doch bei der Präsentation im Ausschuss war kein Gastwirt anwesend.

Die Kneipen und Restaurant in der Wipperfürther Altstadt sind ein Publikumsmagnet, das gilt vor allem für die Gaststätten rund um den Marktplatz. An den Wochenenden und lauen Sommerabenden brummt hier das Leben. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. In den Kirchdörfern mussten in den vergangenen Jahren mehrere   Gaststätten schließen.

Die Hansestadt Wipperfürth hatte beim Burscheider Büro Progacon ein Gastronomiekonzept in Auftrag gegeben, das Michael Harenberg aus der Geschäftsführung am Mittwochabend im Ausschuss für Klima, Umwelt und Stadtentwicklung vorstellte.

Wie ist die aktuelle Ausgangssituation?

„Wipperfürth hat Potenziale, die sich viele Städte wünschen würden“, sagte Harenberg. Das spiegelt auch eine Umfrage wider. Auf die Frage „Warum besuchen Sie die Innenstadt?“ werden nicht – wie anderswo üblich – di Geschäfte, sondern am häufigsten die Gaststätten genannt. Potenzial sieht das Konzept im Angebot, dieses sei überwiegend „einfach bis durchschnittlich“, gesunde, moderne und außergewöhnliche Angebote seien in Wipperfürth unterrepräsentiert. Das Gutachten empfiehlt, die Vielfalt und die Qualität des Angebots – etwa mit einem Schwerpunkt auf regionalen Produkten – auszubauen, auf neue Social-Media-Kanäle und stärker auf Events zu setzen. Größte Hürde, aus Sicht der Wirte, sei die Bürokratie. Zwar hat die Stadt mit Lars Schreckegast einen City-Manager, doch es fehle der spezifische gastronomische Blick. Ferner rät Progacon, die Gastwirte bei der Personalsuche und mit gezielten Workshops zu unterstützen, auch im Hinblick auf eine Nachfolgeregelung.

Welche Gebiete wurden untersucht?

Marktplatz und Marktstraße bieten das größte Potenzial, wobei das Angebot in der Marktstraße etwas höherwertig ist und eher ein kaufkräftiges Publikum anzieht. Im Rahmen der Regionale 2025 und des InHK 2.0 sollen der Hausmannsplatz und vor allem das gegenüberliegende nördliche Wupperufer aufgewertet werden. Mit der Nähe zum Wasser erhält dieses Areal eine hohe Aufenthaltsqualität, es eignet sich sehr gut für neue gastronomische Angebote mit saisonalen Höhepunkten wie Sommerterrassen und trendige Möglichkeiten für ein junges Publikum (Pop-Up-Cafés, Bars, Streetfood).

Wie sieht es auf den Dörfern aus?

Das große Sorgenkind sind die Dorfgaststätten. In Agathaberg, Kreuzberg und Wipperfeld mussten traditionelle Gaststätten schließen, unter anderem, weil sich kein Nachfolger fand. In Hämmern und Ohl/Klaswipper gibt es schon längere Zeit keine Gastwirtschaft mehr. Das Problem der Dorfkneipen: Die vorhandenen Gebäude sind oft sanierungsbedürftig.

Es gibt kaum Kopplungspotenziale, etwa mit Events oder Einzelhandel. Und nur vom Tourismus und den Dorfbewohnern zu überleben, ist schwierig. Das Burscheider Büro hatte mit Vertretern der Dorfvereine, Verwaltung, Politik und anderen Teilnehmer in einem Workshop die Situation analysiert und Änderungswünsche diskutiert. In Wipperfeld (Haus Hembach) und Agathaberg (Dorfschenke) haben Genossenschaften Interesse an einer Nutzung.

Wie soll es jetzt weitergehen?

„Das Konzept darf nicht in der Schublade verschwinden, dafür war es zu teuer“, so die übereinstimmende Reaktion aus der Politik. Das Konzept wurde im Ausschuss einstimmig beschlossen, der Rat muss noch zustimmen. Die Verwaltung soll die konkreten Handlungsempfehlungen intern kommunizieren und als Leitlinie etablieren. Sie soll Prioritäten für die Umsetzung einzelner Maßnahmen definieren und diese umsetzen, organisatorische Strukturen überprüfen und diese gegebenenfalls erweitern. Dabei ist eine enge Abstimmung mit anderen Akteuren erforderlich. Werden die Wipperfürther Gastwirte auch mitziehen? Diese Frage blieb im Raum stehen. „Wir brauchen ein ,Wir-Gefühl', alle müssen dazu beitragen“, forderte der Ausschussvorsitzende Hans-Peter Müller (CDU). Dass keiner der Wirte zur Präsentation gekommen sei, sei sehr schade.