Sechs Jahre lang hat der 46-Jährige die Mannschaft in seinem Heimatverein trainiert. Nun hört er mit dem Saisonende auf.
FußballGiovanni Bernardo, Trainer des VfR Wipperfürth, spricht über den Aufstieg in die Bezirksliga

Sechs Jahre hat Giovanni Bernardo die Mannschaft des VfR Wipperfürth trainiert. Nun legt er sein Amt aus beruflichen Gründen nieder.
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Nach dem Sieg gegen den TuS Homburg-Bröltal steht es fest: Der VfR Wipperfürth steigt als Meister der Fußball-Kreisliga A zur kommenden Saison in die Bezirksliga auf. Einen großen Anteil an diesem Erfolg hat VfR-Trainer Giovanni Bernardo. Sechs Jahre lang hat der 46-Jährige die Mannschaft in seinem Heimatverein, in dem er einst selbst spielte und Spielführer des erfolgreichsten Wipperfürther Teams in der Landesliga war, trainiert. Nun hört er auf.
Über die Gründe für diese Entscheidung, den langen Weg des VfR zur Meisterschaft, und wie wichtig ein Trainer für eine Mannschaft ist, darüber hat Linda Thielen mit Giovanni Bernardo gesprochen.
Ich erreiche Sie gerade in Mexiko. Sie sind beruflich dort. Was machen Sie eigentlich genau?
Ich arbeite im Vertrieb eines Unternehmens und bin dort für das globale Kabelgeschäft verantwortlich. Ich pendle jeden Montag zu meinem Arbeitsplatz nach Wien. Mein Wecker klingelt früh morgens um halb vier. Dann nehme ich den ersten Flieger von Köln nach Wien und bleibe dort bis Mittwochabend oder Donnerstagmorgen. In Mexiko bin ich, weil mein Arbeitgeber unter anderem hier ein Werk hat.
Ist das auch der Grund, warum sie entschieden haben, nach sechs Jahren als Trainer beim VfR Wipperfürth aufzuhören? Weil Sie beruflich so eingespannt sind?
Ja, ich mache den Job jetzt seit zweieinhalb Jahren. Es ist ein sehr fordernder und herausfordernder Job, mit sehr viel Verantwortung und einem tollen Umfeld. Ich kann deshalb nur noch einmal pro Woche beim Training dabei sein. Man muss sich das so vorstellen: Ich komme aus Wien eingeflogen, damit ich donnerstags beim Training sein kann. Am Sonntag findet dann das Spiel statt, danach wird schnell zu Abend gegessen und es geht ins Bett. Der Zeitplan ist sehr spack. Eigentlich wollte ich schon zum Ende der vergangenen Saison aufhören, habe aber zugestimmt, dem Verein Zeit zu geben, sich nach einem adäquaten Nachfolger umzuschauen. Dass das Jahr nun so gekrönt wird, ist natürlich umso besser.
Sie haben gerade den aktuellen Erfolg angesprochen. Erstmal: Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die Bezirksliga! Haben Sie schon gefeiert oder folgt das noch? Zwei Heimspiele für den VfR stehen ja noch aus.
Wir haben uns direkt nach dem jüngsten Sieg gegen den TuS Homburg-Bröltal komplett gehen lassen. (schmunzelt) Die Jungs haben in den vergangenen Jahren sehr viel einstecken müssen. Wir waren zweimal sehr nah am Meistertitel dran, und sind zweimal sehr dramatisch gescheitert. Und wir haben Jahr für Jahr Leistungsträger verloren. Trotzdem haben wir es geschafft, wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Laufe dieser Saison hat sich dann herauskristallisiert, dass wir eine ganz gute Runde spielen werden.
Egal wie man noch rechnet, die Meisterschaft kann Ihnen niemand mehr nehmen. Wie gehen Sie und Ihr Team in die noch verbleibenden zwei Spiele?
Es ist schon so, dass wir die letzten beiden Spiele noch erfolgreich gestalten wollen. Wir haben eine makellose Rückrunde gespielt. So soll es weitergehen und wir wollen natürlich gewinnen. Aber man darf auch nicht unterschätzen, dass die ganze Anspannung bei den Jungs nun weg ist.
Die Bezirksliga ist das, was ich von Tag eins an wollte. Als ich als Trainer angefangen habe, habe ich gesagt, ich möchte aufsteigen und wurde dafür belächelt. Und jetzt, wo es klappt, gehe ich.
Ihr Team ist zuletzt immer wieder an der Meisterschaft gescheitert. 2025 ganz besonders knapp im Aufstiegsspiel gegen Frielingsdorf. Was haben Sie in dieser Saison besser gemacht?
Wir waren dieses Jahr einfach dran mit der Meisterschaft. (lacht) Spaß beiseite! Ich würde nicht sagen, dass wir etwas anders gemacht haben, ganz im Gegenteil. Wir haben die Basics mehr in den Fokus genommen, da wir einen großen Umschwung in der Mannschaft hatten. Wir haben in der vergangenen Saison viele Leistungsträger und somit unsere komplette Offensive verloren. Viele sind höherklassig gewechselt. Die Mannschaft musste sich neu erfinden und ist enger zusammengerückt. Wir spielen relativ nüchtern und mit Kopf. Und ich glaube, dass die Jungs dieses Jahr mehr Herz reingebracht haben. Wenn man sich jetzt die Tabelle anguckt, haben wir den besten Sturm und die beste Abwehr in der Liga.
Hat sich schon im Training abgezeichnet, dass es eine so starke Saison für den VfR werden wird?
In der Trainingsgestaltung war es viel schwieriger. Ich habe die Mannschaft damals übernommen, als sie fast in die Kreisliga B abgestiegen wäre. Danach ging es stetig nach vorne. Aber klar, die Jungs haben sich meine ganzen Ideen sechs Jahre lang angehört. Wir haben im Training einen sehr hohen Aufwand betrieben. Die Jungs mussten überdurchschnittlich lange und hart trainieren. Dass sich das jetzt so auszahlt, ist natürlich umso schöner.
Vor allem in der Rückrunde war Ihr Team stark. Gab es einen Schlüsselmoment, in dem der Knoten geplatzt ist?
Ja, das war nach dem Lindlar-Spiel. Es war die Art und Weise, wie wir in Lindlar gewonnen haben. Das war sehr reif, sehr gut und sehr dominant. Nach dem Spiel habe ich gesagt, dass es für uns in die richtige Richtung geht. Das war noch relativ früh in der Rückrunde. Danach war es wie ein Selbstläufer. Und ich glaube, dann haben die Jungs auch selbst dran geglaubt und die Trainingsbeteiligung wurde besser. Wir sind zuletzt mit sehr breiter Brust nach Bröltal gefahren. Das Spiel war übrigens schicksalsträchtig. Im vergangenen Jahr haben wir in Bröltal zur Halbzeit 3:1 geführt, als das Spiel relativ unglücklich abgebrochen wurde. Das Wiederholungsspiel haben wir dann 2:1 verloren. Hätten wir das Spiel gegen Bröltal damals gewonnen, wären wir schon vor dem Endspiel gegen Frielingsdorf, das wir ja verloren haben, aufgestiegen.
Sie haben erzählt, dass viele Spieler gegangen sind. Wie schwer ist es, als Trainer eine Mannschaft zusammenzuhalten und immer wieder zu motivieren?
Eine Mannschaft ist wie eine Familie, wo der Papa der Strenge ist. (lacht) Ich glaube, dass es zu einem großen Teil an meiner Person liegt, die Jungs zu motivieren. Ich habe einen sehr guten Draht zu den Jungs – mit der nötigen Distanz. Diejenigen, die gegangen sind, wollten sich sportlich weiterentwickeln. Diese Perspektive konnten wir ihnen in Wipperfürth nicht geben. Mir ist es aber wichtig zu sagen, dass ich auf diejenigen, die gegangen sind, auch stolz war. Denn wir haben sie ausgebildet, sodass sie höherklassig spielen konnten. Für unseren eigenen Weg war das natürlich nicht förderlich. Das war keine leichte Aufgabe – zumal ich nur 50 Prozent der Trainingseinheiten da sein konnte.
Wie hat die Mannschaft eigentlich darauf reagiert, dass Sie wegen Ihres Berufs nicht bei jedem Training dabei sein können?
Das war schon eine Challenge, von den Jungs eine hundertprozentige Trainingsbeteiligung zu erwarten, obwohl man selbst nur 50 Prozent da ist. Das ist schwierig. Der eine hat es mir verziehen, der andere weniger. Das gehört auch zur Wahrheit dazu. Aber ich habe sehr viel Unterstützung vom Verein bekommen. Ich hatte mit Andrea Esposito, Norbert Scheider und Nicolas Abdat immer tolle Co.-Trainer an meiner Seite. Wir sind näher zusammengerückt und haben das gemeinsam gemeistert.
Mit dem Aufstieg könnten Sie Sich als Trainer nicht besser verabschieden. Sie haben Ihr Ziel Bezirksliga erreicht. Tut es nicht ein bisschen weh, dass Sie ausgerechnet jetzt gehen, wo es beim VfR Wipperfürth so gut läuft?
Ja, ich habe definitiv zwei weinende Augen, alles andere wäre gelogen. Der Verein versucht mich tatsächlich zu überreden, dass ich doch weitermache. (schmunzelt) Auch in meinem Umfeld glauben viele nicht, dass ich Traineranfragen widerstehen kann. Aber meine Entscheidung steht fest, obwohl ich weiß, dass es noch ein paar Wochen wehtun wird. Die Bezirksliga ist das, was ich von Tag eins an wollte. Als ich als Trainer angefangen habe, habe ich gesagt, ich möchte aufsteigen und wurde dafür belächelt. Und jetzt, wo es klappt, gehe ich. Mein Herz hätte sich sicher anders entschieden, aber ich bin mir sicher, dass es die richtige Entscheidung ist. Ich möchte den Kopf freikriegen. Mit meinem aktuellen Job werde ich keinem Verein gerecht. Ich freue mich jetzt noch auf die zwei letzten Spiele.
Was möchte Sie Ihren Nachfolgern an der Seitenlinie mit auf den Weg für die Bezirksliga geben? Mit Ihrem Co.-Trainer Norbert Scheider übernimmt ja jemand, der das Team gut kennt.
Er braucht keine Tipps von mir. Ich wünsche ihm einfach Erfolg. Erfolg bedeutet für mich auch, die Jungs weiterzuentwickeln. Die Mannschaft wird in der Bezirksliga wahrscheinlich wieder mehr Spiele verlieren als gewinnen. Man muss lernen, damit umzugehen. Ich wünsche Norbert, dass ihm der notwendige Mix aus kurzer und langer Leine gut gelingt. Und wenn es um die Resultate geht, dann wünsche ich mir natürlich, dass die Klasse gehalten wird.
