Wie geht es weiter mit dem Radium-Gelände in Wipperfürth? Das Unternehmen will sich verkleinern. Rund 200 Besucher kamen zu einer Infoveranstaltung in die Alte Drahtzieherei.
Großes InteresseKreative Ideen für Wipperfürther Radium-Gelände vorgestellt

Anschauliches Modell: Wie in einem Tetris-Spiel sind die Räume des ehemaligen Radium-Turbinenhauses ineinander verschachtelt.
Copyright: Stefan Corssen
Bungee-Jumping von der Spitze des Radium-Schornsteins, eine Indoor-Spielhalle samt Escape-Room, eine Galerie oder ein Co-Working-Space: Nur ein paar von vielen Ideen für eine künftige Nutzung des alten Radium-Turbinenhauses. Was in und um das Gebäude als ein „Haus der Vielfalt“ künftig alles passieren könnte – darum ging es am Dienstagabend bei der Infoveranstaltung in der Alten Drahtzieherei.
Rund 200 Besucher verfolgten die Präsentation. Viele nutzten im Anschluss noch die Möglichkeit, sich auszutauschen und eigene Ideen einzubringen. Modelle des Turbinenhauses und des Areals sowie Ideensammlungen an Stellwänden unterstützten die Diskussionen. Neuntklässler des Engelbert-von-Berg-Gymnasiums hatten sich im Vorfeld im Inneren des markanten Backsteinbaus selbst ein Bild machen können und daraus eigene Vorstellungen entwickelt.
Schüler erarbeiten eigene Vorschläge
Elke Auras, kommissarische Leiterin des Kunstbahnhofs, gehörte zu einer von drei Gruppen von Erwachsenen, die ebenfalls die Gebäude besichtigen konnten. „Im zweiten Obergeschoss gibt es ganz tolle Räume“, schwärmte sie. Und im ersten Stock lasse sich prima ein Tanzraum einrichten. Auch eine kommerzielle Nutzung des Gebäudes sei denkbar. Was sich am Ende realisieren lässt und was nicht, ist noch offen.
Den Blick auf das ganze Areal rechts und links der Wupper lenkten die Planer Stefan Hartlock und Thomas Dietrich. Sie stellten den Stand des Masterplans vor, „ein Vorentwurf, der erste Möglichkeiten aufzeigt“, wie Hartlock betonte. Die Grundidee: Weil die Firma Radium sich stetig verkleinern will, werden attraktive Flächen frei – gleichzeitig wird die Wupper wieder erlebbar, dazu gehört auch eine neue Brücke für Fußgänger und Radfahrer.
Eine neue Brücke über die Wupper
Derzeit läuft ein freiraumplanerischer Wettbewerb, an dem sich 15 Büros beteiligen. Bis zum 8. Juni müssen sie ihre Entwürfe für die Gestaltung von Ufer und Brücke einreichen, am 16. Juli entscheidet dann ein Preisgericht, im Anschluss sollen die Pläne öffentlich ausgestellt werden. Frühestens Ende 2027 – so der Zeitplan – soll der Siegerentwurf konkrete Züge annehmen.
Klar ist, dass auf dem Areal auch neuer Wohnraum entstehen soll. „Wie viele Wohnungen können es denn werden?“, wurde Hartlock gefragt. „Das lässt sich derzeit noch nicht sagen“, so seine Antwort. Ein Problem sei zum Beispiel die Frage, wo man die vorgeschriebenen Parkplätze unterbringen könne. Eine Tiefgarage direkt am Fluss dürfte kaum möglich sein. Ein weiteres Problem: Noch hat die Stadt das Areal nicht gekauft, die Verhandlungen mit Radium laufen. Auch mögliche Altlasten und die Lärmbelastung durch die Nordtangente dürften eine Rolle spielen.
Ein weitgehend positives Echo auf die Veranstaltung zogen zwei Besucherinnen. „Da wurden viele gute Ideen vorgestellt“, sagt Angela Flosbach. Dem stimmte auch Magdalena Höhfeld-Bosbach zu, „auch wenn ich mit einer ganz anderen Erwartung hergekommen bin“. Die Stadt hat eine Postkartenaktion gestartet. Wer selbst Ideen für eine künftige Nutzung des Turbinenhauses hat, kann sich im Rathaus adressierte Karte n abholen, sie ausfüllen und einwerfen.
