Vor 20 Jahren haben die Jazzmusiker Roman und Julian Wasserfuhr ihr erstes Album veröffentlicht. Im Interview schauen sie auf ihre Karriere zurück und blicken nach vorn.
InterviewDie Wasserfuhr-Brüder aus Wipperfürth gehen neue Wege

Roman (l.) und Julian Wasserfuhr bei einem Konzert in der Alten Drahtzieherei
Copyright: Dennis Börsch
Sie sind international bekannt und ein Aushängeschild der hiesigen Jazzszene: Die Brüder Roman und Julian Wasserfuhr aus Hückeswagen. 2006 erschien ihr erstes Album. Im Interview blicken der Pianist und der Trompeter auf die Anfänge und den Verlauf ihrer Karriere sowie auf aktuelle Herausforderungen.
Vor 20 Jahren erschien mit „Remember Chet“ das erste Album, da waren Sie gerade mal 17 und 20 Jahre alt. Hätten Sie sich damals vorstellen können, einmal dort zu stehen, wo sie heute sind?
Roman Wasserfuhr: Für uns war das damals eine tolle Möglichkeit – ein Plattenvertrag bei einem renommierten Label! Wir haben nicht groß darüber nachgedacht, „wie geht es jetzt weiter?“ 20 Jahre sind eine schöne runde Zahl, aber wir spielen ja schon viel länger zusammen.
Es ging dann Schlag auf Schlag weiter, mit dem zweiten Album „Upgraded in Gothenburg“, das in Schweden entstand, mit Aufnahmen in New York und Irland. Wie kam es dazu?
Roman: Die meisten „klassischen“ Jazzmusiker spielen häufig in ständig wechselnden Besetzungen oder arbeiten als Studiomusiker mal in einem, mal in einem anderen Projekt. Wir haben uns immer bewusst auf unser eigenes Projekt konzentriert, uns dabei aber Inspiration von außen hinzugeholt. Das ist spannend, auch in kompositorischer Hinsicht – man bleibt immer in Bewegung. Manchmal braucht man dabei auch einen langen Atem.
Julian Wasserfuhr: Ich sehe uns als eigene Marke, als Unternehmer, die sich immer wieder neu erfinden müssen. Gerade heute ist das ungeheuer wichtig. Der Markt für CDs ist quasi zusammengebrochen, Vinyl hat dagegen wieder deutlich an Bedeutung gewonnen.
Wie geht es weiter, was steht als nächstes Projekt an?
Julian: Ende 2026 erscheint unser neues Album „Timelines“, zum ersten Mal haben wir alles komplett selbst produziert.
Roman: Im Rahmen der Regionale 2025 haben wir das Projekt „Echoes – Sound of Home “ entwickelt, wir haben ja in Hückeswagen unser eigenes Studio. 20 Jahre lang waren wir beim Label Act unter Vertrag, jetzt stehen wir auf eigenen Füßen. Wenn man alles selbst machen kann, dann ist das einfach ein gutes Gefühl. Wir bekommen direktes Feedback und tragen mehr Verantwortung. Gerade im digitalen Zeitalter ist das für uns der richtige Schritt. Wir können selbst entscheiden, auf welchen Streaming-Plattformen wir vertreten sein wollen und auf welchen nicht. Bei den großen Musikkonzernen kann man als Musiker nicht mitentscheiden.
Julian: Beim Jazz geht es immer wieder darum, sich neu zu erfinden – das kann keine KI. Wir können selbst Konzepte entwickeln, das kann auch in die Hose gehen.
Was passiert bei dem Jubiläumskonzert am 6. Juni?
Roman: Bei dem Konzert spielen wir erstmals einige Stücke aus unserem neuen Album, das wir im Februar und März aufgenommen haben. Zusammen spielen wir mit ein paar alten Freunden – wie dem Schlagzeuger Dennis Frehse, einem Deutschen, der seit 18 Jahren in Japan lebt. Mit dabei ist außerdem der Bassist Juan Camilo Villa aus Kolumbien, mit ihm haben wir schon im Jugendjazzorchester NRW zusammengespielt.
Julian: Diese internationalen Einflüsse aus Japan und Südamerika bringen einen anderen Spirit hinein, einen anderen Rhythmus.
Roman: Das ist wie ein Puzzle, bei dem sich alles zusammenfügt – alle haben Lust, zusammen Musik zu machen, und haben riesigen Spaß. Das kommt wirklich aus dem Herzen. Am 9. Juli spielen wir beim Open Air auf Schloss Homburg. Im Herbst gehen wir auf Tournee. Bei dem Konzert am 6. Juni in der Drahtzieherei, bei dem noch ein Überraschungsgast auftreten wird, besteht erstmals die Möglichkeit, unser neues Album vorzubestellen. Außerdem gibt es unser neues Bier „Take Five“ im Ausschank.