Der Landesbetrieb Straßen hat in der Hansestadt Wipperfürth zahlreiche neue Ortstafeln aufstellen lassen. Sie sorgen für Verwirrung.
Mehrere neue OrtstafelnEin Wipperfürther Schilderwald

An der Abzweigung zum St. Angela-Gymnasium steht eine Ersatz-Ortstafel.
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Auf der Nordtangente/B237 gilt jetzt offiziell Tempo 50. Im März hatte die Hansestadt Wipperfürth das neue Tempolimit auf der stark befahrenen Umgehungsstraße angeordnet, bis dahin galt dort Tempo 70. Vor wenigen Tagen hat die Straßenmeisterei im Auftrag von Straßen.NRW Schilder mit der neuen Höchstgeschwindigkeit angebracht, mit Verweis auf den Lärmschutz.
Ersatz-Tafel verweist auf „geschlossene Ortschaft“
Gleichzeitig ließ Straßen.NRW zahlreiche neue gelbe Ortstafeln aufstellen: So an der Leiersmühle in Richtung Innenstadt und Harhausen, an der Straße Am Stauweiher und an der Sanderhöhe. An der Abzweigung zum St. Angela-Gymnasium gingen offenbar die gelben Wipperfürth-Schilder aus, dort steht jetzt eine Ersatz-Ortstafel mit dem allgemeinen Hinweis „geschlossene Ortschaft“.

Viele neue Ortstafeln hat der Landesbetrieb Straßen an der B 237 aufstellen lassen, vor allem rings um die Kreuzung Leiersmühle.
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Unser Leser Jörn Günther – er ist Rechtsanwalt für Verkehrsrecht – hatte uns auf die vielen neuen Schilder aufmerksam gemacht. „Fahre ich von der Lüdenscheider Straße über die Leiersmühle Richtung Harhausen, verlasse ich in Höhe des Voss-Parkplatzes die geschlossene Ortschaft. Allerdings nur, um 30 Meter nach der Kreuzung ein Ortseingangsschild unserer geliebten Heimatstadt zu passieren. Die Kreuzung dürfte ich rechtlich zulässig mit 100 km/h passieren, falls die PS/kW für eine entsprechende Beschleunigung auf der kurzen Strecke reichen würden. Von Niederwipper/Ohl aus kommend sieht es weniger heimatlich aus. Ich werde zwar durch eine Werbetafel ,Willkommen in Wipperfürth’ begrüßt, bewege mich aber über die Kreuzung Leiersmühle hinweg weiterhin außerhalb geschlossener Ortschaften. Den Ortseingang erreiche ich erst kurz vor der Kreuzung am Hochhaus.“
Es kann von unseren Beamten und Angestellten erwartet werden, dass durch verantwortliches, gemeinschaftliches Handeln solche überflüssigen Maßnahmen schlicht vermieden werden.
Günther hält die Flut neuer Schilder für „Irrsinn“ und Geldverschwendung. „Es kann von unseren Beamten und Angestellten erwartet werden, dass durch verantwortliches, gemeinschaftliches Handeln solche überflüssigen Maßnahmen schlicht vermieden werden.“
Matthias Pack ist Leiter des Wipperfürther Straßenverkehrsamtes. „Für Laien sind die vielen neuen Schilder schwer nachvollziehbar“, räumt er ein. Die Entscheidung darüber liege aber nicht bei der Stadt Wipperfürth, sondern bei Straßen.NRW. Bei der Überprüfung sei aufgefallen, dass das Ortseingangsschild auf der B237, aus Richtung Niederwipper, kommend an der falschen Stelle gestanden hätte. Einen ähnlichen Fall gab es kürzlich in Hämmern, auch dort wurde das gelbe Schild nach Jahrzehnten versetzt. Entscheidend für den korrekten Standort der Ortseingangsschilder sei die geschlossene Bebauung entlang der Straße.
Bürgersteig ist stark frequentierter Schulweg
Dass die Kreuzung Leiersmühle nun per Anordnung nun plötzlich außerhalb der geschlossenen Ortschaft liegt, dürfte noch für manche Diskussion sorgen. Ebenso wie die Frage, wie schnell hier Autos fahren dürfen. Denn der Bürgersteig an der Leiersmühle ist ein stark frequentierter Schulweg.
Auf Anfrage unserer Zeitung nimmt Straßen.NRW Stellung. „Werden Beschilderungen überprüft oder angepasst und dabei festgestellt, dass der Verlauf der geschlossenen Ortschaft rechtlich anders zu bewerten ist als bislang ausgeschildert, muss die zuständige Straßenverkehrsbehörde die Ortstafeln anpassen. Grundlage hierfür ist die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung zu den Zeichen 310 und 311. Danach sind Ortstafeln grundsätzlich dort anzuordnen, wo die geschlossene Bebauung – unabhängig von Gemeindegrenzen oder der Straßenbaulast – für ortseinwärts Fahrende erkennbar beginnt beziehungsweise endet.“
Eine Ortstafel (Zeichen 310/311) kostet laut der Behörde etwa 250 Euro. Die Kosten werden entsprechend der Zuständigkeiten getragen: Die Ortstafeln an den Bundes- und Landesstraßen finanziert Straßen.NRW. Die Kosten für die Beschilderung an kommunalen Straßen und deren Einmündungsbereiche trägt die Stadt Wipperfürth.
Den Stein ins Rollen gebracht hatte Anika Wurth, Anwohnerin der Sanderhöhe. Zusammen mit anderen Bürgerinnen und Bürgern hat sie aus Lärmschutzgründen für 50 km/h auf der Tangente gekämpft, gegen zum Teil erheblichen Widerstand. „Ich bin sehr froh, dass wir auf der Nordtangente jetzt Tempo 50 haben“, sagt Wurth. „Bedanken möchte ich mich vor allem bei unserer Bürgermeisterin Anne Loth, die sich dafür stark gemacht hat.“
