Wie geht Kommunalpolitik? Die Klasse 5b des Wipperfürther-EvB-Gymnasiums hatte Bürgermeisterin Anne Loth eingeladen, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.
Politikunterricht andersSchüler haben viele Fragen an Wipperfürther Bürgermeisterin

Bürgermeisterin Anne Loth in der Runde der EvB-Fünftklässler.
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Bürgermeisterin Anne Loth erhält viele Einladungen – aber selten einen so schönen, von Hand geschriebenen Brief. Er ist mit einer Ranke und einem lustigen Bären verziert. Geschrieben hat ihn die Klasse 5b des Engelbert-von-Berg-Gymnasiums Wipperfürth. Dort steht: „Da wir im Politikunterricht das Thema Politik in der Gemeinde haben, würden wir Sie gerne in unsere Klasse einladen. (...) Wir würden gerne von Ihnen wissen, wie das in Wipperfürth mit Kommunalpolitik funktioniert.“
Am Dienstagmorgen war es so weit. Zwei Schülerinnen holten Loth und Christoph Auer, Sachbearbeiter im Rathaus, am Sekretariat ab. Die 21 Fünftklässler hatten jede Menge Fragen zur Arbeit der Bürgermeisterin, auch zum Privatleben und zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Wen gehört die Schule?
Erste Erkenntnis: Die Stadt Wipperfürth hat viele Aufgaben. Angefangen von Wasser und Abwasser über die Schulbusse, Bürgersteige und Radwege bis zum Jugendamt. „Wen gehört Euer Schulgebäude?“, wollte Loth wissen – na klar, auch der Stadt. „Nur für die Lehrer sind wir nicht zuständig.“
Ob sie schon als Kind Bürgermeisterin werden wollte? „Nein, wir hatten einen Bauernhof, und ich wollte Landwirt werden“, erzählt Loth. Doch dann sei es anders gekommen. „Ich wurde gefragt, ob ich für das Amt der Bürgermeisterin kandidieren will. Das habe ich dann mit meiner Familie besprochen, und seit knapp sechs Jahren bin ich jetzt Bürgermeisterin.“
Eine Bürgermeisterin hat nur wenig Freizeit
Als Verwaltungschefin müsse sie täglich viele Termine wahrnehmen und sei fast jeden Abend im Einsatz, ebenso an den Wochenenden. „Aber da sind ja auch Termine drunter, die Spaß machen, wie zum Beispiel Schützenfeste.“ Für Hobbys bleibe ihr leider keine Zeit mehr.
„Was sind ihre negativsten Erfahrungen“, wollte ein Schüler wissen. „Eine sehr gute Frage“, meinte die Bürgermeisterin. Wenn die Verwaltung einen Beschluss vorbereite, von dem sie überzeugt sei, und dieser Beschluss dann keine Mehrheit im Rat bekomme – dann sei das schon enttäuschend. „Aber das ist Demokratie. In der Politik gibt es eben manchmal unterschiedliche Meinungen.“
Kaputte Schließfächer
Dass es einen Stadtrat gibt, der viele Entscheidungen trifft, wissen die Fünftklässler. Aber wie viele Mitglieder zählt er? „Vielleicht 20“ schätzt ein Junge. „Es sind 40 Mitglieder und die Bürgermeisterin“, erklärt Auer. Warum eine ungerade Anzahl? „Damit es bei Abstimmungen immer eine Mehrheit gibt“, weiß ein Schüler die richtige Antwort.
Im Anschluss an den halbstündigen Besuch – am EvB gelten hat wegen der hochsommerlichen Temperaturen Kurzstunden – führen Finnja und Frieda der Bürgermeisterin noch durch ein paar Räume. Erste Station: Die Kunsträume im 4. Obergeschoss. Zwei Fünftklässler zeigen der Bürgermeisterin unter anderem die kaputten Schließfächer – Loth macht ein Foto mit dem Handy.
Weitere Stationen sind die Aula, das Foyer und der beliebte Aufenthaltsraum „Geisterkeller“. Eine Schülerin berichtet, dass viele der Gesellschaftsspiele dort leider unvollständig seien. „Macht doch einen Aufruf unter den Eltern und bittet um Spielspenden“, schlägt Auer vor. Zum Schluss lädt Anne Loth die Fünftklässler zum Gegenbesuch ins Rathaus ein.
