Verkehrsminister von NRW und Hamburg wagen einen Vorstoß. Als Vorbild gilt eezy.NRW.
Plan der VerkehrsministerDeutschlandweites Ticket für Gelegenheitsfahrer soll kommen

Vorbild für ein bundesweites Ticket für Gelegenheitsfahrer, das sich am Deutschlandticket orientiert: das eezy.NRW-Ticket.
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Das Digitalticket eezy.NRW soll nach einem Vorschlag der Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen und Hamburg bundesweit eingeführt werden, um Fahrten mit Regionalzügen, S-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen auch für Gelegenheitsfahrer attraktiver zu machen.
NRW und Hamburg werden bei der Konferenz der Verkehrsminister, die Mittwoch und Donnerstag (21. und 22. Oktober) im bayrischen Schwangau tagen, einen entsprechenden Antrag stellen. Eine Arbeitsgruppe soll bis zum Frühjahr 2027 prüfen, welche Kosten auf die Länder zukämen und wie die Einnahmen aus diesem neuen Ticket aufgeteilt werden könnten. Ziel ist es, im Herbst 2027 einen Beschluss zu fassen.
Das eezy-Ticket stößt in NRW nach Angaben des Landesverkehrsministeriums wegen seiner einfachen Handhabung auf immer größere Resonanz. Fahrgäste checken per Smartphone beim Ein- und Aussteigen ein und aus, der Preis wird automatisch berechnet.
Mit mehr als 1,4 Millionen Fahrten war ‚eezy.NRW‘ im September 2026 so gefragt wie nie zuvor, auch weil es einen dreifachen Preisdeckel bietet. Bei Fahrten innerhalb eines Monats innerhalb von NRW liegt er bei 63 Euro – das ist der derzeit gültige Preis des Deutschlandtickets. Für Fahrten innerhalb von 24 Stunden gilt ein Deckel von 34,50 Euro. Bei Einzelfahrten mit eezy.NRW ist garantiert, dass sie niemals teurer sind als ein konventioneller Fahrschein.
Gelegenheitsfahrer müssen genauso unkompliziert und zu fairen Konditionen unterwegs sein können wie Vielfahrermit dem Deutschlandticket.
„Wer nur gelegentlich Bus und Bahn fährt, muss genauso unkompliziert und zu fairen Konditionen unterwegs sein können wie die Vielfahrer mit dem Deutschlandticket. Mit eezy.NRW haben wir in Nordrhein-Westfalen gezeigt, wie es funktioniert“, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). „Das ist in dieser Form bundesweit einzigartig und wir wollen die Entwicklung vorantreiben“, so Krischer. „Dann könnten auch Gelegenheitsfahrer bald in ganz Deutschland einfach und komfortabel im Nahverkehr unterwegs sein. Das Ziel ist es, den Ticketvertrieb zu vereinfachen, Kosten zu reduzieren und den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr für noch mehr Menschen attraktiver zu machen.“

Ein RRX-Zug der Bahngesellschaft National Express fährt in den Kölner Hauptbahnhof ein. Das Digitalticket eezy.NRW könnte zum bundesweiten Vorbild werden.
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Im Unterschied zum eezy-Ticket, das ausschließlich in NRW genutzt werden kann, hätte die Einführung eines bundesweiten Digitaltickets den Vorteil, dass es quer durch Deutschland genutzt werden könnte.
Keine Konkurrenz zum Deutschlandticket
NRW-Verkehrsminister Krischer glaubt nicht, dass ein solches Angebot dem Deutschlandticket Konkurrenz machen könne. Das Deutschlandticket richte sich an Vielfahrer und habe sich einschließlich der Job-Variante und des Semestertickets längst etabliert. Deutschlandweit wird es von 14,6 Millionen Menschen genutzt. Davon sind es in NRW beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) 1,7 Millionen Abonnenten, beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) rund 800.000.
Alternative Abos spielen sowohl beim Absatz als auch beim Umsatz so gut wie keine Rolle mehr. Das gilt auch für die Kölner Verkehrs-Betriebe. Gelegenheitskunden, das sind rund 60 Prozent aller Fahrgäste, bevorzugen aber immer noch den Bar-Tarif, also Einzel- oder Mehrfahrtenscheine, die an Automaten gekauft oder auf dem Smartphone gebucht werden.
Die Kosten für die Automaten und Verkaufsstellen seien im Verhältnis zu den Erlösen aber viel zu hoch, so das NRW‑Verkehrsministerium. Bundesweit stammen nur noch fünf Prozent der Erlöse aus dem Bar-Tarif.
Gelegenheitsfahrten ohne Preisdeckel
„Wir haben den Deckel in NRW nur eingeführt, um es möglichst attraktiv zu gestalten“, sagte Krischer zum eezy-Ticket. Dabei habe sich gezeigt, dass von den Gelegenheitsfahrern nur sehr wenige im Monat den Preisdeckel von 63 Euro erreichen. „Wenn das bundesweite Digitalticket kommt, wird es den Deckel auch in NRW nicht mehr geben.“ Man dürfe nicht erwarten, dass die anderen Bundesländer das NRW-Modell komplett übernehmen. In Baden-Württemberg gebe es mittlerweile ein vergleichbares Angebot.
Beim Verkehrsverband go.Rheinland begrüßt man die Initiative der Verkehrsminister. „Die Wiege von eezy.NRW steht im Rheinland. Wir waren mit der KVB und Fairtiq Vorreiter für das heute landesweite Angebot“, sagte VRS-Geschäftsführer Michael Vogel. „Dass eezy.NRW der natürliche Partner des Deutschlandtickets ist, spüren wir auch im Rheinland: Rund 90 Prozent aller Fahrten werden mit einem dieser beiden Angebote absolviert.“
Verkehrsverbund Rhein-Sieg begrüßt die Initiative
Die Digitalisierung des Nahverkehrs lasse sich nicht mehr aufhalten. Bevor das bundesweite Digitalticket eingeführt werde, sei aber noch einiges zu klären, so Vogel weiter. „Etwa, wie die Preisgestaltung eines bundesweit gültigen Digitalangebots aussehen könnte. Neben dem Ausgleich von Einnahmeverlusten müssen auch weitere Kosten, die durch die Einführung eines solchen Angebots entstehen, wie für Vertrieb, Marketing, Datenschutz und Beratung, übernommen werden. Eines ist klar: Bund und Länder müssten sich hier finanziell engagieren. Analog zum Deutschlandticket könnte die Branche das vorgeschlagene Angebot nicht ohne den Ausgleich von Einnahmenverlusten stemmen.“