- Wonnemonat Mai? Von wegen. Das Aprilwetter hat nun schon drei Wochen überzogen und ein Wetterumschwung ist nicht in Sicht.
- Was bedeutet das für die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung und die Böden nach drei Dürrejahren in Folge?
Rheinland – „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass“, diese alte Bauernregel gilt auch heute noch, sagt Johannes Brünker. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Bonn-Rhein-Sieg sieht jedenfalls durch das aktuelle Wetter beste Voraussetzungen für eine gute Ernte. Zwar sei durch die ungewöhnlich kühlen Temperaturen das Wachstum von Spargel und Erdbeeren und damit die Erntemenge gegenüber den Vorjahren zurück, dafür aber seien mangels Überschuss die Preise höher und glichen die Mindermengen aus. Ein weiterer Pluspunkt: Durch die kühle Wetterlage verdunstet weniger Wasser und kann deshalb in den oberen Bodenschichten länger gebunden werden, was den Pflanzen zugute kommt.
Tiefere Bodenschichten immer noch zu trocken
Das kann auch Susanne Hufe, die Pressesprecherin des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, das den Dürremonitor für Deutschland herausgibt, bestätigen. Der Oberboden, das heißt das Erdreich bis in eine Tiefe von 25 Zentimetern, ist in der Region weitgehend durchfeuchtet, der Gesamtboden bis etwa 1,80 Meter Tiefe aber, und das ist vor allem für Waldbäume entscheidend, ist nach wie vor viel zu trocken. Das ist das Resultat von drei Dürrejahren. Um das zu ändern, müsse es noch lange und andauernder regnen als bisher. Zumal die Niederschläge in der jetzigen Vegetationsphase kaum in der Tiefe versickern können, weil sie schon von den Pflanzen im Oberboden aufgesaugt werden, so Hufe. Viel besser seien Niederschläge im Winter, die tief in den Boden eindringen können.
NRW ist spitze bei Stauseen
65 Talsperren mit mehr als 300 000 Kubikmeter Fassungsvermögen gibt es in NRW und damit deutschlandweit die meisten Stauseen, vor allem auch viele größere. Damit ist NRW absoluter Spitzenreiter, gefolgt von Sachsen. Allerdings erfolgt eine Wasserentnahme für Trinkwasser nur zu 20 Prozent aus Talsperren.
Viele Talsperren dienen vor allem der Gewässerregulierung, um stabile Pegelstände zu garantieren. (kmü)
Aber das Wetter ist kein Wunschkonzert, sagen die Bauern und nehmen es so wie es ist. Zumal eine Wetteränderung vorerst nicht in Sicht ist. „Es wird insgesamt mies bleiben“, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch. Allerdings gebe es „Lichtblicke“: Heute soll es niederschlagsfrei bleiben mit Temperaturen bis 18 Grad. Am Freitag ziehe dann jedoch ein neues Tiefdruckgebiet mit Schauer und Gewitter auf, so der Meteorologe. Es könne zwar Temperaturen bis 19 Grad geben, trotzdem sei es kälter als normal zu dieser Jahreszeit. Schauer und Gewitter erwartet das Land auch am Wochenende. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor stürmischen Böen.
So plagen die Bauern teilweise schon wieder Schneckenfraß und Pilzkrankheiten in den Kulturen, wie vor den Dürrejahren. „Mal wieder ein ganz normales Frühjahr“, meint Landwirt Albert Trimborn vom Bauerngut Schiefelbusch in Lohmar. Und er wäre kein guter Landwirt, wenn er für diesen unbeständigen Mai nicht auch eine Bauernregel kennen würde: Der April macht, was er will und der Mai auch noch Bohei.
Talsperren sind weitgehend gut gefüllt
Entspannt ist auch die Lage an den Talsperren in der Region. Die Wahnbachtalsperre bei Siegburg beispielsweise ist zu mehr als 83 Prozent gefüllt. Sie beliefert 800 000 Menschen in der Region Bonn, Rhein-Sieg-Ahr mit Trinkwasser. In den drei Talsperren des Aggerverbandes (Wiehl-, Genkel- und Aggertalsperre) sieht es ähnlich aus, ebenso bei den 14 Talsperren des Wupperverbandes. Die größte, die Große Dhünntalsperre aber , sie versorgt mehr als eine Million Menschen im Bergischen, ist derzeit nur zu knapp 61 Prozent gefüllt. Mit einem Volumen von rund 81 Millionen Kubikmeter ist sie allerdings auch die zweitgrößte Trinkwassertalsperre in Deutschland. Zuletzt war sie nach Angaben des Wupperverbandes 2006 komplett angestaut gewesen. Auch die sechs Stauseen des Wasserverbandes Eifel-Rur sind derzeit gut gefüllt, wie der Homepage des WVER zu entnehmen ist.
Tägliche Infos über die Bodenfeuchte
Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ wurde 1991 unter dem Namen UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH gegründet und beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle/S. und Magdeburg 1100 Mitarbeiter.
Mit dem Dürremonitor liefert das UFZ täglich flächendeckende Informationen zum Bodenfeuchtezustand in Deutschland, sowohl für den Gesamtboden als auch für den Oberboden, sowie das pflanzenverfügbare Wasser im Boden. Zudem listet sie die Dürrestärke bis ins Jahr 1952 jeweils für die Vegetationsperiode April bis Oktober auf. www.ufz.de
Und dennoch machen sich die Verbände Gedanken, wie sie die Versorgung der Region mit Wasser auch über einen längeren Dürrezeitraum sicherstellen können. Beispielsweise in dem sie weniger Wasser zur Regulierung der Flüsse abgeben als vor vielen Jahren festgelegt wurde, sagt Susanne Fischer vom Wupperverband. Ein Monitoring beispielsweise für die Untere Dhünn habe gezeigt, dass dies keine negative Auswirkung auf die Gewässerökologie gehabt habe. Andererseits hätten dadurch im Prüfzeitraum 2019/2020 sieben Millionen Kubikmeter Wasser in der Talsperre erhalten bleiben können.
