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Falscher MärchenprinzEx-Freund soll Rhein-Bergerin in Betrugsfälle verwickelt haben

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Ein Paar (Symbolbild).

Rhein-Berg – Die angeklagte Endfünfzigerin kann einem leid tun. 15 Jahre lang hat die geschiedene Rhein-Bergerin ihre beiden Söhne allein großgezogen, sich um die Jungs und alles andere selbst gekümmert, Haushalt, Elternsprechtage, Beruf. Mit deutlich über 50 lernt Karin B. (Namen geändert) endlich wieder einen Mann kennen, der sich um sie kümmert, ihr vieles abnimmt. Doch nimmt der falsche Märchenprinz ihr nicht nur Arbeit und Verantwortung ab, sondern auch die Ersparnisse. Und zieht sie in seine Betrügereien hinein.

Jetzt steht Karin B. (59) wegen dreifachen Betruges vor dem Schöffengericht. Und dort steht sie wieder allein. Ex-Lover Wolfgang K., von dem sie sich schon vor Jahr und Tag getrennt hat, sitzt für drei Jahre in der JVA Lübeck, doch die Mahnungen trudeln weiterhin bei ihr ein. Drei Vorwürfe werden in Bensberg verhandelt: Bei einem geplanten Hauskauf in Rhein-Berg soll sie betrogen haben und einem weiteren geplanten Hauskauf in Malente (Schleswig-Holstein). Und schließlich soll sie, zurück in Rhein-Berg, einen Einmietbetrug begangen haben, sprich eine Wohnung angemietet, die Miete aber nur einmal statt dreimal und die Kaution gar nicht bezahlt haben.

Angeklagte übernahm GmbH

Was macht man mit so einer Angeklagten, die kurz nach dem Valentinstag so von der Liebe spricht? „Ich war verrückt wie ein 14-jähriger Teenager“, sagt Karin B. Alles habe sie Wolfgang, den sie im Internet kennengelernt habe, geglaubt. Luftschlösser habe er gebaut, tolle Geschäftsideen gehabt. Mit Mieteinnahmen aus einer Finca auf Ibiza habe er weitere Immobilienkäufe in Deutschland finanzieren wollen. Davon habe er auch groß auf Gartenpartys gesprochen.

Er selbst sei wohl Ingenieur und als Kfz-Gutachter und Sachverständiger tätig gewesen, habe sie geglaubt. Schließlich hätten sie eine gemeinsame GmbH gegründet, bei der sie die Geschäftsführung übernommen habe, damit er sich voll seinen Gutachten widmen konnte. Wirklich durchgeblickt hat sie bei all dem wohl nicht. Nach der Trennung beauftragte sie einen Experten, die Buchhaltungssoftware durchzugehen, dabei sei der Experte auf Forderungen von 1,5 Millionen Euro gekommen, die die GmbH noch zu bekommen habe. Sie habe bei den vermeintlichen Schuldnern nachgefragt. Längst nicht jeder habe geantwortet, doch die, die antworteten, darunter etwa ein großer Versicherungskonzern, winkten ab: „Einen Herrn K. kennen wir nicht.“

Auch an anderen Stellen Betrugsanklagen

Zeugen hat Schöffengerichtsvorsitzende Birgit Brandes für den ersten Verhandlungstag nicht geladen. Was tun mit so einer Angeklagten, die sich im Übrigen auch an anderen Stellen Betrugsanklagen stellen muss? Und die angibt, selbst 80 000 Euro Ersparnisse an ihren, wie sie heute weiß, vielfach vorbestraften Ex weitergeben zu haben. Dieses Geld kann sie wohl abschrieben, ebenso wie einer inzwischen erwachsenen Söhne 26 000 Euro und der andere 6000. Ihre Mietschulden hat sie nach Angaben ihres Verteidigers inzwischen aus einer Lebensversicherung beglichen.

Doch trat das Paar gemeinsam auf. Bei dem Immobiliengeschäft in Malente präsentierte Wolfgang B., der sich gerne eines guten Kumpels bei einer deutschen Großbank gerühmt habe, einen Kontoauszug von Karin, der ein Guthaben von 864 000 Euro auswies. Auf den Verkäufer machte das womöglich noch mehr Eindruck als der nigelnagelneue Mercedes, mit dem das Paar vorfuhr. Es ist zum Beispiel dieses 864 000-Euro-Detail, das beim Staatsanwalt ein „Störgefühl“ auslöst. Er beharrt darauf, dass zumindest Verkäufer und Makler des Hauses in Malente gehört werden.

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Es gibt noch mehr Störgefühle. Die berichtete, beinahe unerträgliche Häufung von Unglück lässt leise Zweifel an der Story aufkommen. Zum Beispiel die Schilderung, dass Wolfgang sich vor dem Wechsel nach Norddeutschland um die Einlagerung all ihres Hab und Gutes gekümmert, aber die Rechnung nicht bezahlt habe. Mit der Folge, dass Karin ihre gesamte Kleidung, Möbel, Schmuck und alle Erinnerungsstücke verloren habe. Und dass sie später zu ihrer Mutter an die Erft gezogen sei. Bis am 14. Juli das Hochwasser kam. Der Prozess wird fortgesetzt.