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„Bergische Stube“Wenn das Elsass in Bensberg knuspert

4 min
Ein lachender Koch in weißer Jacke reicht dem Betrachter einen Flammkuchen mit grünem Salat auf einem großen Holzbrett entgegen.

Das Team um Küchenchef Stefan Wagner (o.) und Restaurantleiterin Emily Lankuttis entführt seine Gäste mit Flammkuchen ins Elsass.

In der „Bergischen Stube“ wird aus einem oft unterschätztem Klassiker ein handgemachtes Gemeinschaftserlebnis.

Wer das Besondere und Exquisite sucht, wird in der Schlossstadt Bensberg fündig, auch wenn es um Flammkuchen geht. Ein Gericht, das viele Restaurants auf der Karte haben. Niedriger Wareneinsatz, einfach und schnell zubereitet, hoher Gewinn und beliebt. Immer gut gemeint, aber nicht unbedingt gut gemacht. Das Kardinal-Schulte-Haus will das Gegenteil beweisen. In der neu gestalteten „Bergischen Stube“ zeigt sich die Elsässer Spezialität von ihrer besten Seite, nicht nur beim Belag.

Wer in der Bergischen Stube zu Gast ist, hat bei der Auswahl an Gerichten die Wahl: Flammkuchen oder Flammkuchen in verschiedenen Varianten. Ob herzhaft, süß, klassisch oder ausgefallen – die Gäste sollen essen wie Gott in Frankreich, denn alles ist in Handarbeit und mit hochwertigen Produkten zubereitet.

Um einen einzigen Teig auszurollen, braucht es Geduld

Das fängt beim Teig an, weiß Küchenchef Stefan Wagner: „Um einen einzigen Teig auszurollen, braucht es Geduld, um die drei Minuten, denn er zieht sich immer wieder zusammen“, verrät er aus dem neu gestalteten Restaurant, das zu einer Kurzreise ins Elsass einlädt: Bilder von den malerischen Örtchen Frankreichs an den Wänden, Buchbände in den Regalen, rustikale, gemütliche Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt und eine aufmerksame Gastfreundschaft untermauern das. Im Mittelpunkt steht letztendlich der dampfende Flammkuchen, der in Stücke geschnitten in der Mitte des Tisches seinen Platz findet und zügig in den Mündern der Gäste.

Seit 2021 gibt es das Restaurant, die Idee für das Konzept stammt von Geschäftsführer Stefan Uhlmann. „Pandemiebedingt durfte das Tagungsgeschäft nicht stattfinden und wir wollten mehr Einheimische im Hause begrüßen. Das Frühjahr war toll, um den Biergarten zu eröffnen. Angefangen haben wir zunächst mit Bergischen Kleinigkeiten, das war aber nichts Halbes und nichts Ganzes“, erinnert er sich – und kam schließlich auf die Idee mit dem Flammkuchen.

Flammkuchen ist ein kommunikatives Gemeinschaftserlebnis.
heißt es aus dem Team

Schnell wurde Uhlmann zum ultimativen Tester und -kenner und entwickelte zusammen mit den Köchen die unterschiedlichen Kreationen. „Mit dem Rahm als Grundlage haben wir viel ausprobiert, etliche Restaurants, die Flammkuchen anbieten, besucht und nicht alles hat uns gefallen“, so der Geschäftsführer, der schnell gemerkt hat, worauf es ankommt.

„Dieser klein geschnittene Schnittlauch macht den Geschmack kaputt, ist zu dominant. Ideal ist es, wenn man jede einzelne Komponente rausschmecken kann, eine gewisse Symbiose muss vorhanden sein. Flammkuchen ist, abgesehen vom Geschmack, ein kommunikatives Gemeinschaftserlebnis, das steht für unser Haus“, war sich das Team einig und fing fleißig mit dem Probebacken an. Bis das Ergebnis perfekt war, um es auf die Karte zu setzen.

Auf Seite eins der Speisenkarte stehen die „Flammkuchenregeln“

„Wenn man was macht, muss es gut sein“, ist Uhlmann überzeugt und empfiehlt seine Lieblingssorten Lachs-Rahm und Sweet-Chili mit Hähnchen, ist aber auch ein großer Fan vom „Schokomonster“, dem Renner bei Kindern.

Aufklärungsarbeit bei den Gästen sei anfangs trotzdem notwendig gewesen. Hilfreich sind daher sicherlich die „Flammkuchenregeln“ auf Seite Eins der Speisenkarte, für manchen irritierend. Mehr als zwei Flammkuchen gleichzeitig werden trotz All-you-can-eat-Angebot von Restaurantleiterin Emily Lankuttis und ihrem Team nicht serviert. Durchprobieren ist ausdrücklich erwünscht. Wer kommt, sollte allerdings Zeit mitbringen und Freude an Gemeinschaft und Gemütlichkeit. Lankuttis hat die Abläufe im Blick – und ihre Gäste.

Beliebt: Flammkuchen mit Ziegenkäse, Birne, Preiselbeeren und Pfeffer

„Die Regeln sind natürlich nur Tipps, die wir aber gerne aus unserer Erfahrung weitergeben. Flammkuchen wird schnell kalt, das sollte man nicht vergessen. Oft erwarten Neulinge Schnitzel mit Pommes oder sind irritiert, wenn sie Ratatouille bestellt haben und Flammkuchen bekommen“, schmunzelt sie und erinnert sich an besondere Begegnungen. „Wir hatten elsässische Gäste, die bei einem Städtetrip zufällig bei uns im Hotel gelandet sind. Ihre Freude über Flammkuchen war groß: Es habe heimisch geschmeckt und das war ein mega Kompliment.“

Den Rekord beim All-you-can-eat wird sie auch nicht so schnell vergessen: „Das waren zwei junge Mädels, die über die ganze Öffnungszeit hier waren und jeweils sechs Flammkuchen gegessen haben.“ Manche Gäste überraschen auch mit ihrer Bestellung, wie „ein sehr altes Paar, das unbedingt den extrem scharfen Flammkuchen essen wollte und begeistert war.“ Am beliebtesten ist jedoch Flammkuchen mit Ziegenkäse, Birne, Preiselbeeren und Pfeffer. „Für einige ein schöner Abschluss, für andere ein schöner Anfang“ so Küchenchef Stefan Wagner.

Auch Erwachsene lieben das „Schokomonster“

Wer über Flammkuchen schreibt und direkt an der Grenze zum Elsass aufgewachsen ist, sollte ihn auch probiert haben und das am besten mit der ganzen Familie als Testesser – das haben wir tatsächlich getan. „Der Service war sehr aufmerksam, das Essen super. Es lief dezente Musik, die einen Hauch von Urlaub in Frankreich versprüht hat, bei der man sich dennoch gut unterhalten konnte“, so das Fazit meines Mannes zwischen dem Klassiker mit Speck und Zwiebeln und der Lachs-Variante, ehe das Schokomonster die Mitte des Tisches und Kinder- wie Erwachsenenherzen im Sturm eroberte.

Flammkuchenrestaurant „Bergische Stube“ im Kardinal-Schulte-Haus, Overather Straße 51-53, 51429 Bergisch Gladbach-Bensberg. Reservierung unter Telefon (0 22 04) 40 80, E-Mail: info@k-s-h.de . Geöffnet Mittwoch bis Samstag, jeweils 17 bis 22 Uhr