Am Montag (15. Juni) ist in Bergisch Gladbach-Refrath die Bürgerstiftung Refrath gegründet worden
GründungBürgerstiftung Refrath ist gestartet

Die Kuratoriumsmitglieder der Bürgerstiftung Refrath
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Sie steckt noch in den Kinderschuhen. Aber aus den kleinen Schuhgrößen wollen die Akteure der am Montagabend gegründeten Bürgerstiftung Refrath bald hinaus kommen und zu den Erwachsenen-Größen wechseln. Kräftig wachsen soll das Projekt, sagt Martin Lucke. Der Landtagsabgeordnete ist Vorsitzender des Kuratoriums, das aus acht Personen besteht; alle mit enger Bindung an den Stadtteil Refrath.
Was aus den Erträgen der Bürgerstiftung Refrath später gefördert wird, legt die Satzung fest: kulturelle Aktivitäten, gemeinschaftliche Dinge für Brauchtum und Dorfleben stehen im Mittelpunkt, auch Sportliches kann gefördert werden, alles mit Blick auf den Stadtteil. Die Liste der mögliche Förderungen reicht bis zur Verschönerung des Ortsbildes, der Pflege wichtiger Stätten und Gebäude, zur Refrather Geschichte, zum Vereinsleben und der Arbeit des Refrather Archivs. Beim Treffen wird spontan auch der Mehrgenerationenpark an der Wilhelm-Klein-Straße erwähnt als Ziel von Stiftungsgeldern.
60.000 Euro dienen als Grundlage der Stiftung, dies ist sozusagen das Startkapital. Davon stammen 50.000 aus einer an den Bürger- und Heimatverein Refrath gegangenen Erbschaft sowie 10.000 Euro, die die in Refrath verwurzelte Bethe-Stiftung gegeben hat. Noch sei alles ein zartes Pflänzchen, erklären die Akteure, zu denen unter anderem der Gladbacher Ehrenbürger und Stifter Erich Bethe zählt, Bürgermeister Marcel Kreutz und Winfried Krux, der Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins.
Refrath lebendiger machen
Mit Thomas Fritsche hat auch die Kreissparkasse Köln einen Vertreter im Kuratorium. Bei der Gründungsversammlung im Stadtteilbüro an der Dolmanstraße ist der Optimismus groß. „Mit der Bürgerstiftung schaffen wir ein zusätzliches Instrument, um Projekte zu fördern, die unseren Stadtteil schöner, lebendiger und gemeinschaftlicher machen“, erklärt Krux. Aus der Runde ist zu hören, dass die Idee zur Stiftung beim gelungenen Refrather Weinfest entstanden sei.
Das Gründungsprotokoll, bei der Zusammenkunft von allen Kuratoriumsmitgliedern unterzeichnet, geht im nächsten Schritt zum Finanzamt nach Bergisch Gladbach. „Dann bekommen wir eine Steuernummer zugeteilt“, erklärt Lucke den weiteren Ablauf. Gerade bei Stiftungsgründungen sind die Formalia exakt einzuhalten. Mit Erhalt der Steuernummer sei das Organisatorische abgeschlossen, so Lucke. Danach könne die Bürgerstiftung Refrath Zuwendungen erhalten oder Spenden annehmen, gegen eine Spendenbescheinigung. Lucke und seine Mitstreiter hoffen, dass sich viele Refrather dieser Idee anschließen.
Verein als Treuhänder
Dass die Stiftung alle gesetzlichen Gegebenheiten einhält, hatte das Land NRW den Neu-Stiftern bereits vorab mitgeteilt, die Stiftungsgenehmigung lag bei der Gründungsversammlung vor. Entstehen wird zunächst eine Unselbstständige Stiftung. Zur Erklärung: Mit 60.000 Euro liegt das Stiftungsvermögen unterhalb der für eine selbstständigen Stiftung erforderlichen 100.000 Euro. Im Fall einer Unselbstständigen Stiftung verwaltet ein Treuhänder das Stiftungsvermögen: Das ist der Bürger- und Heimatverein Refrath.
Das Stiftungsvermögen wird grundsätzlich nicht angetastet, aus den Erträgen der Zinsen können Förderungen angeschoben werden. Angestrebt werden Zustiftungen – sie erhöhen das Stiftungsvermögen als Grundlage. Erhofft werden aber auch Spenden an die Bürgerstiftung Refrath; diese Mittel könnten für förderfähige Projekte direkt genutzt werden.
Ideen für den Stadtteil
„Unser Kern liegt beim Bürger- und Heimatverein“, erklärt Krux die Unterschiede zu den benachbarten Bürgerstiftungen in Bergisch Gladbach und Bensberg, dort seien die Banken die Initiatoren gewesen. „Refrath hat eine eigene Geschichte, ein starkes Vereinsleben und viele Menschen, die sich mit guten Ideen für ihren Stadtteil und die Region einbringen“, sagt Martin Lucke.
Die Gründung sei auch ein Zeichen für Zusammenhalt, für Heimatverbundenheit und Verantwortung vor Ort.In der Stiftung seien viele Akteure der Stadtgesellschaft eingebunden, vom Verein bis zur Unternehmerschaft. Refrath solle mit der Stiftung vorankommen. Kommt die Bürgerstiftung ans Rollen, dann wird das Kuratorium zu jährlichen Sitzungen zusammenkommen und entscheiden über Förderanträge. Dies könnten anfangs eher kleine Beträge sein, sagt Lucke. Aber das Wachstum werde angestrebt und auch der Wechsel zu einer selbstständigen Stiftung.
Steuernummer wichtig
Erfahren im Stiftungswesen sind Erich und Florian Bethe von der Bethe-Stiftung. „Wir sind angesprochen worden“, berichtet Erich Bethen, dem sei man sehr gerne nachgekommen. Er erinnert an den Einsatz der Stiftung, die sich über Deutschland hinaus für die Gründung von Kinderhospizen einsetze. In Bergisch Gladbach und der Region hat die Stiftung in den vergangenen Jahren Akzente mit Spendenverdoppelungsaktionen gesetzt. „Mit der Steuernummer können Spendenquittungen ausgegeben werden“, erklärt Bethe.
Die eingeflossenen 10.000 Euro blieben als Kapitalstock erhalten, ebenso wie die 50.000 Euro aus der Erbschaft des Bürger- und Heimatverein. Für den Vorsitzenden des Kuratoriums, Martin Lucke, steht fest, dass die Stiftung zunächst das Laufen lernen müsse. „Die Stiftungssumme ist erst der Anfang“, sagt er. Der Stadtteil soll dank der neuen Bürgerstiftung langfristig gestärkt werden. Auch in der Öffentlichkeit will die junge Stiftung auf sich aufmerksam machen. Dies soll unter anderem über eine Homepage gelingen.
Bei der Gründungsversammlung waren die Anwesenden guter Dinge, dass sich schon bald neue Zustiftungen und Spenden ergeben würden.Refrath sei ein lebendiger Stadtteil, und das Wirken der Stiftung werde sich sehr schnell herumsprechen. Die Hoffnung aller Akteure ist, dass schon bald die erste Projekte gefördert werden können. „Ich unterstütze sehr gerne“, kommentiert Gladbachs Bürgermeister Marcel Kreutz seinen Einsatz.
