Das Null-Handy-Verbot gilt seit Montag am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. Die Geräte werden in speziellen Taschen verriegelt.
Bergisch GladbachHandys werden an Schule weggesperrt

Schülerinnen des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums entriegeln die Handytaschen mithilfe eines Magneten.
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Als erste Schule in Bergisch Gladbach setzt das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium ein striktes Handy-Verbot um. Die Smartphones werden seit Montag in speziellen Taschen weggesperrt. Die Integrierte Gesamtschule Paffrath kündigt ebenfalls an, in Kürze mit solchen Taschen zu arbeiten. Wie sich die Atmosphäre dadurch verändert? Und was halten die Schüler davon?
Die Lehrerinnen und Lehrer des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums (NCG) haben gestern die dunkelblauen, mit dem Schullogo versehenen Stoffhüllenverteilt. „So jetzt ist es soweit“, sagt Lehrer Holger Stawitz zur Begrüßung zu seinen Achtklässlern, „ab heute gelten strengere Handyregeln.“ Die private Nutzung des Mobiltelefons im Schulalltag wird vollständig aus dem Schulalltag verbannt – inklusive Pausen und Freistunden. Das gilt für alle rund 830 Schülerinnen und Schüler, auch für die Oberstufe.
Wir sind stolz darauf, dass sich die gesamte Schulgemeinde auf diese Maßnahme einigen konnte
„Es ist ein konsequentes Zu-Ende-Denken der bisherigen Regelung, dass das Smartphone ausgeschaltet in der Tasche bleibt“, betont Jörg Schmitter, stellvertretender Schulleiter, „wir sind stolz darauf, dass sich die gesamte Schulgemeinde auf diese Maßnahme einigen konnte.“ Das Problem sei in den vergangenen Jahren größer geworden.
Zocken auf den Toiletten „Vor allem das Zocken hat uns Probleme bereitet“, berichtet Schmitter. Zu groß sei für viele die Versuchung gewesen, das Handy einzuschalten: in den Pausen in versteckten Winkeln des Schulhofs, auf den Toiletten seien sogar regelrechte Handypartys gelaufen. Schüler trafen sich dort, um zu spielen. „Das hatte jede Menge Konfliktpotenzial“, erinnert sich Stawitz. Für die Lehrer habe das Verbot den Vorteil, nicht dauernd schauen zu müssen, was die Schüler mit ihrem Handy unterm Tisch machen.

Insgesamt acht Entsperrmagnete gibt es auf dem Schulgelände.
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Zu Schulbeginn verschwindet das Smartphone oder die Apple Watch nun in einer dunkelblauen gepolsterten und mit dem Schullogo verzierten Stoffhülle und wird mit einem Drehverschluss verriegelt. Erst nach Unterrichtsschluss können die Kinder und Jugendlichen ihre Geräte wieder entsperren – mithilfe von acht Magneten, die an den Ausgängen des Schulgeländes angebracht sind.
„Das ist nur ein Klick“, stellt Lilja beim Ausprobieren fest. Das Handy wegzuschließen, finde sie nicht so schlimm. „Während der Schulzeit habe ich es eh nicht benutzt.“ Laura meint: „ Ich hatte viel zu viel Schiss, erwischt zu werden.“ Melina sagt: „Ich mache mir Sorgen, dass ich den Bus nach Hause nicht bekomme, weil sich vielleicht eine Schlange an den Magneten bildet.“ Yunos findet das verschärfte Verbot gar nicht gut: „Ich fühle mich mit Handy einfach sicherer, falls mal was passiert.“

Vor Unterrichtsbeginn sind die verschließbaren Handytaschen in allen Klassen verteilt worden.
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Die Handytaschen müssen die Eltern für 17,50 Euro kaufen. Als Alternative können die Geräte aber auch einfach zuhause bleiben. Von dieser Möglichkeit machen etwa ein Drittel der Schüler Gebrauch.
„Natürlich gibt es Ausnahmen“, erläutert Stawitz. Etwa Schüler, die aus gesundheitlichen Gründen darauf angewiesen sind, können das Smartphone angeschaltet lassen. Lehrkräfte könnten Ausnahmen für Unterrichtszwecke erlauben. Für diesen Fall stünden mobile Entsperrgeräte zur Verfügung, genauso wie bei Exkursionen.
Beschwerden gab es vor allem aus den Reihen der Oberstufenschüler, schließlich sind viele schon volljährig. „Ich sehe den Sinn nicht, uns sollte Eigenverantwortlichkeit zugetraut werden“ sagt Annika. Bei der Entscheidung in der Schulkonferenz, bei der Eltern, Lehrer und Schüler mitgewirkt haben, hätten die positiven Effekte überwogen. „Die Schüler sollen miteinander in Kontakt kommen, statt zu datteln und sich auf den Unterricht konzentrieren“, sagt Tanja Schmitt, Elternpflegschaftsvorsitzende.
„Schule steht ja auch für Kommunikation untereinander, für Ins-Gespräch-Kommen, für Lachen Gemeinschaft“, findet Schülersprecherin Franziska. Die bloße Anwesenheit des Smartphones sorge für Ablenkung, verweist sie auf wissenschaftliche Studien. Für die Lehrer gilt die Null-Handyregelung nicht. „Als Lehrer haben wir eine Aufsichtspflicht. Wenn im Unterricht oder auf dem Schulhof etwas passiert, müssen wir schnell handeln können“, erläutert Schmitter.
Bleibt noch die Frage, wie ein Verstoß geahndet wird? Das Handy wird einkassiert. „Die Eltern müssen einen Termin beim Sekretariat ausmachen und es selbst dort abholen“, erläutert Schmitter. Das könne schon einmal zwei Tage dauern.
Handyregelungen an anderen Schulen
Bisher gilt in NRW nur ein striktes Handy-Verbot an Grundschulen. Weiterführende Schulen suchen nach eigenen Wegen.
Integrierte Gesamtschule Paffrath: Zum neuen Schuljahr gilt eine neue Handyregelung. Auch hier sollen Handytaschen eingesetzt werden. Doch diese sind noch nicht geliefert, das strenge Verbot gilt trotzdem: „Es ist wirklich erstaunlich. Die Schüler sprechen wieder miteinander, die Pausenzeiten sind wieder lebhafter“, sagt Schulleiterin Angelika Wollny.
Nelson-Mandela-Gesamtschule: „Das Handy darf auf dem Schulgelände nicht zu sehen oder zu hören sein, nur für unterrichtliche Zecke ist es erlaubt. Die Oberstufe darf das Smartphone in ihren Räumen nutzen“, erläutert Schulleiter Dieter Will.
Hauptschule Kleefeld: „Die private Nutzung ist erst nach Unterrichtsschluss außerhalb des Gebäudes erlaubt. Die ständige Verfügbarkeit der Handys fordert uns immer wieder. Lösungen konnten noch nicht vorangebracht werden“, sagt Schulleiterin Sabine Hantel.
Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium: Es gilt ein generelles Handyverbot, mit Ausnahmen für die Oberstufe. „In vielen Projekten arbeiten wir daran, dass die Schüler ihre Selbstregulierungskompetenzen aufbauen können. Das erscheint mir ein guter Kompromiss.“
Albertus-Magnus-Gymnasium: Alle Handys müssen sich ausgeschaltet in der Tasche befinden. „Jährlich gibt es zwei Veranstaltungen zum adäquaten Gebrauch von digitalen Medien. Damit machen wir gute Erfahrungen“, sagt Schulleiter Rolf Faymonville. (ub)
