FaultürmeKläranlage Beningsfeld wird umfassend saniert – Schäden im Beton

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Bergisch Gladbach – Fast könnte man denken, der berühmte Verhüllungskünstler Christo wäre in der Bergisch Gladbacher Kläranlage unterwegs gewesen. Das ist er natürlich nicht.

Das grüne Tuch, das um den Treppenhausturm und um die Betriebswege der beiden Faultürme gespannt ist, schützt die Mitarbeiter vor Betonbrocken, die bei der Sanierung zu Boden fallen könnten.

Gestemmt wird in luftiger Höhe und bei laufendem Betrieb. Rund 15 Meter über dem Boden verlaufen die Kontrollwege zwischen den beiden riesigen Faultürmen, den „Wahrzeichen“ der Kläranlage.

1974 errichtet, ist die Stahlbetonkonstruktion deutlich in die Jahre gekommen. Projektleiter Axel Duldinger und Steffen Lehmann, der Leiter der Kläranlage, zeigen bei einem Rundgang, wie misslich die Situation ist: An vielen Stellen hat der Beton deutliche Risse bekommen oder ist brüchig.

Mit rotem Marker identifiziert

Besonders schadhafte Stellen sind mit einem roten Marker identifiziert, und es gibt einige rote Stellen entlang der Betriebswege. Die Folge: Alles muss raus, die Betonummantelung wird vollständig erneuert.

Mit Hilfe eines Hochdruck-Wasserstrahls wird vorgegangen, die Betriebswege zwischen den Türmen werden flächendeckend saniert. „Bis November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein“, erläutert Lehmann den Zeitplan, im Mai habe die Sanierung begonnen. Eine knappe Million Euro investiert die Stadt in die Baumaßnahme.

Brocken löste sich 2015

Ein etwa fußballgroßer Betonbrocken hatte sich im Juni 2015 außen am Kontrollweg gelöst und war aus 17 Metern Höhe auf das Betriebsgelände gestürzt. „Da hätte jemand Schaden nehmen können“, berichtet der Betriebsleiter. Was folgte, war eine eingehende Untersuchung der Konstruktion, lose Betonteile wurde bei einer ersten Prüfung abgeschlagen.

Dann kamen die Gutachter. Was die Experten bei näherer Untersuchung feststellten, war beunruhigend: Sämtliche Betriebswege hatten gravierende Schäden. „Zwingend erforderlich“ sei diese Sanierung sagt deshalb Axel Duldinger. Aufschub ausgeschlossen.

Was die Sache kompliziert macht, sind zwei Dinge: die Höhe, in der gearbeitet werden muss, und die Technik des Klärwerks. Zunächst musste die Baufirma ihr Gerüst bis auf fast 20 Meter Höhe hochziehen, ein Gewirr aus Leitern und Stegen läuft jetzt um die Betriebswege.

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Anschließend galt der Blick den Betriebsleitungen. Zahlreiche wichtige Kabelstränge verlaufen zwischen den Faultürmen und regeln unter anderem Gas- und Stromzufuhr, Druck- und Abluft, Blitzschutz – einfach abklemmen ausgeschlossen. „Wir haben die Kabel momentan entlang der Gerüste umgelegt“, sagt Steffen Lehmann. Eine aufwendige Begleiterscheinung sei dies, ohne die der Weiterbetrieb der Faultürme aber nicht möglich gewesen wäre.

Auf diese Weise stören die Kabelstränge nicht, wenn mit schwerem Stemmeisen auf den Faultürmen gearbeitet wird. Alle Eisenstreben, die jetzt noch neugierig aus dem Putz herausschauen, erhalten abschließend einen neuen Rostschutz und sollen wie neu wirken. Nach der Sanierung sollen die Betonteile eine Lebenserwartung von 100 Jahren haben.

Auswirkungen Klärschlamm im Faulturm

Der Klärschlamm, der in den Faultürmen behandelt wird, spielt bei der Sanierung auch eine Rolle. Dämpfe könnten entstehen, die bei den Sanierungsarbeiten die Explosionsgefahr erhöhen. Deshalb wird momentan nur einer der Faultürme mit Schlamm „beschickt“, der andere liegt still.

Das hat Auswirkungen auf die „Behandlungszeit“ des Klärschlamms im Faulturm: Sie reduziert sich von normalerweise 30 Tagen auf 15. „Jetzt muss ein Turm die Menge verarbeiten, für die wir sonst zwei Türme haben“, sagt Steffen Lehmann.

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