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TelefonzellenNostalgisches im Bergisch Gladbacher Stadtbild

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Das Foto zeigt eine Telefonsäule in Bergisch Gladbach

Telefonsäule in der Gladbacher Innenstadt

Auch in Bergisch Gladbach haben Telefonzellen seit langem ausgedient. Einige Exemplare gibt es noch im Stadtbild

Wenn in einigen Jahrzehnten auf einem Dachboden zufällig Fotos aus den 2020er-Jahren gefunden werden, könnte der ein oder andere Betrachter wohl ans Grübeln kommen.

Diese Säulen mit den violetten Hauben, die vereinzelt auf einigen Fotos zu sehen sind, welchen Zweck hatten die damals bloß? Ja, auch in Bergisch Gladbach kann über den Sinn der Telefonsäulen gegrübelt werden. Ein Dutzend dieser schlanken Säulen der Deutschen Telekom gibt es hier noch, zwei am Marktplatz, eine an der Poststraße, zwei am Trotzenburgplatz, eine an der Richard-Zanders-Straße.

Besonderes in Refrath

Und in Refrath am Siebenmorgen sogar noch ein richtiges Telefonhäuschen in der Telekom-Farbe-Magenta. Leider total zugemüllt nach vielen Jahren des Verfalls. Alle diese Telefonsäulen sind seit mehreren Jahren außer Betrieb. Die Nutzung stellte die Telekom deutschlandweit spätestens im Januar 2023 ein.

Aber sie sind noch immer da und „schmücken“ das Stadtbild. Immerhin sind sie noch gut genug, als Ort für Aufkleber oder Veranstaltungsplakate, manche Zettelchen sind drei,- vier- oder fünffach überklebt. Als inoffizielle Veranstaltungskalender haben manche der Telefonsäulen bereits ein zweites Leben begonnen. Diese Zweckentfremdung ist eigentlich verboten, aber es ist niemand da, der sich daran stört.

Verirrt an den Säulen

Auch die Deutsche Telekom als Eigentümerin nicht. Bergisch Gladbacher, die verirrt an den Säulen stehen und sich wundern, warum sie nicht mehr funktionieren, sieht man seit Jahren nicht mehr. Tschö, Telefonsäule, Hallo Handy: Das Telefonieren mit den mobile Endgeräten hat das Angebot aus der analogen Zeit ersetzt. Die Telefonsäulen sind ein Auslaufmodell, ebenso wie Kaugummiautomaten oder Tankstellen mit Vordach aus Beton.

„Entschuldigung, zur Zeit gestört“, steht auf der Anzeige der Säule an der Poststraße. Ganz abkoppelt vom Strom sind die Geräte also noch nicht. Aber wer hat an diesem Standort zum letzten Mal telefoniert und seine Cent-Münzen in den Schieber des Münzschlitzes gesteckt? Ein Witzbold hat auf den Telefonhörer mit fetter Schrift geschrieben: Tell her you love her – Sag ihr, dass du sie liebst. Geht leider auch nicht mehr.

Unbekannter Termin

Wann es mit dem Abbau der verbliebenen Gladbacher Telefonsäulen losgeht, weiß auch Martin Hardt, Leiter der Abteilung Verkehrsflächen in der Gladbacher Verwaltung, nicht. 2018 habe die Telekom mitgeteilt, dass sie zwei Säulen aus wirtschaftlichen Gründen abbauen werde, eine an der Hauptstraße eine an der Odenthaler Straße. Das sei dann auch umgesetzt worden. Seitdem gebe es keine weitere Kommunikation mit dem Unternehmen. Hardt berichtet aber, dass die einzelnen Standorte möglicherweise aus technischen Gründen noch erhalten blieben. Da gehe es um den Zugang zu WLAN oder ähnliche Dinge.

Was die Telekom zu ihren öffentlichen Telefonen schreibt, klang schon zu Lebzeiten der Säulen wie ein Nachruf allererster Klasse: „Die Akzeptanz der Bürger in Bergisch Gladbach für öffentliche Fernsprecher tendiert mittlerweile gegen Null. Die Telefonstellen werden auf Grund der umfassenden Versorgung durch Festnetz und Mobilfunk nicht mehr frequentiert. Obwohl sie kaum noch benutzt werden, verursachen die Geräte doch laufende Betriebskosten in beträchtlicher Höhe“, berichtete 2018 die Telekom an die Stadt.

Rückbau von 12.000 Säulen

Der Rückbau von öffentlichen Fernsprechern sei laut Vereinbarung mit dem Deutschen Städtetag im Einvernehmen mit den Kommunen gestattet, wenn der Umsatz unter 50 Euro pro Monat sinke. „Die unten aufgeführten Geräte in Bergisch Gladbach liegen weit darunter und zeigen fast gar keine Nutzung mehr“, hieß es zum Abbau der beiden Telefonsäulen im Jahr 2018. Dass die Säulen irgendwann in nächster Zeit verschwinden, ist hingegen abgemachte Sache bei dem Kommunikationsdienstleister.

„Die Unterhaltungskosten übersteigen die nicht nennenswerten Einnahmen an allen Standorten um ein Vielfaches. Der Weiterbetrieb ist hinsichtlich der Tatsache, dass die Einrichtungen nicht genutzt werden, nicht mehr vertretbar“, hatte die zuständigen Telekom-Mitarbeiter ebenfalls 2018 an die Stadt geschrieben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach Information des Unternehmens läuft der Abbau aller 12.000 verbliebenen Telefonsäulen in der Bundesrepublik.

Es braucht Zeit

Aber diese Dinge bräuchten viel mehr Zeit als angenommen. Angefangen von der einzuholenden Genehmigung für die Bauarbeiten bei den Kommunalverwaltungen bis zum Tiefbauunternehmer, der die Säulen aus dem Fundament nimmt und auf irgendeinen Laster setzt und sie dann zur nächsten Telekom-Sammelstelle bringt. Das dauert offenbar, und laut Telekom ist es überhaupt nicht absehbar, wann die Säulen alle aus dem Stadtbild verschwunden sind. Manchmal geht es allerdings auch schnell. So wie eine Magenta-Säule an der Kölner Straße in Rösrath.

Dort stand mal die allerletzte gelbe Telefonzelle der Region. Plötzlich war diese verschwunden und eine schlanke Telekomsäule in Magenta stand dort. Aber auch diese hatte kein langes Leben. Vandalen kappten die Technik, und vor einiger Zeit schon war die Säule dann einfach weg. Einfach so abgeholt, aufgeladen und abtransportiert. Ende der öffentlichen Telefonzellen für Rösrath.

Auch in Bergisch Gladbach wird das so sein, in nicht allzu ferner Zukunft. Dann erinnern nur noch Fotos an die Telefonsäulen. Nun ja, alle die nach dem Jahr 2000 geboren sind, werden nie an einer Telefonsäule gestanden und auf das Klickern der Telefonnummer gestarrt haben.

Aus den Wählscheiben von damals sind schon seit vielen Jahren Knöpfchen zum Drücken geworden. Aber auch die Knöpfchen haben ausgedient, ebenso wie die Telefonsäulen und Telefonzellen. Ihre Ära ist abgelaufen. Bald werden sie alle Geschichte sein.