Die Gemeinde hofft nach der Kirchensanierung auf weitere Messen in der Pfarrkirche St. Severin. Die Arbeiten kosten 1,6 Millionen Euro.
Bergisch GladbachGibt es künftig noch Gottesdienste in Sand?

Pfarrer Christoph Bernards vor St. Severin: Auch er weiß nicht, ob hier ab 2029 noch Gottesdienste stattfinden werden.
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Der kleine Pfarrsaal im ersten Stock des Jugendheims der katholischen Kirche Pfarrkirche St. Severin in Bergisch Gladbach-Sand am Samstagnachmittag: Pfarrer Christoph Bernards erzählt die Geschichte vom heiligen Rochus, der Kirchenchor singt, die Gemeinde betet gemeinsam. Anschließend kommen die etwa 60 Gemeindemitglieder zu einem kleinen Umtrunk mit Häppchen zusammen.
Die Pfarrkirche St. Severin wird außen und innen aufwendig saniert
Es ist die Messe und das Fest für den heiligen Rochus. Am vergangenen Sonntag war der Gedenktag für den Sohn reicher Eltern, der um 1315 sein Vermögen verschenkte, dem Franziskanerorden beitrat und damit begann, Pestkranke zu pflegen. Oberhalb Sands erbaute man ihm zu Ehren während einer erneuten Pestepidemie Ende des 17. Jahrhunderts eine schmucke kleine Fachwerkkapelle. Bis heute gehört das jährliche Rochusfest daher zum festen Bestandteil des Ortslebens. Nur dieses Jahr ist alles anders.
Die 1881 fertiggestellte neugotische Pfarrkirche St. Severin wird außen und innen aufwendig saniert, ist geschlossen, eingerüstet und durch Planen verhüllt. Baugerüste und Arbeitsmaterial liegen dort, wo sonst das Rochusfest gefeiert wird. Daher planten der Pfarrer und der Ortsausschuss der Gemeinde dieses Mal nach der traditionellen Messe an der Rochuskapelle eine kleine Feier auf der angrenzenden Weide. „Der Bauer hatte seine Wiese zur Verfügung gestellt und wir wollten eigentlich dort gemütlich beisammensitzen. Allerdings hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärt Ulrich Gürster vom Ortsausschuss. Also gab es wegen ungünstiger Wetterprognosen die Rochus-Messe im Jugendheim.
1978 wurde im Zuge der Sanierung der weiße Putz abgenommen
Dort kam die Gemeinde schon einmal über drei Jahre zu den Gottesdiensten zusammen. Das war vor fast 50 Jahren, als St. Severin zum ersten Mal ab 1978 großflächig saniert wurde. Damals nahm man ihr den weißen Putz ab, um die ursprüngliche Bruchsteinoptik freizulegen. Aber damals, und das ist heute anders, hatte die Gemeinde keine Angst davor, dass in St. Severin bald keine Gottesdienste mehr gefeiert werden könnten.
Bekanntlich fusionieren zum 1. Januar 2029 die Bergisch Gladbacher Gemeinden zu einer großen Einheit. Es ist fest davon auszugehen, dass an manchen Kirchenstandorten von da an keine Messen mehr gefeiert werden. „Ganz viele, gerade auch ältere Menschen, hängen natürlich an dieser Kirche“, sagt Gürster. „Sie sind mit ihr groß geworden und hier gehören auch weiterhin Messen hin.“ Die derzeitigen Sanierungsarbeiten sehen die Sander als gutes Zeichen dafür, dass das auch nach 2029 so bleibt.
100.000 Euro gibt das Land NRW aus dem Denkmalschutzprogramm
Außen wird St. Severin komplett neu verfugt, Wasserabflüsse und Dachrinnen werden repariert. Innen erhält die Kirche einen neuen Anstrich, wird gesäubert und aufgehellt. Das Patronatsfest des heiligen Severin am 23. Oktober dieses Jahres soll wieder in der Kirche gefeiert werden. Die Außenarbeiten laufen voraussichtlich noch bis Ende des Jahres. Mindestens 1,6 Millionen Euro lassen sich laut Pfarrer Bernhards Erzbistum und Pfarrgemeinde die Maßnahmen kosten. Enthalten sind darin auch 100.000 Euro aus dem Denkmalschutzprogramm des Landes. „Wenn das Erzbistum so viel Geld hier reinsteckt, können wir sicher sein, dass unsere Kirche nach der Fusion nicht wegrationalisiert wird“, erklärt Gürster.
Wirklich? Sind also durch die Investitionen Gottesdienste nach der Gemeindefusion in zweieinhalb Jahren in St. Severin gesichert? Der Pfarrer ist skeptisch. „Da kann ich tatsächlich nicht viel Hoffnung machen“, sagt Bernhards, der auch Vorsitzender des Kirchenvorstands ist. Im Zwei-Kilometer-Radius um St. Severin gäbe es mit Heidkamp, Herkenrath und St. Laurentius in der Stadtmitte direkt drei starke Konkurrenten. „Ich kann es tatsächlich nicht sagen und es ist auch keine Entscheidung, die ich treffe, sondern die jetzige Pastorale Einheit oder zum 1.1.2029 die neu fusionierte Pfarrei “, so Bernhards zur Zukunft von Gottesdiensten in St. Severin.
