EnergiekriseWeihnachtsbeleuchtung in Bergisch Gladbach auf Sparflamme

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So sieht die Gladbacher Fußgängerzone mit Weihnachtsschmuck und voll beleuchteten Schaufenstern aus.

Bergisch Gladbach – Auch die Stimmung zählt. Trotzdem wollen Händler, die Weihnachtsbeleuchtung reduzieren, um Energie zu sparen. Es geht ihnen aber auch darum, ein Signal der Solidarität zu setzen. Absagen für Märkte gibt es nicht.

„Weniger ist mehr. Das ist der Trend in diesem Jahr“, sagt Bettina Wisniewski, Center-Managerin der Rhein-Berg-Galerie. Das Einkaufszentrum verzichtet diesmal komplett auf die Lichterteppiche an der Außenfassade, weitgehend auch auf illuminierte Einzelelemente wie Rentiere und Sterne. Die Beleuchtung wird nur von 15.30 bis 20 Uhr angeschaltet.

Die Menschen haben Angst vor einem Blackout

„Wie jeder andere auch“ wolle die Rhein-Berg-Galerie „sparsam mit den Ressourcen umgehen.“ Denn viele Menschen hätten Angst vor einem Blackout. „Der Verbraucher würde das sonst nicht verstehen“, erklärt Wisniewski, ist sich aber sicher: „Wir werden in der Rhein-Berg-Galerie hier trotzdem eine schöne Atmosphäre haben.“ Die zuletzt zugunsten überbordender LED-Technik aus der Mode geratenen klassischen Dekorationen sollen stattdessen für Freude sorgen: „Tannengrün und Geschenkpäckchen“, kündigt die Center-Managerin an.

Bei der Interessengemeinschaft Stadtmitte liegt der Vorschlag auf dem Tisch, die Weihnachtsbeleuchtung in der Geschäftsstraße auf fünf Stunden von 16 bis 21 Uhr zu verkürzen. Sonst brannten die Lichter von Kugel und Stern der von Fassade zu Fassade gespannten Girlanden durchgängig von 7 bis 22 Uhr. „Wir sind noch im Findungsprozess“, berichtet IG-Vorsitzender Mark Peters. Bei der Mitgliederversammlung nächste Woche soll die Entscheidung fallen.

Lichterglanz mit eingeschränkten Zeiten 

Wie hoch der Stromverbrauch in den Jahren zuvor war, kann Peters nicht beziffern. „Aber ich kann sagen, 95 Prozent der Kosten entfallen auf das Auf- und Abhängen des Schmucks.“ Der Betrag summiere sich auf einen hohen fünfstelligen Betrag. Dagegen sei der Stromverbrauch der LED-Lichttechnik gering.

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Dieses Jahr wollen die Bensberger Geschäftsleute bei den Lichterketten auf der Schloßstraße auf Sparflamme gehen.

Deshalb wollten einige Geschäftsleute in diesem Krisenjahr ganz auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichten, weil sich der Aufwand nicht lohne. Peters selbst gehört zu der anderen Gruppe, die sich trotzdem für den Lichterglanz einsetzt, aber mit eingeschränkten Zeiten. Es sei wichtig, den Menschen eine Freude zu machen: „Wenn unsere Lichter dazu beitragen, dass jemand für ein paar Stunden seine Sorgen vergisst, ist viel erreicht.“

Kein Überblick über die Kosten

Der beleuchtete Weihnachtsbaum auf dem Konrad-Adenauer-Platz wird in jedem Fall aufgebaut. „Für den Handel ist das Weihnachtsgeschäft und das Ambiente sehr wichtig“, betont Stadtsprecher Martin Rölen. Aber die Einschaltzeiten sollen verkürzt werden – „in einvernehmlicher Absprache mit der IG Stadtmitte.“ Für den Aufbau und den Schmuck sorgt der Stadtentwicklungsbetrieb. Die Lichterketten zu reduzieren, würde laut Rölen technisch nicht funktionieren. Über den Verbrauch gebe es keinen genauen Überblick, da der Strom ohne Zwischenzähler aus dem Stromnetz am Stadtbrunnen gezogen werde. Ob der Weihnachtsmarkt im kompletten Umfang oder mit weniger Buden stattfindet, müsse ebenfalls noch besprochen werden.

„Ich bin mir sicher, dass es Licht geben wird“, sagt Henning Schmitz, stellvertretender Vorsitzender der IG Bensberger Handel, „wenn auch etwas weniger als gewohnt.“ Die Geschäftsleute in Bensberg seien sich „ihrer sozialen Verantwortung“ bewusst. Auch hier müssten die Details noch festgelegt werden. In der Schloßstraße hängen im Advent immer kleine LED-Lämpchen in den Bäumen. Für die „Dunkelstellen“, da wo bereits die Linden gefällt sind, wolle man sich etwas einfallen lassen. Eine Idee sei, dort kleine Tannenbäume aufzustellen.

Umwelthilfe fordert kompletten Verzicht

Anders in Schildgen: „Wir hängen die Sterne an den Straßenlaternen zwar auf, beleuchten sie aber nicht“, kündigt Martin Büchel von der IG Schildgen an. Auch wird die Beleuchtung der Herz-Jesu-Kirche – von der IG getragen – deutlich reduziert. Erst nach Einbruch der Dämmerung werden die Strahler eingeschaltet und bei Geschäftsschluss um 20.30 Uhr ausgeschaltet. Die morgendliche Beleuchtung fällt ganz weg.

Die IG Refrather Handel ist sozusagen fein raus: Im Ort gibt es bislang gar keine Weihnachtsdekoration: Einziger Schmuck ist hier das Refrather Weihnachtsdorf auf dem Peter-Bürling-Platz.

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Die Deutsche Umwelthilfe hat den kompletten Verzicht auf die Weihnachtsbeleuchtung gefordert. Dies findet Stefan Häussler, Vorsitzender des Vereins Klimafreunde Rhein-Berg, in Anbetracht der momentanen Gefühlslage der Menschen zu hart. „So wenig wie möglich und so viel wie nötig“, hält er für einen guten Mittelweg. Unabhängig von der aktuellen Energiekrise sei es aber aus Klimaschutzgründen unbedingt nötig, sich in Verzicht zu üben. Beim Thema Weihnachtsbeleuchtung schlagen zwei Herzen in seiner Brust: „Das eine für den Klimaschutz und das andere für den Menschen.“ Bei Heizpilzen hört allerdings sein Verständnis auf: „Die Geräte sind eine ökologische Katastrophe und sollten aus dem Verkehr gezogen werden.“ Zum Glühweintrinken könne man sich auch warm anziehen.

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