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ErinnerungskulturGladbacher Schüler sorgen für erste Stolpersteine in Bensberg

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Ein Mann verlegt Stolpersteine

Zwei Stolpersteine, die an das Schicksal von zwei ermordeten Zwangsarbeitern erinnern, verlegte Gunter Demnig in Bensberg.

Die Steine sollen an Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow, zwei ukrainische Zwangsarbeiter, erinnern. 

Für Lale Gerbershausen, Henriette Seufert und Sebastian Schuff ist heute ein wichtiger Tag. Wenn an diesem Freitagmorgen zwei Stolpersteine zum Gedenken an Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow gesetzt werden, sind die Oberstufenschüler des Otto-Hahn-Gymnasiums an ihrem vorläufigen Ziel angekommen: Zwei Jahre lang haben sie und ihre Vorgänger im Projektkurs das Schicksal der beiden ermordeten ukrainischen Zwangsarbeiter recherchiert.

Eine Traube von Menschen hat sich versammelt vor dem Eingang zum Kino Cineplex und zur Kreissparkasse an der Schloßstraße und wartet gespannt. Kurz nach neun kniet sich Frank-Matthias Mann hin, der in Vertretung des Kölner Bildhauers Gunter Demnig die beiden kleinen Bodenplatten in den Bürgersteig einsetzt. Es sind die ersten Stolpersteine in Bensberg.

Wenn wir in 50 Jahren hierhin kommen, ist es immer noch da
Sebastian Schuff, Oberstufenschüler

Die Zuschauer beobachten jeden Handgriff. Um die Lücke zu schließen, fügt Frank-Matthias Mann Zement und Split hinzu, gießt Wasser über die Stelle, klopft die Steine sanft mit dem Gummihammer nach. Zum Schluss poliert er das Messing mit einem dünnen Tuch. Schüler des Musikdifferenzierungskurses begleiten die Zeremonie mit Melodien von „Imagine“ und „Sound of Silence“.

„Hier interniert“ steht auf den in handgefertigten Großbuchstaben auf den Steinen und „zur Zwangsarbeit aus der Ukraine nach Bensberg verschleppt. Ermordet 22.3.1945 im Schlosspark“. Mehr nicht. Und doch ist dieser Text für die Schülerinnen und Schüler ein Denkmal ganz besonderer Art. Denn so Sebastian: „Wenn wir in 50 Jahren hierhin kommen, ist es immer noch da.“ Es sei sehr wichtig, an Verbrechen in der Nazi-Zeit zu erinnern, die hier vor Ort geschehen seien, meint Henriette. „Diese Nähe, dieser Bezug zu unserer direkten Umgebung“ habe sie am meisten aufgewühlt, sagt Lale.

Eine Ausstellung zur Geschichte gibt es im Schulgebäude

Hier, an der Schloßstraße 46, wo das Messing im Boden glänzt, wenn die Sonne scheint, waren die beiden zwangsrekrutierten sogenannten Ostarbeiter Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow aus der heutigen von deutschen Truppen besetzten Ukraine in einem Massenlager in den Räumen der Gaststätte Rheinischer Hof unter schlechten Lebensbedingungen untergebracht.

Jugendliche stehen vor einer Infotafel.

Eine Ausstellung zeigt die Forschungsergebnisse.

Sie waren am 18. November 1944 von Köln nach Bensberg verlegt worden. Dort mussten sie für das Tiefbauamt der Stadt Bensberg Zwangsarbeit leisten, unter anderem beim Bau von Verteidigungsanlagen. Details zu den Biographien der beiden Männer und die Ergebnisse ihrer Recherchen zum Tathergang präsentieren die Schüler in einer bewegendenden Ausstellung im Schulgebäude.

126.000 Stolpersteine liegen heute in 32 europäischen Ländern

Gedenkminute, Kopf senken. Frank-Matthias Mann bringt sein Werkzeug zurück in den Transporter. „Nein, das hier wird nie zur Routine“, sagt er und steht jetzt zehn Meter abseits. Jede Geschichte und damit jeder Stein sei individuell.

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Heute liegen 126.000 Stolpersteine in 32 europäischen Ländern, berichtet er. Im Stadtgebiet gibt es bislang acht dieser kleinen Gedenktafeln, die von NS-Verbrechen zeugen, die einst in direkter Nachbarschaft begangen wurden. Drei sind am Freitag neu dazugekommen.

Die Stolpersteine machen einen dunklen Teil unserer Geschichte sichtbar an einer hochfrequentierten Stelle vor dem Kino und einer Bankfiliale
Marcel Kreutz, Bürgermeister

Die Nachfrage sei aktuell sehr groß: „Umso höher der Anteil der AfD-Stimmen klettert, umso mehr steigen bei uns die Anfragen.“ Später hält Frank-Matthias Mann noch einen Vortrag im Otto-Hahn-Gymnasium. „Ich bin hocherfreut über die Einladung. Für die Jugend machen wir das hier doch alles“, sagt er zu Begrüßung.

Bürgermeister Marcel Kreutz bedankt sich bei den Schülern im Namen der ganzen Stadtgesellschaft, dass sie so hartnäckig an dem Thema drangeblieben sind. „Die Stolpersteine machen einen dunklen Teil unserer Geschichte sichtbar an einer hochfrequentierten Stelle vor dem Kino und einer Bankfiliale.“ Sein Appell: „Gehen Sie nicht einfach darüber hinweg, sondern halten Sie kurz inne.“