Die Bergischen Ohrwürmer feiern ihr 20-jähriges Bestehen. Beim Besuch einer Probe spielt sich das Laienorchester ins Herz der Zuhörerin.
LaienorchesterSpaß und Leidenschaft vereint die Bergischen Ohrwürmer in Bergisch Gladbach

Die Bergischen Ohrwürmer bei der Probe: Über 150 Klassiker gehören zum Repertoire der Laienorchesters.
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Zwei damals schon nicht mehr ganz junge Männer treffen sich vor 20 Jahren beim Paartanz-Kurs in der Caritas Begegnungsstätte Mittendrin in Bergisch Gladbach und kommen als Band wieder raus. Heute bestehen die Bergischen Ohrwürmer aus 30 Mitgliedern und verleihen Klassikern verschiedener Genres den unnachahmlichen Zauber eines Orchesters. Ein Besuch bei einer Probe, bei dem sich das Laien-Orchester mitten ins Herz der Zuhörerin spielt.
Gitarren, Mandolinen, Quer- und Blockflöte, Geigen Celli, Bratsche, Kontrabass Klavier, Akkordeon, Schlagzeug, Saxophon, Mandola, Flügelhorn: Bei den Bergischen Ohrwürmern sind alle willkommen. Ein gemischter Haufen könnte man sagen, alles Laien-Musiker, die Spaß am Musizieren haben. Die Alterspanne der Musiker liegt ab 60 aufwärts.
Von den beiden Initiatoren sind noch zwei Mitspieler mit dabei
Von den beiden Mitspielern, die die unkonventionelle Musikgruppe vor 20 Jahren ins Leben gerufen haben, sind heute noch Wolfgang Wenzel (Flöte) und Klaus Farber (Cello) mit dabei „Im Moment bin ich wohl der älteste Mitspieler. Das fühlt sich irgendwie komisch an“, sagt Farber, dem man seine 86 beim besten Willen nicht ansieht.
„Eins, zwei, drei, vier“: Die Melodie von Memory, dem bekanntesten Lied aus dem Musical Cats, erklingt, taucht den sonst an einem Montagmorgen so stillen Kirchenraum von „Zum Frieden Gottes“ in eine Atmosphäre zum Mitsingen und Mitträumen. Zu dem wunderschönen Moment trägt auch die Stimme von Monika Spielmann bei.

Dirigentin Elena Brabender freut sich über die Fortschritte, die ihre Instrumentalisten machen.
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Aber jetzt stoppt Dirigentin Elena Brabender ihr Orchester. Der Rhythmus stimmt nicht, zu langsam. „Da, da, da, da“ gibt sie den Takt vor: „Nochmal, bitte.“ Brabender ist die einzige Professionelle im Ensemble ist. Sie stammt aus Omsk in Russland, studierte dort Musik und Musikpädagogin. Seit 2003 lebt sie in Deutschland, spielte als Konzertmeisterin im Mandolinenorchester in Köln. Seit Januar 2018 bringt sie Bergischen Ohrwürmer in den Gleichklang.
„Unser musikalisches Niveau hat sich seitdem verdreifacht“, sagt Menzel, früher Chemiker bei Bayer. Beim Start der Orchestergruppe habe er auf seine Blockflöten-Kenntnisse aus dem 2. Schuljahr zurückgegriffen. Zuerst spielte er Keyboard: „Mit einer Hand“, erzählt er lachend, später brachte er sich selbst bei, Querflöte zu spielen.

Monika Spielmann sagt, alleine zu singen, macht keinen Sinn.
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Für jedes einzelne Instrument, es sind 15 an der Zahl, schreibt Brabender die Partituren: „Nicht zu kompliziert, nicht zu einfach, für jeden passend.“ Für alle ihre Akteure gilt: „ Gelernt wird in den Proben, aber zu Hause muss geübt werden“, sagt die Dirigentin. Ehemann Eugen, im Orchester spielt er die Mandoline, witzelt: „Betreutes Musizieren.“
Auch für Bülent Aydinlioglu, einem blinden türkischen Schlagzeuger, schreibt die Künstlerische Leiterin die Noten, die er sich dann vorlesen lassen kann. „Wenn ich den Takt höre, weiß ich, wann ich einsetzen muss“, berichtet der 62-Jährige. Da könne er sich fest auf seinen Instinkt und sein Gehör verlassen. Schwieriger werde es bei Liedern, die er nicht kenne.

Bülent Aydinlioglu ist blind und spielt im Orchester Schlagzeug.
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Dieses von Sympathie getragene Zusammenwirken zwischen Dirigentin und Ensemble, der Spaß und die Leidenschaft, welche die Musiker vereint, aber auch der Ehrgeiz, die das gemeinsame Spielen bekannter Kompositionen und Hits erweckt - all das sind wohl die Mosaiksteine, die das Erfolgsgeheimnis des langjährigen Bestehens des Seniorenorchesters ausmachen.
„Zwei, drei, vier“: Bei „Mir schenke der Ahl e paar Blömcher“ singt Waldtraud Schneider eine leise Zweitstimme dazu und verleiht so der Botschaft des Karnevalsklassikers für ein besseres Miteinander musikalisch noch mehr Eindringlichkeit. „Allein im Auto zu singen, macht keinen Sinn“, sagt Gesangspartnerin Monika Spielmann. Es ist aber nicht nur das Bedürfnis im Kollektiv zu musizieren, das die Truppe zusammenhält. Dazu kommt die Herausforderung, Neues zu lernen – auch das stiftet Gemeinschaft.

Cellist Klaus Farber ist einer der Initiatoren, der die Bergischen Ohrwürmer vor 20 Jahren gründete.
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Das anspruchsvolle Repertoire umfasst 150 Lieder und instrumentale Stücke von Klassik über Pop bis kölschen Liedern und Rock. „Alles Lieder, die jeder kennt, Ohrwürmer eben“, berichtet Klaus Gebele, zuständig für die Terminkoordination und die Kontakte. Für Konzerte in Altenheimen oder bei gemeinnützigen Vereinen wie „einfach gemeinsam“, den Blinden- und Sehbehinderten Verein für ukrainische Flüchtlinge, den Obst- und Gartenbauverein erhalten die Musiker in der Regel eine Aufwandsentschädigung. Ihr 20-jähriges Bestehen wollen die Bergischen Ohrwürmer im Sommer mit einem Konzert feiern.
„Wir freuen uns immer über Verstärkung“, sagt Gebele. Blasinstrumente und Geigen seien aktuell gefragt. Die Proben finden jeden Montag, 10 bis 12 Uhr, in der Kirche Zum Frieden Gottes in Heidkamp, Martin Luther Straße 13, statt. Interessenten könnten sich telefonisch an Klaus Gebele, (02202)38432, oder per E-Mail wenden.

