Am Samstag (20. Juni) feierte die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen ihren 75. Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür
Bundesanstalt wird 75Wenn der Lkw kracht und der Dummy fliegt

Crashtests waren dicht umlagert beim Aktionstag des Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen
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Einen Grund zum Feiern zu haben, ist immer gut. Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) in Bergisch Gladbach hatte am Samstag gleich zwei: Den 75. Geburtstag sowie den „Tag der Verkehrssicherheit“. Zum großen Tag der offenen Tür strömten zahlreiche Besucher auf das weitläufige Gelände, um 75 Stände, für jedes Jahr seit Gründung der Forschungseinrichtung einer, anzuschauen. Eröffnet wurde die Veranstaltung offiziell mit der Rede von Verkehrsminister Patrick Schnieder, der zuvor bei einem Rundgang durch die BASt einen Eindruck über die Forschungsarbeit der rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen und auch für sich Neues erfahren konnte.
Der Referatsleiter „Zustandserfassung und Bewertung“, Christoph Becker, erläuterte die Funktionen eines der Fahrzeuge, das durch das sogenannte „Seitenkraftmessverfahren“ die Griffigkeit von Oberflächen erfasst und bewertet. „Ich war überrascht, wie viel Strecke man damit an einem Tag machen kann. Es gibt hier an jeder Ecke etwas Neues und Besonderes zu entdecken, und ich schätze die Expertise dieser Einrichtung sehr. Die BASt hat sich toll entwickelt und ist ein wichtiger Berater für die Politik“, so der Verkehrsminister, während immer mehr Besucher, die ebenfalls sehr interessiert am Thema waren, eintrafen.
Die BASt hat eine ganze Menge erreicht, die Verkehrstotenzahlen sind viel niedriger geworden. Jeder einzelne ist noch zu viel, aber man sieht den Effekt der Verkehrssicherheit
„Wir sind alle Verkehrsteilnehmer, die Verkehrssicherheit geht uns alle an, denn sie ist die Grundlage für unsere Infrastruktur. Die BASt hat eine ganze Menge erreicht, die Verkehrstotenzahlen sind viel niedriger geworden. Jeder einzelne ist noch zu viel, aber man sieht den Effekt der Verkehrssicherheit“, so BASt-Präsident Professor Dr. Markus Oeser. Der Asphalt wurde heißer, die Spannung größer und die Besucher konnten sich Crashs in Echtzeit betrachten, ob mit dem Fahrrad oder dem Laster.
Beim Aufprall hielten die Zuschauer kurz den Atem an, die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Tiefe und Alltag wurde deutlich. Mit dem Lageplan in der Hand ging es weiter zu den unzähligen Aktionsständen. Mal den Straßenverkehr aus Sicht eines Kindes sehen?
Viele Aktionen an den Ständen
Mit dem Reverse-Periskop kein Problem – und erstaunlich. „Der Parcours macht deutlich, dass Kinder eine ganz andere Perspektive haben, nicht den gleichen Überblick. Dazu fehlt es ihnen an Erfahrung“, so Markus Schumacher, der mit seinen Kollegen den Stand betreute.
Zwischen Bastelaktionen, Glücksrädern oder Vorstellungen der Puppenbühne im Polizeibus, war bei den Kindern der Verkehrsparcours total angesagt. Sie warteten aufgeregt darauf, einen Bobby-Car zu ergattern, um die Strecke mit Hindernissen zu befahren.
Auch der Nachwuchs von Besucherin Marina aus Köln, während die Mama ihre Eindrücke vom Tag sortierte: „Wir waren vor Jahren schon mal da, da war unser Sohn noch ganz klein. Heute haben die Kinder noch mehr Spaß und sehen auch mal einen Schneepflug oder Feuerwehrfahrzeuge aus der Nähe.
Ab ins Dummy-Museum
Gleich müssen wir weiter, denn wir haben längst noch nicht alles gesehen“, verabschiedete sie sich eilig, während Ute und Monika sich über ihren ergatterten Sitzplatz im Schatten freuten und über dem Bogen für die Erwachsenenrallye brüteten. Gemütlicher in der Mittagshitze, als jede Station abzulaufen, waren sich beide einig.
Etwas kühler war es im Dummy-Museum, wo Ingenieur Helge Böhme die Geschichte dieser besonderen Puppen nahebrachte. „Es wird sehr viel Zeit und Geld investiert, um Autofahren sicherer zu machen, seit den Siebzigern hat sich der Verkehr vervierfacht, es gibt aber wesentlich weniger Verkehrstote. Das ist Thor, unser aktuellster Dummy, der kostet 1,2 Millionen“, zeigte er das Testgerät, während Mutige beim Aufprallsimulator auf dem Außengelände selbst erfahren konnten, wie es sich anfühlt. Zwischen Vorträgen und Laborvorführungen durften die Gäste beinahe überall selbst aktiv werden.
Schnelle Reaktionen
Hans-Jürgen interessierte sich für den MPU-Test in Begleitung einer Wissenschaftlerin, blieb aber zunächst beim „Ramp-Metering-Game“ hängen, wo er den Verkehrsfluss positiv beeinflussen sollte. „Man muss höllisch aufpassen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den Verkehr über den Bypass zu leiten. Man muss sich konzentrieren und schnell reagieren.“
Zum ersten Mal klärte Jörg Heinrich von der Straßenverkehrswacht zum Thema „Gras“ am Steuer auf. „In Familien scheint das ein Thema zu sein. Eltern sollen Argumente und Hintergrundwissen haben, um mit ihren Kindern zu argumentieren“, ist er überzeugt. Wie sich die Wahrnehmung verändert, zeigte ein Experiment mit Spezialbrille und Kinderpuzzle.
„Es wirkt auch länger nach, als Alkohol. Nach Cannabiskonsum sollte man auch am Tag danach nicht fahren.“ Am Ende des Rundgangs war für die meisten Besucher klar: Der Tag der offenen Tür war zu kurz, um alles sehen zu können, Mit neu dazugewonnenem Wissen traten die Besucher den Heimweg an.
