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„BRD ist der Feind“Gladbacher hetzte gegen den Staat und nimmt Urteil sofort an

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Auftritt vor der Kamera in Fantasieuniform.

Auftritt vor der Kamera in Fantasieuniform.

Bergisch Gladbach – Das Bergisch Gladbacher Amtsgericht hat einen 34-jährigen Bergisch Gladbacher wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss der gegenwärtig von staatlicher Unterstützung lebende Arbeitslose 500 Euro Bußgeld an die örtliche „Tafel“ zahlen.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht dem Antrag des Staatsanwaltes. Nach dem Urteil hat der von der Bundeswehr mittlerweile gefeuerte Ex-Reservist auf zwei Internet-Videos in Uniform die Bundesrepublik Deutschland verunglimpft. Veröffentlicht wurden die Filmchen, bei denen er als „Wehrwolf“ firmierte, am 15. und 17. Juni auf dem von rund 70 000 Personen abonnierten Videokanal des rechtsextremen Vegan-Kochs Attila Hildmann.

Vor Gericht zeigte der „Wehrwolf“ Reue

Vor Gericht trat Dennis T. korrekt und diszipliniert auf; beim Betreten des Saales trug er, den Corona-Vorschriften entsprechend, eine Maske. Er räumte die ihm vorgeworfenen Zitate ein und distanzierte sich: „Ich habe dazu gelernt.“ Es sei anmaßend zu glauben, man wisse alles. Ihn habe damals die Angst vor gesellschaftlichen Veränderungen durch die Pandemie getrieben. Er habe weder mit Querdenkern noch mit anderen Organisationen zu tun, Attila Hildmann habe er zufällig kennengelernt.

In den Videos hatte T. eine wüste Mixtur aus Verschwörungserzählungen, Reichsbürger-Propaganda und religiösen Formeln geboten. Auf dem ersten Video trug Dennis T. eine Uniform der Bundeswehr, auf dem zweiten eine Phantasie-Uniform mit Hoheitszeichen der USA, Russlands und des Deutschen Reiches. Dabei sagte er unter anderem: „Ich verweigere jeden Sch...-Befehl von Schwarz-Rot-Gold, denn das ist nicht unsere Farbe und das ist nicht unser Volk.“ Später forderte er: „Begleitet uns bei unserem friedlichen Kampf, solange er friedlich bleibt, die fette hässliche Kröte und ihre Pharma-Banken-Versicherungs-Lobbygesellschaften aus diesem Sch...BRD-Regime rauszutreten.“

Im Video sprach er von der BRD und Bill Gates als „Feinden des Volkes“

Die Bundeswehr müsse zur Reichswehr „umreformiert“ werden, die Bürger aus der „Selbsthaftung“ genommen werden. „Dann arbeitet ihr erst wieder im göttlichen Auftrag zum Schutze eures Volkes.“ Der „Feind“ sei bekannt: „Die BRD ist der Feind, Soros ist der Feind, die Pharma-Hure Gates ist der Feind.“ Sie alle würden die Bürger mit Quecksilber und Aluminium vergiften.

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Von Netz-Aktivisten war der „Wehrwolf“ nach der Video-Veröffentlichung enttarnt und mit Klarnamen angesprochen worden. Im Internet erntete er Empörung sowie Spott und Häme - aber auch Mitleid für seinen wirren, verschwurbelten Auftritt. Vor Gericht wirkte er dagegen klar. Die Richterin glaubte dem nicht einschlägig vorbestraften Angeklagten die Reue. Sie appellierte an ihn: „Am besten halten wir uns alle an die Regeln, auch wenn es uns einschränkt. Dann ist es irgendwann geschafft.“ T. nahm das Urteil sofort an.

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