Startraum GL bietet Gründern in der Aufbauphase einen neuen Ort zum Arbeiten, zum Austausch und viel praktische Unterstützung
Startraum GLEin Umfeld, wo junge Unternehmen wachsen können

Der Weg war nicht weit beim Wechsel von Haus 8 (Raketenfassade, r.) in Halle 7 (Eingang links davon). Die neuen Räume bieten aber mehr und neue Möglichkeiten.
Copyright: Angela Hilsmann
Dieser Ort wirkt wie ein Versprechen: Freundlich, einladend, modern, niedrigschwellig, transparent, kommunikativ, professionell. Der Startraum GL in Halle 7 des Technologiezentrums (RBTZ) strahlt eine positive Energie aus. Eine Atmosphäre, wie Menschen sie brauchen, die an ihrer Zukunft arbeiten. Man betritt den Startraum GL an seinem neuen Standort ebenerdig und steht unvermittelt in einer Art großer Wohnküche: hohe Decken, viel Licht, Glastüren, die den Blick freigeben auf Schreibtische, an denen gerade jemand mit potenziellen Geschäftspartnern telefoniert. An einem langen Tisch tauschen sich gerade zwei Gründerinnen über ihre nächsten Schritte aus. Dazwischen spricht jemand in einer Videokonferenz mit seinen Co-Gründern, die in den Niederlanden und in London zuhause sind. Auf einem Sofa nimmt sich jemand Zeit für die Kaffeepause.
Diese Mischung aus Offenheit, Helligkeit und moderner Technik ist kein Zufall, sagt Ronny Strasser. Als Community-Managerin ist sie bei Startraum GL erste Ansprechpartnerin für Gründungsinteressierte. Das Ambiente, so Strasser, soll genau die Aufbruchsstimmung spiegeln, mit der Gründerinnen und Gründer hierherkommen. Volker Suermann, Geschäftsführer des RBTZ formuliert es so: „Innovation entsteht dort, wo Menschen sich begegnen“.
Gründerinnen und Gründer wollen Community, die wollen Begegnungen. Hier sitzen wir mit ihnen auf einer Ebene und in direkter Sichtweite.
Bis vor kurzem waren in diesen Räumen noch „Die Technologen“ zu Hause. Auch sie hat das Team von Startraum begleitet. Inzwischen ist das IT-Unternehmen aber aus den Räumen herausgewachsen: Mehr Mitarbeitende, ein Firmenzukauf, dann kam der Umzug nach Overath-Untereschbach, erzählt die Community-Managerin. Die frei gewordene Fläche samt hochwertiger Küche konnte der Startraum übernehmen. „Wir hatten keinerlei große Investitionen“, freut sich Strasser. Was sie außerdem begeistert: Die aktuellen Gründerinnen und Gründer können hier an einem Ort arbeiten, an dem schon einmal jemand den Sprung von der Beratung in die eigene, gewachsene Firma geschafft hat.
Der offene Bereich mit Küche und großem Tisch soll das bieten, was Gründerinnen und Gründer heute suchen, sagt sie, – nicht nur Beratung, sondern Gemeinschaft. „Die wollen Community, die wollen Begegnungen“, so Strasser.

Ein Blick in den Shared-Desk-Bereich, das Arbeitsumfeld für junge Unternehmen mit besonders innovativen oder nachhaltigen Geschäftsideen.
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Zum Angebot im Startraum gehört auch der sogenannte Shared Desk: Wer eine innovative Geschäftsidee verfolgt, kann sich dort kostenfrei mit dem eigenen Laptop niederlassen, Bildschirme nutzen und – anders als in einem klassischen Coworking Space – engmaschig von den Beraterinnen und Beratern des Startraum begleitet werden. „Der Unterschied zum Coworking ist, dass wir gemeinsam Ziele stecken, sei es im Marketing, im Vertrieb oder im Controlling“, erklärt Strasser. Getragen wird das für Gründerinnen und Gründer kostenfreie Startraum-Angebot von vier Gesellschaftern: Stadt Bergisch Gladbach, Rheinisch-Bergischer Kreis, Kreissparkasse Köln und IHK Köln.
Sechs Expertinnen und Experten gehören zum Startraum-Team. Sie unterstützen Gründungsinteressierte rund um Fördermittel, Innovations- und Start-up-Förderungen, kennen die richtigen Ansprechpartner für unterschiedliche Themen im Startraum-Netzwerk oder beraten, wenn es gerade mal kriselt.

Ronny Strasser und das ganze Team von Startraum GL sind Sparringspartner und Begleitung.
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Wer sich beim Startraum GL meldet, muss nicht bereits ein Hightech-Unternehmen gründen wollen. „Wir beraten und begleiten alle“, sagt Strasser – vom Einzelhandelsgeschäft bis zur Arztpraxis. Die kostenfreien Arbeitsplätze im Startraum seien allerdings Gründungen mit einer gewissen technologischen oder nachhaltigen Innovation vorbehalten, erzählt sie. So wie für Dr. Peter Adeboye, Mitgründer von Envalyx. Der Biotechnologe hat mit seinem Unternehmen ein Verfahren entwickelt, um schwer recyclebaren Kunststoffen, zum Beispiel in Altreifen, ein neues Leben zu geben. Startraum GL, so der Gründer, biete dafür das ideale Umfeld, auch durch das Netzwerk und die Nähe zur Industrie.
Seit dem Start der neuen Dachmarke „Startraum GL“ vor rund anderthalb Jahren als gemeinsames Angebot von Rheinisch-Bergischer Wirtschaftsförderung (RBW) und RBTZ registriert das Team einen deutlichen Zulauf. Konkrete Gesamtzahlen möchte Strasser zwar nicht nennen, wohl aber einen Indikator: Wer heute einen Beratungstermin für eine klassische Gründung wünscht, wartet zwei bis drei Wochen; bei innovativen Vorhaben sind es aktuell acht Wochen Vorlauf.

Man betritt den Startraum GL an seinem neuen Standort ebenerdig und steht unvermittelt in einer Art großer Wohnküche.
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„Früher rief man an und hat direkt einen Termin bekommen“, sagt Strasser. Etwa 20 Startups nutzen die Arbeitsplätze regelmäßig vor Ort. Die weitere Community – mehr als 500 Gründerinnen und Gründer, die kostenfreie Workshop-Angebote wie „Start-up Journey“ oder „Pitch-Perfect“ nutzen, – ist nach ihren Angaben deutlich größer. Der nächste Workshop findet im August im Technologiepark statt. Am 27. August 2026 geht es von 15 bis 20 Uhr um Markenaufbau und Markenrecht.
Startraum GL bietet zudem kostenfreie Konferenzräume für Kundentermine an und eine Postanschrift im RBTZ – statt der privaten Adresse auf dem Briefkopf oder der Homepage. Sobald Startups wachsen, Einzelbüros oder auch mehrere Räume benötigen, kümmert sich das Startraum-Team um passende Raumkonzepte und Räumlichkeiten, zum Beispiel in Haus 8.
Unterstützung gibt es auch Jugendliche mit prämierten Geschäftsideen
„Ein Herzensthema“, erzählt Ronny Strasser, ist für sie, auch Jugendliche mit Geschäftsideen zu fördern und zu unterstützen. So begleitet der Startraum Schulklassen, etwa des Otto-Hahn-Gymnasiums, die im Rahmen des Wahlfachs Entrepreneurship am Wettbewerb „Business@School“ der Boston Consulting Group teilnehmen. Strasser sitzt dort selbst in der Jury. Erst kürzlich hat sie vier Schülerinnen des „Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium“ Bergisch Gladbach beraten. Das Team denke darüber nach, erzählt sie, seine beim Schüler-Gründungswettbewerb der Kreissparkasse prämierte Geschäftsidee tatsächlich an den Markt zu bringen. Dabei geht es um eine App, die die Integration von Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache fördern, das Deutschlernen und soziale Kontakte erleichtern soll.
Ähnlich wichtig ist ihr das Thema Female Founders: „Die Quote weiblicher Gründerinnen ist immer noch extrem gering“, bedauert Strasser. Vor diesem Hintergrund hatte der Startraum gemeinsam mit dem Bergischen Women’s Hub (BWH) im Frühjahr die Veranstaltung „Founding Her Way“ speziell für Gründerinnen ausgerichtet. Über das Gründungsnetzwerk Gateway e. V. ist der Startraum zudem eng mit Hochschulen wie der TH Köln verbunden, ebenso arbeitet das Team mit Wirtschaftsförderungen benachbarter Kreise zusammen und sitzt gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen etwa aus Leverkusen in der Jury des Gründungsstipendiums NRW.

Start-up Community Managerin Ronny Strasser (l.) im Kreis von Gründerinnen und Gründern, die hier in Halle 7 einen Ort gefunden haben, um ihre Geschäftsideen und -konzepte voranzubringen: Sebastian Winter (Cine AI Creator, Bildband.tv), Aron Brocher (Revenite UG, Comeback Tracker), Johannes Kolter (ProzessNow GmbH), Bariş Aksel (Cleentab), Katharina Edler (CroFrox) und Dr.-Ing. Volker Scherer (YRobotics GmbH) teilen miteinander den Arbeitsort und ihre Erfahrungen (v.I. im Uhrzeigersinn).
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Wie sich diese Begleitung für die Gründerinnen und Gründer selbst auszahlt, wird deutlich, wenn man mit denen spricht, die im Startraum arbeiten. Aron Brocher, Gründer des GPS-Tracking-Anbieters Revenite, kam ursprünglich wegen eines Mikrokredits – und blieb wegen des fachlichen Austauschs. Vor einem wichtigen Gespräch mit einem potenziellen Geschäftspartner hat er sich mit dem Beraterteam vorbereitet: „Ohne den Startraum hätte ich diese Expertise nicht bekommen. Ich hätte nicht auf Augenhöhe mit denen sprechen können.“
Auch Katharina Edler, die gemeinsam mit ihrem Mann die IT-Kommunikationsberatung CroFrox gegründet hat, beschreibt den Alltag als Gründerin als Wechselbad – und die Gemeinschaft im Startraum als Stütze dagegen: „Nicht jeder Tag ist gleich als Gründer, nicht jeden Tag denkt man, meine Geschäftsidee ist super, sondern oftmals auch genau das Gegenteil.“ Für Sebastian Winter, der nach über zwanzig Jahren als Kameramann in der Kölner Medienbranche nun mit KI-gestützter Filmproduktion für Unternehmen außerhalb der Medienbranche ein neues Standbein aufbaut, zählt vor allem der leichte Zugang zu anderen Gründerinnen und Gründern: „Viel wichtiger finde ich einen Austausch untereinander. Also dieses, sich hier zu treffen, sich auszutauschen.“
Heute reicht der kurze Weg zum gemeinsamen Tisch
In Haus 8, vor dem Umzug, war spontaner Austausch nicht ganz so einfach. Berater und Gründer saßen auf unterschiedlichen Etagen, die Berater im Erdgeschoss, Gründer im dritten Stock, dazwischen Feuerschutztüren und ein Treppenhaus. „Hier sitzen wir gemeinsam mit den Gründerinnen und Gründern auf einer Ebene und in direkter Sichtweite“, freut sich Ronny Strasser.
Heute reicht der kurze Weg zum gemeinsamen Tisch. Für Ronny Strasser steht jetzt schon fest: Der Umzug sei „zu 180 Prozent“ den Wechsel wert gewesen – auch weil es solch ein Ort, der selbst offen und einladend wirkt, leichter macht, mit einer Idee den ersten Schritt zu wagen. Und wer später wirtschaftlich Tritt gefasst hat, hat es auch dann nicht weit. Firmen, die den Startraum GL hinter sich lassen, können anschließend im Technologiezentrum zu vergünstigten Konditionen eigene Büroräume anmieten.
