Zum Mühlentag 2026 erwachte das LVR-Industriemuseum zu prallem Leben.
FreizeitSo war der Mühlentag im Industriemuseum

Viele Familien kamen im Rahmen des Mühlentags zu einer Führung im Museum an der Alten Dombach.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Die Strunde plätschert am Pfingstmontag gemächlich im Graben. Das hölzerne Mühlrad dreht sich träge. Doch sonst gilt: Zum Mühlentag 2026 erwacht das LVR-Industriemuseum zu prallem Leben. Eine Reise dorthin, wo die Industrialisierung im Rheinland laufen lernte. Lange vor Dampf und Elektrizität gab es für die Produktion nur zwei verlässliche Kräfte: Wind und Wasser. Mühlen waren – seit 1604, als die Alte Dombach entstand, und nach 1802, als die neue Dombach die alten Gebäude ergänzte – keine romantischen Kulissen für Volkslieder. Sie waren die Hightech-Orte der frühen Neuzeit, die Urzellen unserer Fabriken. An der Strunde setzten die Meister früh auf diese zähe Energie und verwandelten Handwerk in serielle Fertigung.
Viele Familien kamen gegen Mittag zur Führung. Dort erfuhren sie von Benedikt Hanf, wie sie damals als Familie gearbeitet hätten: „Es war Arbeit für die ganze Familie. Ab fünf Jahren haben sogar die Kleinen angefangen mitzuhelfen.“ Zunächst im Stall, in den Gemüsegärten, auf der Streuobstwiese. Später gingen sie mit in die Papiermühle und halfen dort aus. „Ein Großteil der Arbeit, das werden wir gleich sehen, war Frauen- und Kinderarbeit. Das, was die Männer übernahmen, war das eigentliche Fachwerk des Schöpfens“, ergänzt Hanf.
Auf in die "Lumpenküche"
Das Mühlrad, das sich an diesem Pfingstmontag in der Sonne gemütlich dreht, sitzt auf einer großen Welle. „So nennen wir diesen sich drehenden Baumstamm. Die Welle geht durch das Mauerwerk hindurch ins Innere, in unsere Lumpenküche“, erklärt der Museumsführer. In der Lumpenküche entsteht der Papierbrei, aus dem man dann das Papier schöpft. Dorthin führt uns Hanf. Unten, in der eigentlichen Küche, dürfen die Kinder ausprobieren, was damals schon Zehnjährige leisten mussten.
Die großen Flut vom 14. auf den 15. Juli 2021 zerstörte Vieles. „Wir sind heute noch dabei, zu rekonstruieren“, erläutert Benedikt Hanf. Bevor wir die letzte Treppe zur Lumpenküche hinabsteigen, fragt er: „Wie hoch ist der Papierverbrauch pro Kopf in Deutschland – was schätzt ihr?“ Aus der Gruppe kommen 200 bis 300 Kilogramm. Eine Teilnehmerin vermutet 4500 Kilogramm. Jede Zeitung, jeder Werbeprospekt, jeder Brief, Toilettenpapier, andere Hygienepapiere, Milchkartons – alles zählt. Wir erfahren: 198 Kilogramm war die Zahl des letzten Jahres. Das meiste Holz kommt aus Kanada oder Skandinavien. Ein Drittel der Papierproduktion basiert auf recyceltem Papier. „Kämen wir auf 50 Prozent, würde der Wasserverbrauch für die Herstellung um 80 Prozent sinken“, gibt Hanf zu bedenken.

Von Museumsguide Benedikt Hanf (links) erfuhren die Besucher, wie sie früher als Familie gearbeitet hätten: im Stall, in den Gemüsegärten, auf der Streuobstwiese.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Doch in der Alten Dombach machte man Papier aus Lumpen. Frauen zogen umher und sammelten Altkleider aus Flachs, Leinen oder Hanf. Zuerst wurden sie klein geschnitten. Kinderarbeit. Auch bei der Führung: Ein Junge zerschnitt ein Bettlaken in kleine Stücke. Die Fetzen kamen 30 Tage in ein Wasserbad und schimmelten. Genau diese Beschaffenheit braucht man. Dann zerstampften riesige Holzhämmer den Brei. Die Welle des Wasserrads trieb die Hämmer an. Hier durften die Kinder probieren: Können sie die Hämmer auf die Welle heben? Ganz schön schwer. Auch diese Arbeit leisteten damals Kinder. Und es muss höllisch laut gewesen sein. Schon ein Hammer auf der Welle macht Krach.
Nach der Führung bauten die Kinder Mühlräder aus verschiedenen Materialien, schöpften Papier und entdeckten spielerisch, was für unsere Vorfahren harte Arbeit war. So macht Museum Spaß.
