Die Künstlerin wurde mit dem Luise Straus-Preis des LVR ausgezeichnet, gezeigt wird eine Auswahl von Werken aus dem Jahren 2020 bis 2026.
Bilder von Alex GreinDas zeigt die neue Ausstellung im Brühler Max-Ernst-Museum

Die Werke von Alex Grein sind im Brühler Max-Ernst-Museum zu sehen.
Copyright: Hanna Styrie
Unaufhörlich tropft es aus den Eisblöcken, in die Alex Grein Fotografien eingefroren hat. Die Inkjetprints sind an Halterungen für Smartphones und Tablets befestigt; das Schmelzwasser hinterlässt farbige Spuren in einem Edelstahlbecken. Drei bis vier Stunden dauert der Schmelzvorgang im Leonora Carrington-Saal des Max-Ernst-Museums, wo die Künstlerin, die am Donnerstag (21. Mai) mit dem Luise Straus-Preis des LVR ausgezeichnet wurde, eine Auswahl von Werken aus dem Jahren 2020 bis 2026 zeigt.
Der Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, erinnert an die Kunsthistorikerin Luise Straus, mit der Max Ernst in erster Ehe verheiratet war. Er richtet sich an Künstlerinnen, die im Rheinland leben und arbeiten und würdigt „hervorrragende Arbeiten auf dem Gebiet der Bildenden Kunst“.
Künstlerin setzte sich gegen 240 Mitbewerber durch
Alex Grein, die an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat, setzte sich gegen 240 weitere Bewerberinnen durch. Mit der Auszeichnung ist neben dem Preisgeld eine Ausstellung im Max Ernst-Museum verbunden, zu der ein begleitender Katalog erscheint. In der Installation mit dem Titel „Speicher“ widmet sich Alex Grein dem Konzept des „Fluiden Bildes“ im Zeitalter der digitalen Bilderströme. Beim Schmelzen wird das Bild sichtbar und löst sich zugleich auf. Nachschub befindet sich in einem Tiefkühlschrank vor dem Ausstellungsraum; Museumsmitarbeiter tauschen die Exponate regelmäßig aus.
Die Rückstände – Schmelzwasser und Papierpulpe – werden in Kanistern aufgefangen und möglicherweise bei einer zukünftigen Arbeit der Künstlerin verwendet. „Ongoing“ hat sie dementsprechend die Schau betitelt, denn ihr Schaffen befinde sich in einem ständigen Prozess, wie sie berichtete. Alex Grein, die eine Professur für Fotografie an der Hochschule Mainz innehat, verschränkt in ihren Werken analoge und digitale Bildwelten und macht deutlich, wie bildgebende Medien unsere Wahrnehmung und unser Verständnis von Wirklichkeit prägen.
Dabei greift sie auf eigene Fotografien und gefundenes Material aus dem Internet zurück. „Burning Sun (Pictures on a screen)“ ist eine Werkreihe betitelt, in der sie digitale Bilder von Waldbränden, Hitzewellen und anderen Naturkatastrophen mit materiellen Objekten wie etwa Blütenknospen kombiniert. Gleichermaßen poetisch und hoffnungsvoll erscheinen die Aufnahmen eines verbrannten Waldbodens, aus dem neues Leben keimt.
Schmetterlingspräparate gehen auf eine virtuelle Reise
Irritierende Bildräume eröffnet sie in dem Video „Collection“, in dem sie Schmetterlingspräparate auf eine virtuelle, mit Google Earth kreierte Reise schickt, bei der etwa der Rotterdamer Hafen und der Tagebau Garzweiler überflogen werden, Ökologische Fragestellungen und geopolitische Aspekte werden beim Durchqueren unterschiedlichster Landschaftsräume berührt.
Für die Werkreihe „Titles“ hat Alex Grein sich in der umfangreichen Bibliothek ihres Großvaters umgesehen und Bücher so angeordnet, dass sich ihre Titel auf großformatigen Inkjets-Prints wie ein Satz lesen lassen. „Lolita, vergiss Orangen und Datteln, der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, „Die heile Welt, vom Winde verweht, denn der Wind kann nicht lesen“ oder „Die Manager reden“ kann man da entziffern. Spielerische Kombinatorik und sensible Farbigkeit vereinen sich in der sechsteiligen Werkserie, die fortgesetzt werden soll. Die Ausstellung im Leonora Carrington-Saal des Max Ernst Museums, Max Ernst-Allee 1, läuft bis 5. Juli. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 11-18 Uhr. Weitere Informationen gibt es online.
Vernissage-Weekend im Juli
Vom 3. bis 5. Juli gibt es ein Finissage-Weekend mit zahlreichen eintrittsfreien Veranstaltungen, bevor das Max-Ernst-Museum für Umbau und Neukonzeption der Dauerausstellung schließt. Am 3. Juli findet um 18 Uhr eine Lesung mit Eva Weisweiler, der Herausgeberin des Buchs „Luise Straus-Ernst – Pariser Impressionen“ statt, an die sich ein Gespräch mit Museumsdirektorin Madeleine Frey anschließt. Um 19 Uhr präsentiert der Kölner Poetry-Slam-Veranstalter RheinGold ausgewählte Slammerinnen und Slammer, die Themen der Ausstellung „Marianna Simnett – Headless“ interpretieren.
Am 4. Juli wird um 16 Uhr eine Kurzführung durch die Ausstellung „Alex Grein – ongoing“ angeboten. Anschließend sind Besucherinnen und Besucher zur Katalogpräsentation und zum Künstleringespräch eingeladen. Am 5. Juli gibt es ein Freiluft-Jazzkonzert, Kreativworkshops und einen Umzug zum Fanatasielabor in der Schlossstraße. (sty)
