Für die Stammgäste und für Manuela Jünger ist es das Ende einer 20-jährigen Ära.
GastronomieWeyer's-Kult-Wirtin geht in Ruhestand

Stand endlich mal Mittendrin statt hinter der Theke: Manuela Jünger, Kult-Wirtin des Weyer’s (2.v.r.), beim Auftritt des Überraschungsgastes Colör.
Copyright: Alexandra Burger
Die Wirtin geht, das Inventar bleibt, auch das menschliche. Die Refrather Kult-Wirtin Manuela Jünger geht in den Ruhestand. Ihre Gaststätte, das Weyer’s, besteht weiter unter neuer Leitung. Am Wochenende feierte sie mit ihren Stammgästen bis spät in die Nacht: Abschied, Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt und jede Menge kölsche „Colör“ dominierten den kurzweiligen, geselligen Abend.
Fast 50 Jahre war die mittlerweile 64-Jährige in der Gastronomie tätig und hat ihren Beruf von der Pike auf gelernt. „In der DDR war das damals ein richtiger Ausbildungsberuf“, erklärt Jünger und beschreibt ihren Werdegang. 1979 die Kellnerlehre in Halle-Neustadt, 1987 machte sie den Meister in Weimar, ihr Titel „Chef de Rang“ und landete 1989 der Liebe wegen in Refrath, wo sie erst mit ihrem damaligen Partner, dann in Eigenregie die Gaststätte „Burgplatz“ führte und prägte und 2007 letztendlich das „Bistro Weyer’s“ übernahm.
"Refrather Jungs" kommen fast seit Tag eins
Kaum ein Refrather kommt an der kleinen, aber gemütlichen Kneipe vorbei, nicht zuletzt, wegen des einladenden Biergartens im Herzen des Gladbacher Stadtteils. So geht es auch Markus, Georg und Hans-Jürgen, die quasi schon immer Stammgäste sind im „Weyer’s“ bei Wirtin Manu, Ehrensache für die „Refrather Jungs“ und das sogar fast seit Tag eins. „Es lag zentral für alle und keiner muss mit dem Auto kommen. Wir hatten sogar ein Sparkästchen am Anfang. Wir haben gespart für eine Tour und sind dann zusammen nach Mallorca gefahren“, erinnern sich die Freunde an die Anfänge.
Jede Woche trifft sich die rund achtköpfige Gruppe bei Manu und hat dafür viele gute Argumente: „Wir fühlen uns hier einfach wohl, werden nett bedient und sie ist immer freundlich. Und es ist tatsächlich die letzte Kneipe in Refrath, wo man hingehen kann, um einfach mal nur ein Bier zu trinken.“ Umso dankbarer sind sie, dass sich auch künftig quasi nichts für sie ändert, um ihre Gemeinschaft zu erhalten, denn schon ab August übernimmt Natalie Rohr, Jüngers rechte Hand seit 18 Jahren. „Sie ist meine längste Mitarbeiterin, ohne kann man hier gar nicht mehr. Dabei wollte sie damals nur mal kurz aushelfen. Es gab niemand Besseren, um den Laden weiterzuführen. Wäre das anders gekommen, hätte ich eben noch fünf Jahre weitergemacht“, sagt die Wirtin und kann sich nun noch viel entspannter auf ihren neuen Fokus im Ruhestand konzentrieren: Ihren einjährigen Enkel und das Reisen mit Mann Norbert Vorwerg.
Zuerst ein junge Leute Magnet, heute gemischte Gesellschaft
Zog das Weyer’s zu Beginn eher junge Klientel an, ist es heute bunt gemischt. So war auch der ursprüngliche Plan für das Konzept, ein Ort für Begegnung, ein Ort für Fußballfans, ein Ort für Liebhaber der Live-Musik. Ein Konzert wird Jünger und sicherlich auch vielen Gästen ewig in Erinnerung bleiben, denn die Spuren, die die Band „Cowboys on Dope“ vor fast 20 Jahren hinterlassen hat, sind bis heute deutlich sichtbar und schmücken die Wand. „Der Sänger stieg plötzlich auf diesen Stehtisch mit einer Flasche Whiskey in der Hand, zog sein Shirt aus und machte einen riesigen Schritt bis über diese Tür beim Singen“, beschrieb sie lachend die Anekdote. Auf den Fernsehern lief auch diese Szene als kleiner Film am Abschiedsabend wie viele andere und ließen die sehr besonderen Momente für die scheidende Wirtin noch einmal Revue passieren.
Zwischen die Gäste hatten sich etliche Musiker gemischt, die den musikalischen Teil des Weyer’s geprägt haben und Stammkunden sind.
"Das Weyer's ist die Refrather Familie"
Darunter auch der Refrather Sänger Mike Müller. Wie gern hätte er Jünger zum Abschied Tribut gezollt, aus organisatorischen Gründen war das für ihn jedoch nicht möglich. „Es hätte mir viel bedeutet. Ich komme schon so lange, dass Manu mich noch nach dem Ausweis gefragt hat“, erinnert er sich. „Das Weyer’s ist die Refrather Familie, so wird man hier auch behandelt. Und der Laden hat eine super Akustik.“
Das zeigte sich, als die Band „Colör“ als Überraschungsact die kleine Bühne betrat und zunächst mit Country-Musik die Stimmung aufheizte. Nach und nach wurde die Musik kölscher, persönlicher. „Wir sagen Dankeschön, 20 Jahre et Weyer’s“, wandelten die Mundart-Sängerinnen um Ute Geller den Flippers-Klassiker ab und holten sich über den Abend jede Menge Unterstützung von Gästen, Musikerkollegen und einer Wirtin, die nach fast fünf Jahrzehnten die Theke von der anderen Seite kennenlernen konnte.