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KommentarPfadfinderheim ist kein Luxus

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Vor zwei Häusern an der Straße fährt ein Auto vorbei.

Das mit Schiefer verkleidete Haus an der Hauptstraße 328 in Bergisch Gladbach soll abgebrochen werden.

Räumlich gesehen ist der Neubau für Jugendangebote keine Alternaive zum jetzigen Q1-Gebäude, findet unsere Autorin.

Eigentlich ist es eine positive Nachricht. Die Stadt Bergisch Gladbach investiert 2,5 Millionen Euro in die Jugend. Das ist eine in diesen Zeiten seltene, erfreuliche Entscheidung. Aber man muss auch die Realität sehen. Räumlich gesehen ist der Neubau keine Alternative zum Raumangebot im jetzigen Q1-Gebäude auf dem Quirlsberg, sondern eine Schrumpfung. Statt 1287 stehen nur noch 250 Quadratmeter für alle Nutzer zur Verfügung.

Die Warnung des Pfadfinderstamms Folke Bernadotte ist eindeutig: Die Jugendarbeit ist akut gefährdet. Kurzfristig werden zwar Quadratmeter und Geld gespart. Langfristig muss aber vielleicht in einer anderen Währung bezahlt werden: weniger Bindung, weniger Ehrenamt, mehr Vereinzelung.

Deshalb ist es verständlich, dass der Applaus für seinen Auftritt bei Stammesvater Janis Reinhold wirkt wie Beifall beim Abmoderieren eines Verlusts. Und dabei geht es nicht um Nostalgie.

So ein Pfadfinderheim ist kein Luxus, keine Folklore, sondern Jugendarbeit im besten Sinne des Wortes. Und wenn die Stadt den großen Veranstaltungssaal in zentraler Lage aufgibt, verliert die Stadt auch Öffentlichkeit und niedrigschwellige Begegnungen.

Was aus dem Standort wird, bleibt unklar. Klar ist nur: In exzellenter Lage wächst die Fantasie, wie lukrativ sich so ein Grundstück vermarkten lässt.