Die ortsprägende Sander Persönlichkeit war mit 96 noch im Geschäft. Auch heute ist er dort anzutreffen.
PersönlichLebensmittelhändler Xaver Hetzenegger wird 100

Über Jahrzehnte prägte Xaver Hetzenegger Sand. Eigentlich wollte er gar nicht Kaufmann werden, heute leitet auch sein Sohn Markus Hetzenegger (rundes Bild) einen Supermarkt, der jedem in Sand bekannt ist.
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Wenn man heutzutage durch den Supermarkt in Bergisch Gladbach-Sand läuft und ein Klavier hört, dann ist das nicht unbedingt die verkaufsfördernde Berieselungsmusik, die in Geschäften dieser Art normalerweise läuft. Es ist live gespielt und meistens improvisiert. „Wir haben einen Flügel im Geschäft und fast wöchentlich spielt mein Vater noch drauf“, sagt der heutige Supermarkt-Besitzer Markus Hetzenegger.
Heute, am 6. August, feiert Xaver Hetzenegger nun seinen 100. Geburtstag, und dessen Geschichte ist nicht nur untrennbar mit der Entwicklung des Lebensmittelgeschäftes verbunden, sondern mit der Historie des gesamten Ortes Sand. Dabei wäre er beinahe in Bayern geboren, denn seine Mutter war schon im sechsten Monat, als sie mit ihrem Mann, einem Regensburger Glasermeister, 1926 nach Sand zog.
Per Anhalter zur Iberischen Halbinsel
„So bin ich ein Sander Junge geworden“, schmunzelt der gut aufgelegte, geistig fitte Mann heute. Den Ort hat er nur während des Zweiten Weltkriegs und für Reisen wieder verlassen. Noch lange vor den Pauschaltouristen führten ihn Reisetrips auf abenteuerliche Weise nach Italien und Spanien. Per Anhalter machte der damals 25-Jährige sich 1951 zum Beispiel mit einem Freund Richtung Iberische Halbinsel auf.
Nach Sand kamen seine Eltern, weil sie dort von der verstorbenen Schwester der Mutter die Gastwirtschaft Burgmer (heute Ommerbornklause) und den angrenzenden, spätestens 1895 gegründeten Kolonialwarenladen übernehmen konnten. Nicht viel mehr als Kaffee, Rosinen und exotische Gewürze gab es in den 1920er Jahren da. Aber nachdem Xaver Hetzenegger eine Kaufmannslehre beim Gladbacher Papierhersteller Wachendorff absolviert hatte und das Geschäft 1948 offiziell übernahm, entwickelte sich schnell einer der fortschrittlichsten Lebensmittelläden der ganzen Stadt. So gab es hier vor allen anderen Gladbacher Geschäften Tiefkühlware. Hetzenegger bekam sogar die allererste in Deutschland für den Einzelhandel produzierte Verkaufstruhe des Fabrikates Linde geliefert. „Gurken und Spinat waren die ersten Tiefkühlprodukte, die wir angeboten haben“, erinnert er sich.
Bis vor vier Jahren selbst im Geschäft aktiv
Durch wirtschaftliche Zwänge notwendig gewordene Geschäftserweiterungen, der Neubau noch neben der Gaststätte, dann der Umzug an den Ortsausgang in Sand und die Expansion nach Dürscheid, Moitzfeld und Herkenrath, wo jetzt sein Sohn Markus einen neuen Supermarkt plant: Xaver Hetzenegger hat beruflich viel erlebt, hat auch harte Zeiten durchgemacht. Wenn heute seine Söhne Markus (in Sand und Moitzfeld) und Bernhard (in Dürscheid) die Geschäfte führen, bis vor vier Jahren war er noch selbst aktiv tätig, verbuchte täglich die Bareinnahmen aus den Kassen in Sand und brachte das Geld persönlich zur Bank nach Herkenrath. Sein Wunsch war der Kaufmannsberuf eigentlich gar nicht. „Ich wollte Lehrer werden“, sagt er.
Über Jahrzehnte gestaltete Hetzenegger dennoch die Entwicklung des Ortes Sand als Geschäftsmann, aber auch als Mitglied des Kirchenvorstandes und in unzähligen weiteren Ehrenämtern mit. Sogar als Organist in der Kirche St. Severin war er aushilfsweise tätig.
„Hier bin ich zu Hause, fühle mich wohl und kenne sehr viele Menschen im Ort“, sagt Hetzenegger. Daher fällt die Feier zum 100. Geburtstag auch etwas größer aus. Auch wenn seine 2020 verstorbene Ehefrau Margarete nicht mehr dabei sein kann, die vier Kinder, zwölf Enkel und neun Urenkel feiern auf jeden Fall mit. Insgesamt rechnet die Familie mit 200 Gästen.
