Der Discounter soll die Belange der Anwohner und der Umwelt besser berücksichtigen.
Handel in BurscheidLidl-Nachbarn in Hilgen haben eine Petition gestartet

Diese Ansicht zeigt, wie der Lidl-Komplex an die Siedlung auf dem Thielgelände und die Rosendelle (im Vordergrund) grenzt.
Copyright: Lidl
Als Verhinderer wollen sich die Nachbarn des geplanten Discounters nicht abqualifizieren lassen: „Ein neuer Lebensmittelmarkt kann für Hilgen ein Gewinn sein“, schreiben die Bewohner des früheren Thielgeländes in einer Petition, die seit ein paar Tagen im Internet steht. Was sie aber verhindern wollen: die vorgesehene Zufahrt zur Tiefgarage im Sockel des Komplexes, den Lidl an der bisherigen Kreuzung der Kölner mit der Witzheldener Straße errichten will und Hilgen so einen neuen Dorfmittelpunkt bescheren soll – mit Kreisverkehr und Dorfbrunnen.
Seit der Entwurf nach jahrelangem Stillstand in Burscheid und Hilgen kursiert, sind viele der Nachbarn alarmiert. Denn das frühere Thiel-Gelände, das vor wenigen Jahren mit freistehenden, Reihen- und Doppelhäusern bebaut wurde und bis heute teils nur provisorisch mit Straßen erschlossen ist, liegt relativ zu dem Land, das die Lidl-Gruppe aufgekauft hat, in einer Senke. Der Supermarkt, der nicht die übliche Kiste mit Satteldach werden, sondern ein Obergeschoss mit Seniorenwohnungen bekommen soll, wird auf einen Sockel gestellt. Das ist vom Thiel-Gelände aus nicht schön. Vor allem aber soll der Sockel eine Tiefgarage bekommen – und die soll von der Rosendelle aus erschlossen werden.
Erstes Problem: die Erschließung der Tiefgarage
Ein Unding, heißt es von den Nachbarn – vielfach junge Familien mit Kindern, die derzeit einigermaßen gefahrlos auf der Straße spielen können. Damit, so die Befürchtung, wird es vorbei sein, wenn Lidl so baut, wie es im Entwurf steht. An der geplanten Tiefgaragenzufahrt hatten sich auch vor knapp vier Wochen die Gemüter entzündet, als Vertreter der Burscheider Stadtverwaltung und von Lidl zu einer Bürgerinformation eingeladen hatten. „Genau dort, wo Kinder spielen, Menschen wohnen und ein ruhiges Wohnumfeld entstanden ist, soll künftig zusätzlicher Verkehr zur Tiefgarage geführt werden“, heißt es dazu in der Petition.
Die Forderung der Nachbarn: Lidls Planer müssen andere Zufahrten als über die Rosendelle „ernsthaft prüfen“. In Frage kommen aus ihrer Sicht eine Erschließung über die Witzheldener Straße oder über den Parkplatz des Supermarkts, der auf einem großen Areal zu den Straßen hin vorgesehen ist.
Zweites Problem: die Versiegelung
Ein weiterer Punkt, der inzwischen mehr Gewicht bekommt: der Effekt des geplanten Komplexes auf die Natur. Das Grundstück soll „nahezu vollständig versiegelt werden“, so die Kritik. Das gehe nicht „in Zeiten zunehmender Hitzewellen, Starkregen-Ereignisse und Waldbrände in Europa“. Im Burscheider Hitzeaktionsplan werde das zentrale Hilgener Terrain als Hotspot beschrieben. Trotzdem drohe der Verlust von Grünbestand, stattdessen zusätzliche Asphaltflächen und ein großer Parkplatz. „Das passt nicht zu moderner Stadtentwicklung. Das passt nicht zu Klimaanpassung.“
Stattdessen müsse vom jetzigen Grünbestand auf dem Gelände mehr erhalten bleiben. Außerdem sollten die Planer sich weitere Gedanken über neue Bäume oder Flächen machen, auf denen Wasser versickern kann. Außerdem müsse es einen grünen Schutzstreifen zum Thielgelände geben. Denn „die direkte Nachbarschaft braucht Abstand, Sichtschutz, Grün und Schutz vor zusätzlichem Verkehr, Lärm und Hitze“.
Der Appell an den Investor: „Lidl kann und sollte hier zeigen, dass moderne Nahversorgung auch klima- und nachbarschaftsverträglich möglich ist.“ Und keinen „großflächigen Standardmarkt mit möglichst vielen Parkplätzen“. Auch in der Stadtverwaltung sollte man das seit Langem auf der stadtplanerischen Wunschliste stehende Projekt in Hilgen nutzen, „ein zukunftsfähiges Projekt zu entwickeln, das Nahversorgung, Wohnqualität und Klimaanpassung miteinander verbindet“, so die Autoren des Vorstoßes.
Es gehe keineswegs darum, den Investor zu behindern: „Wir wünschen uns keinen jahrelangen Streit. Wir wünschen uns eine Lösung.“ Und es gehe auch nicht darum, das Projekt zu stoppen: „Mit dieser Petition stimmen Sie nicht gegen einen Lidl in Hilgen“, betonen die Nachbarn. „Sie unterstützen vielmehr die Forderung, dass das Vorhaben so geplant wird, dass es zu Hilgen passt – sozialverträglich, klimaangepasst und rücksichtsvoll gegenüber den Menschen, die dort bereits wohnen.“
