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Jugend musiziertBurscheider Tuba-Duo gewinnt Bundeswettbewerb von Jugend musiziert

4 min
Zwei junge Tuba-Spieler und ein alter Mann stehen vor einem Plakat.

Preisträger Linus Pfister (l.), Lehrer und Professor für Tuba, Ulrich Haas und Preisträger Alexander Wendt.

Die Jury von Jugend musiziert zeichnete das Burscheider Tuba-Duo Alexander Wendt und Linus Pfister mit dem 1. Preis aus. 

Sie sind die besten Nachwuchsmusiker, die Burscheid zu bieten hat: Alexander Wendt und Linus Pfister holten als Tuba-Duo den ersten Preis beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“. Die beiden jungen Talente erreichten in der Kategorie „Kammermusik für gleiche Blechblasinstrumente“ 25 Punkte – die Höchstpunktzahl. Hinzu kamen zahlreiche Sonderpreise der Luchtenberg Stiftung, der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), des Deutschen Tubaforums und des Deutschen Tonkünstlerverbands.

Die Leistung im Bundeswettbewerb sei ein „Empfehlungsschreiben“, erklärt Ulrich Haas, Professor für Tuba an der Essener Folkwang Universität der Künste, der Wendt und Pfister unterrichtet und auf „Jugend musiziert“ vorbereitete. Und weiter: „Der Wettbeweb ist anspruchsvoll, weil regional und auf Landesebene bereits gefiltert wurde. Die Jury muss auf diesem Niveau hart sein, Sympathie-Punkte gibt es nicht.“ Außerdem seien Bewertungskriterien wie Technik und Intonation in dieser Liga vorausgesetzt, stattdessen werde der Fokus auf Musikalität und Ausdruck gelegt. „Das, was gelernt ist, kann man reproduzieren, aber das I-Tüpfelchen ist der Moment, wenn beim Spielen auch mal etwas ganz anderes entsteht. Das ist dann Kunst“, so Haas.

Es ist unüblich, dass ein Schüler etwas komponiert
Ulrich Haas, Professor für Tuba

Im Wertungsspiel präsentierten die beiden Jugendlichen unter anderem ein Duett von Wolfgang Amadeus Mozart, Christoph Moschbergers „Tears for Pachelbel“, „White Field Blues“ von Anna Baadsvik sowie „Suche“ von Linus Pfister selbst. Letzteres Stück dürfte laut Ulrich Haas wohl für Wirbel gesorgt haben, denn: „Es ist unüblich, dass ein Schüler etwas komponiert“, sagt der professionelle Tubist.

So kamen Alexander Wendt und Linus Pfister zur Tuba

Für Linus Pfister war es der vierte Auftritt bei Jugend musiziert auf Bundesebene – aufgeregt sei er trotzdem noch, denn: „Man möchte sich auch immer wieder selbst übertreffen.“ Schon in der Grundschule bemerkte der heute 17-Jährige seine Begeisterung für Musik, probierte sich damals allerdings erst mal an einem Instrument, das im starken Kontrast zu seiner jetzigen Passion steht: Der Blockflöte. „Ich hatte einfach Lust auf Musik“, sagt er zu seiner Wahl von damals.

Spätestens am Ende der vierten Klasse stand für Linus Pfister allerdings fest: „Ich will das größte Instrument spielen“. Also ging es erst an das Euphonium und dann schließlich zur Tuba. Pfister qualifizierte sich für das Jungstudentenprogramm, nahm Unterricht bei Ulrich Haas, wurde Teil der Jungen Bläser Philharmonie und spielt aktuell im Bundesjugendorchester.

Zwei Tubisten proben in einem Saal.

Linus Pfister (l.) und Alexander Wendt beim Proben im Kulturforum.

Sein Duettpartner, Alexander Wendt, konnte sich auf ähnliche Art und Weise für die Tuba begeistern. Mit sechs Jahren probierte er die Tuba nach einem Konzert seiner Mutter aus und war sofort fasziniert. „Ich konnte die Tasten fast nicht berühren mit meinen sechs Jahren, aber ich fand schon damals groß und tief super“, erzählt der 16-Jährige. Weil er anfangs allerdings noch zu klein war, spielte Wendt ein paar Jahre Tenorhorn und Euphonium, ehe er sich der Tuba widmen durfte.

Seit drei Jahren nimmt er sein Hobby laut eigener Aussage ernster: Er spielt im Orchesterverein Hilgen (OVH), bei der Jungen Bläser Philharmonie NRW und in Projektorchestern, wie dem Jungen Blasorchester Rhein-Berg.

Dieser Probenumfang war für den Bundeswettbewerb notwenig

Wendt und Pfister spielten für den Wettbewerb zum ersten Mal als Duett. „Die beiden sind zwei äußerst unterschiedliche Charaktere, was sich auch auf das Musikalische auswirkt“, berichtet Haas von den Proben. Sie hätten viel geübt, dass die beiden miteinander spielen und sich dabei nicht sehen, schließlich müsse man auf die „akustische Körpersprache“ achten und „rhythmisch einatmen“, um gut zusammen spielen zu können.

Neben den gemeinsamen Probenwochenenden mussten die beiden jungen Musiker aber auch individuell viel üben. Mindestens anderthalb Stunden am Tag. „Wir proben jeden Tag, eigentlich immer, wenn es geht“, sagen sie. Wenn mal keine Motivation da sei, stellt sich Alexander Wendt gerne einen Timer, sagt er, schließlich muss trotzdem geprobt werden. „Es geht nicht darum, ob man immer Lust hat, man muss es trotzdem machen“, sagt auch Linus Pfister.

Beim Proben ahnte das Duo noch nichts von seinem späteren Erfolg, sagen die beiden. Ulrich Haas berichtet: „Man konnte merken, dass beide sehr motiviert und in der Lage dazu sind.“ Beide hätten den Ehrgeiz gehabt, die Fähigkeit aufeinander einzugehen und Kritik anzunehmen und umzusetzen. 

Man konnte merken, dass beide sehr motiviert und in der Lage dazu sind
Ulrich Haas, Tubist

Das gemeinsame Spielen, begeistert Alexander Wendt an der Musik – sie in Gemeinschaft zu erleben, sagt er. Für Linus Pfister ist Musik ein Werkzeug, mit dem man Gefühle ausdrücken könne, die man nicht mit Worten beschreiben kann. „Ich finde es schön, dass man sich selbst da reinbringen kann“, so Pfister. 

Alexander Wendt und Linus Pfister haben mit ihrem ersten Preis bei Jugend musiziert und den Sonderpreisen allerdings nicht nur ihr außergewöhnliches musikalisches Talent unter Beweis gestellt, sondern wohl auch aufgezeigt, welche musikalische Bandbreite mit ihrem Instrument möglich ist. Pfister sagt dazu abschließend: „Eine Tuba ist weit mehr als ihre Stereotype. Es gibt im Grunde nichts, was man mit der Tuba nicht machen kann: Kontrabassstücke kann man nicht auf einer Geige spielen, aber wir haben ein Oboenstück auf unseren Tuben gespielt.“