Vor gut drei Jahren war der Auszug aus dem Haus der Kunst. Am Wochenende hat sich das Institut im Erdgeschoss des Kulturforums eingerichtet.
Nach dem UmzugWas die Musikschule Burscheid in ihrem neuen, alten Domizil plant

Kristina Nickisch (links) und Katharina Klein leben sich gerade in der neuen Schaltzentrale der Musikschule ein.
Copyright: Thomas Käding
Der Ort wirkt vertraut und ist es irgendwie doch nicht. Am Wochenende ist die Musik- und Orchesterschule Burscheid in die neuen Räume im Erdgeschoss des Kulturforums eingezogen. Am Montag läuft die Technik schon reibungslos. Kristina Nickisch und Katharina Klein können arbeiten, Telefonate annehmen, den Stundenplan bespielen.
Für Klaus Perthel, den Leiter der Musikschule, hat sich allerdings eine überraschende Baustelle ergeben: Sein Versuch, Schilder neben den Türen anzubringen, ist am Beton gescheitert. Anlass für ein, zwei Telefonate mit dem Architekten der „kleinen Oper“ von Burscheid, die im November in prächtigem Rahmen eingeweiht wurde. Aber das sind Kleinigkeiten.
Wichtig ist, dass die Musikschule jetzt wieder sieben Unterrichtsräume an ihrem angestammten Platz hat. Dazu kommt ein kleines Café, in dem die Eltern auf ihre Sprösslinge warten können. Die engen Beziehungen zur Musicalischen Akademie Burscheid haben es auch erlaubt, dass ein Durchgangsraum auch von der Musikschule genutzt werden kann: In den Regalen lagern Musikinstrumente. Auch die Regale hat das fünfköpfige Umzugsteam am Wochenende selbst aufgebaut. Es war überhaupt sehr viel Eigenleistung erforderlich, berichtet Perthel am Montag. Beklagen will er sich darüber allerdings überhaupt nicht.
Schattendasein ist nicht erwünscht
Das im Zuge der Erweiterung des Hauses der Kunst zum Kulturforum verbesserte Raumangebot eröffnet der Musikschule neue Möglichkeiten. Um die optimal zu nutzen, geht es Perthel noch um ein bisschen mehr Sichtbarkeit von außen. Der Eingang liegt jetzt im Schatten der großen Freitreppe am Luchtenberg-Richartz-Park, die zum Kulturforum führt. Eine erste Abhilfe sind die vier Außenleuchten, die mit M, O, S und B beschriftet wurden. Ein weiterer Fingerzeig, dass dort unten nicht nur etwas, sondern sehr viel läuft, sind die zehn Fahrradständer: „Die hat uns die Stadt spendiert“, freut sich Perthel.
Überhaupt: Die Zusammenarbeit mit den Leuten im Rathaus direkt nebenan ist traditionsgemäß gut. Noch mehr Nähe entsteht durch das zweite Büro im Musikschultrakt: Dort arbeitet Joanna Kischka, die Kulturmanagerin – am Montag wiederum gemeinsam mit Renate Bergfelder-Weiss, die sich im Ruhestand als Teilzeit-Geburtshelferin des Kulturforums betätigt.

Klaus Perthel übt ausnahmsweise im Raum für Tasteninstrumente.
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Ein bisschen mehr Sichtbarkeit täte der Musik- und Orchesterschule in Burscheid trotzdem gut, findet Perthel. Vom Architekten des Kulturforums, Wolfgang Krenz, stamme die Idee, einen Kontrabass mit Beton auszugießen und diese Skulptur an den Zugang zu stellen. So etwas würde sich wohl gut machen im Luchtenberg-Richartz-Park, der ja in den kommenden Monaten neu gestaltet wird. Ob das so kommt, weiß man nicht. Aber an Ideen und Kreativität mangelt es in der Musikschule grundsätzlich ja nicht.
Das zeigt sich am Konzept für die Musikalische Früherziehung. Kristina Nickisch macht das seit zehn Jahren neben ihrem Administrationsjob. Und wenn sie alles umsetzt, was sie so vorhat, wird die Musikschule über kurz oder lang eine neue Bürokraft brauchen. Musikalische Früherziehung gibt es jetzt schon in einem Kindergarten; weitere sollen dazukommen. Jeweils einmal pro Woche können die Kinder mit Nickisch „spielerisch lernen“. Flächendeckend läuft das schon in den drei Burscheider Grundschulen. Dort gibt es jeden Tag 20-minütige Klangpausen.

Ins Erdgeschoss des Burscheider Kulturforums ist am Wochenende die Musik- und Orchesterschule Burscheid eingezogen.
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Und damit der Kontakt zur Musik in der weiterführenden Schule nicht abreißt, gibt es auch einen Plan für die Johannes-Löh-Schule: Die Bläserklasse soll wieder zum Leben erweckt werden.
Die Bemühungen um kleine Kinder haben offenbar jetzt schon Früchte getragen: Als sich die Musik- und die Orchesterschule im August 2024 auf Geheiß der Stadtverwaltung zusammentaten, zählten sie 361 Schülerinnen und Schüler. Am Montag berichtet Leiter Klaus Perthel von 431. Auch nicht unwichtig: das wirtschaftliche Ergebnis. 2024 wurde die erwünschte „schwarze Null“ erreicht; 2025 dürfte das auch geklappt haben, schätzt Perthel. Beste Voraussetzungen also, im neuen alten Domizil durchzustarten.

