Der Bergische Fahrradbus soll eingestellt werden, aber auch ganze Buslinien eingedampft werden. Ein herber Verlust, findet unser Autor.

Kommentar zu ÖPNV-PlänenAusstiege aus Freizeitverkehren machen die Region ärmer

Ein Bild der Vergangenheit: Die Linie des Bergischen Fahrradbusses soll bereits in diesem Jahr aus dem Verkehr gezogen werden.
Copyright: Guido Wagner
Es ist nicht mehr der Einstieg in den Ausstieg – sondern längst die laufende Kehrtwende im Öffentlichen Personennahverkehr der Region. Klar, Freizeitverkehre wie Fahrrad- und Wanderbus gehen über die reine „Daseinsvorsorge“ hinaus, wie der Kreis argumentiert. Ein Aus für ein Vorzeigeprojekt wie den Wanderbus aber würde nicht nur die Naherholungsregion ärmer und damit unattraktiver auch für zahlende Ausflügler machen, sondern auch Probleme wie den Parkdruck entlang naturgeschützter Täler wie dem Eifgenbachtal weiter verschärfen.
Und das ist erst der Anfang: Denn Fahrradbus und Wanderbus sind nur zwei Positionen einer langen Streichliste, mit der man im Kreis knapp 1,8 Millionen Euro einzusparen hofft. Dazu gehören Kürzungen bei Nachtbuslinien, die übrigens auch unter den „Freizeitverkehren“ rangieren, ebenso wie wie die Umstellung von Buslinien auf den Betrieb mit Taxibussen. Diese muss man dann vor jeder Fahrt, bei Kleingruppen sogar ein paar Tage im Voraus, ordern. In der Regel werden Linien dadurch für Nutzer noch unattraktiver. Der nächste Schritt ist dann in der Regel – das hat die Erfahrung vor mehr als 15 Jahren gezeigt – früher oder später die komplette Einstellung der entsprechenden Linie.
Verkehrswende wird in Rhein-Berg zurückgedreht
Mit dem Paradigmenwechsel vom nachfrage- zum angebotsorientierten ÖPNV vor einigen Jahren schien diese Abwärtsspirale überwunden zu sein. Schien! Denn die Finanznot hat sie zurück auf die politische Agenda gebracht. Mit der parallel gestarteten Neuaufstellung des Nahverkehrsplanes – so wird immer wieder gerne aus dem Kreishaus verkündet – solle das Angebot für die Fahrgäste verbessert und gleichzeitig der Zuschussbedarf für den ÖPNV verringert werden. Das klingt wie die unmögliche Quadratur des Kreises.
Eher dürfte die nun begonnene Kehrtwende ein Vorgeschmack sein, auf das, was da noch kommt: Der Ausstieg aus Verkehrs- und Klimawende mit kräftig Augenwischerei. Transparenz, wie man sie gerade in politisch herausfordernden Zeiten braucht, sieht anders aus.

