Auch das Erfolgsmodell Bergischer Wanderbus soll eingestellt werden, wenn sich bis zum kommenden Jahr kein Sponsor findet.
Freizeitverkehr zu teuerBergischer Fahrradbus steht vor dem Aus

Auch Erfolgsmodell Wanderbus soll eingestellt werden, wenn sich kein Sponsor findet
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2017 ist er gestartet, sollte Fahrradfahrern im Bergischen den Weg bergauf abnehmen – jetzt steht er vor dem Aus: Der Bergische Fahrradbus soll schon in dieser Saison nicht mehr an den Start gehen. Das schlägt die rheinisch-bergische Kreisverwaltung der Politik vor. Der Grund: Die Zahl der Radlerinnen und Radler, die die zwischen Leverkusen-Opladen und dem oberbergischen Marienheide verkehrenden Busse mit Fahrradanhänger in den Sommermonaten nutzten, ging stetig zurück. Im vergangenen Jahr war bereits der Oberbergische Kreis aus der Finanzierung des Bergischen Fahrradbusses ausgestiegen. Der Rheinisch-Bergische Kreis und die Stadt Leverkusen hatten daraufhin die Kosten für die Fahrradbuslinie, die in der Saison an Wochenenden und Feiertagen entlang der ausgebauten Radrouten auf ehemaligen Bahntrassen fährt, alleine gestemmt. Dazu hatten sie die Saison bereits verkürzt – und den Fahrplan ausgedünnt.
Zahl der Fahrgäste nach Reduzierung der Fahrten weiter gesunken
Die Zahl der durchschnittlich beförderten Fahrgäste pro Betriebstag allerdings ging – anders als beim Bergischen Wanderbus – weiter zurück: um mehr als 51 Prozent auf gerade mal 23 Personen. Dabei hatte gerade mal jeder zweite ein Fahrrad dabei, die übrigen waren Wanderer oder sonstige ÖPNV-Nutzerinnen und Nutzer.
Die Folge: Die Zahl der Fahrgäste sank deutlich stärker als Kosten durch die reduzierten Betriebstage eingespart wurden. Fazit der Kreisverwaltung: „Ohne eine kostenintensive Ausweitung ist nicht damit zu rechnen, dass eine erneute Steigerung der Nutzungszahlen erreicht werden kann.“ Zumal, da die zunehmende Verbreitung von E-Bikes den Anreiz zur Nutzung des Fahrradbusses zusätzlich reduziert. Die Kreisverwaltung schlägt daher dem Kreistag vor, den Bergischen Fahrradbus schon in diesem Jahr nicht weiter fortzufahren. 59.000 Euro plant der Kreis dadurch einzusparen. Die Zubringer-Linie 430 von Bergisch Gladbach zur Balkan-Bahntrasse in Burscheid, die ebenfalls am Wochenende in der Saison mit Fahrradanhänger verkehrte, war bereits im vergangenen Jahr eingestellt worden.
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Auch dem Bergischen Wanderbus droht das aus, wenn kein Sponsor kommt
Ähnliches wie dem Bergischen Fahrradbus könnte auch dem Bergischen Wanderbus drohen, der einst das Vorzeigeprojekt für sanften Nahtourismus war und seit 2010 entlang des oberen Dhünn- sowie des Eifgenbachtals und seiner reizvollen Wanderwegen verkehrt. Zwar soll er in diesem Jahr nochmal in die Saison starten, „in Anbetracht der Haushaltssituation des Rheinisch-Bergischen Kreises“ sei er jedoch „als über die Daseinsvorsorge hinaus gehendes Angebot“ kritisch zu prüfen, schreibt die Kreisverwaltung zum Verkehrsausschuss des Kreistags. Vorschlag der Verwaltung: Findet sich für das Jahr 2027 kein Sponsor für den Wanderbus, sollte auch er eingestellt werden.
Wie die Politiker im Verkehrsausschuss am Donnerstagabend (26.2.) beteuerten gebe es bereits gute Gespräche mit denjenigen, die vom Bergischen Wanderbus profitierten, heißt: Akteuren aus dem Tourismus.
Beim Wanderbus wurden Fahrten reduziert, die Fahrgastzahl stieg aber
Auch beim Wanderbus wurden die Fahrten im vergangenen Jahr reduziert. Dadurch stieg die durchschnittliche Zahl der pro Fahrtag beförderten Fahrgäste zwar um mehr als elf Prozent auf gut 25 Personen an – angesichts der Finanznot reicht das aber laut Kreisverwaltung offenbar nicht aus, um den Betrieb, dessen Zuschuss allein der Rheinisch-Bergische Kreis trägt, aufrecht zu erhalten.
In diesem Jahr soll der Bergische Wanderbus mit dem Beginn der Osterferien am 28. März in die Saison starten. Diese soll dann bis zum 4. Oktober dauern.
Im nächsten Jahr müsste dann laut Vorschlag der Kreisverwaltung ein Sponsor gefunden werden. Der Kreis kalkuliert intern mit mindestens 40.000 Euro Kosten, die anderweitig finanziert werden müssten – oder eben entfallen, wenn der Wanderbus eingestellt wird. Nicht nur diese Pläne für den ÖPNV dürften für politischen Zündstoff sorgen.

