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Wirtschaft138 Arbeitsplätze in Kürten in Gefahr

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Das Foto zeigt die Werkshallen des Ladenbauers Korte

Der Ladenbauer Korte in Kürten

Der Kürtener Ladenbauer Korte steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten

Über viele Jahre galt die Korte Einrichtungen GmbH als Vorzeigeunternehmen in der Gemeinde Kürten. Der Spezialist für Ladenbau expandierte in den vergangenen Jahrzehnten erheblich am Heimatstandort Kürten. Mit aktuell 138 Mitarbeitenden stieg das Unternehmen zu einem der größten Arbeitgeber der Kommune auf. Die zahlreichen Werksgebäude, im markantem Rotton gehalten, ziehen sich wie eine Perlenkette entlang der Wipperfürther Straße. Mit ihrem Voll-Service-Angeboten für Bäckereien und weitere Branchen schien Korte resilient und widerstandsfähig vor den aktuellen Herausforderungen zu sein.

In Eigenverwaltung

Doch die in vielen Branchen um sich greifende Wirtschaftskrise macht jetzt auch vor Korte nicht halt. Dunkle Wolken sind aufgezogen: In der vergangenen Woche hat Korte-Geschäftsführer Jochen Engelke beim Amtsgericht Köln die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Am 18. August hat das Amtsgericht dem Antrag entsprochen und ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren angeordnet. Damit kann der Geschäftsbetrieb bis auf weiteres uneingeschränkt fortgesetzt werden.

Die Gehälter der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich Oktober gesichert; das sind nur noch zwei Monate. Was danach kommt, ist ungewiss. Rechtsanwalt Florian Bandrack von Beratungsdienstleister „Baker Tilly“ ist vom Amtsgericht als Generalbevollmächtigter eingesetzt worden, als vorläufige Sachwalterin hat das Gericht Rechtsanwältin Marion Rodine (Runkel Rechtsanwälte) benannt. Dies sind operative Entwicklungen, die bei Insolvenzanträgen üblich sind.

Wechsel 2021

Nachdem Inhaber Rainer Korte und Geschäftsführer Thomas Korte ihr Unternehmen im Jahr 2021 an den Münchner Investor Adcuram abgegeben hatten, war der heutige Geschäftsführer zunächst als Beiratsmitglied bei Korte eingestiegen. Im vergangenen Jahr übernahm Jochen Engelke die Geschäftsführung. Der Unternehmer zeigt sich optimistisch für den weiteren Verlauf des Verfahren. In einer Mitteilung setzt er auf die Fortführung des Geschäftsbetriebs. Die Eigenverwaltung gebe dem Unternehmen die Möglichkeit, sich auf strukturelle Veränderungen im Bäckereigewerbe einzustellen.

„Mit individuellen Ladenbaukonzepten für klassische, für hybride und für autonome Bäckereifilialen wollen wir uns künftig noch stärker als zuverlässiger, kreativer und engagierter Lösungspartner vom Wettbewerb abheben“, wird der Geschäftsführer zitiert. In der Branche hat Korte den Ruf eines „Hidden Champions“, eines heimlichen Champions, der dank einer Fertigung mit eigener Schreinerei, Schlosserei, Glaserei, Lackiererei und Ladenbautechnik alles aus einer Hand liefern kann.

Gegründet in Biesfeld

1997 war Korte als mittelständisches Handwerksunternehmen in Kürten-Biesfeld gegründet worden, schon 2003 entstand im Ortsteil Broch die heutige Firmenzentrale. Mehrere Erweiterungen folgten, zuletzt entstand 2019 die dritte Werkshalle. Deutschlandweit machte Korte mit Branchenauszeichnungen auf sich aufmerksam, Auszubildende wurden mehrfach prämiert. Allerdings ist seit einigen Jahren das Bäckereigewerbe von einem tiefgreifenden Strukturwandel betroffen, von einem Bäckereisterben ist in der Branche die Rede. Auch das Bäckereiangebot in Supermärkten, mit Einrichtung größerer Angebote, spielt dabei gewiss eine Rolle.

„Unsere Wirtschaftsförderung ist im ständigen Austausch mit den Kürtener Unternehmen“, erklärt Bürgermeister Mario Bredow (parteilos) auf Nachfrage. Vor wenigen Monaten habe er noch an einer Betriebsbesichtigung bei Korte teilgenommen, er kenne die Akteure. In Kürten hat die CDU-Fraktion als erste im politischen Raum reagiert. Möglicherweise habe die Situation Auswirkungen auf die Gewerbesteuereinnahme der Kommune. „Zeitnah, umfassend und nachvollziehbar“ solle die Verwaltung im kommenden Haupt- und Finanzausschuss (9. September) die Auswirkungen auf den Haushalt darlegen. Der Fraktionsvorsitzende Willi Schmitz: „Die Insolvenz eines der größten Arbeitgeber der Gemeinde ist kein Vorgang, den man abwartend zur Kenntnis nimmt.“

Antrag der CDU-Fraktion

Die CDU verlangt im Ausschuss Aussagen der Verwaltung zur Situation von Korte und auch zur Fortführung, Sanierung oder auch zur Abwicklung des Unternehmens. Möglicherweise seien für die Gemeinde auch Verzögerung bei eigenen Investitionen absehbar. Schmitz deutet an, dass aufgrund von Einnahmeausfällen auch die Grundsteuer B angehoben werden könnte. Es gehe auch um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Gemeinde sowie um Sozialleistungen und Unterstützungsgelder, die auf die Gemeinde zukommen könnte.

Die Verwaltung solle mit den Akteuren des Verfahrens Kontakt aufnehmen und Rat und Ausschüsse vollständig und zeitnah informieren. „In einer Situation dieser Tragweite braucht es Klarheit, Transparenz und entschlossenes Handeln“, erklärt ergänzend Fraktionsvize Frithjof Sempell. Im Frühjahr hatte der Rat nach CDU-Antrag ein freiwilliges Haushaltssicherungskonzept für die Gemeinde beschlossen. Mit dem möglichen Neubau der Gesamtschule steht zudem eine große Investition in Kürten bevor.

„Die Entwicklung bei Korte ist brisant“, so Sempell. Die von der CDU nachgefragten Zahlen unterlägen dem Steuergeheimnis, sagt Kürtens Bürgermeister auf Nachfrage. Zur Unternehmenssteuer einzelner Firmen dürfe er auch im nichtöffentlichen Teil der Beratung nichts sagen.